Marschier oder stirb

OT: March or Die - 107 Minuten - Drama
Marschier oder stirb
Kinostart: 08.09.1977
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Marschier oder stirb

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Die französische Fremdenlegion ist trotz ihres Rufes ein seltenes Filmthema und erregte wohl zum letzten Mal mit „Der Legionär“ (Jean-Claude van Damme) etwas Aufmerksamkeit. Die klassische Verfilmung von Dick Richards aus dem Jahr 1977 nimmt sich dieser Armee reifer und anspruchsvoller an und hat mit Gene Hackman, Terence Hill, Catherine Deneuve, Max von Sydow, Ian Holm und dem Riesen Jack O'Halloran eine erlesene Auswahl an Schauspielern zu bieten. Ganz interessant ist dabei die Tatsache, dass ein junger Jerry Bruckheimer hier einen seiner ersten Filme produzierte.

Angesiedelt nach dem Ersten Weltkrieg, kehrt die Legion nach verlustreichen Kämpfen in ihre Heimat zurück. Angeführt von Major William Sherman Foster (Gene Hackman) verlassen die müden, teilweise schwer verletzten Soldaten die Züge, warten Hinterbliebene auf dem Bahnsteig und liegt eine melancholische Atmosphäre über den tristen Bildern. „Marschier oder stirb“ bezieht Stellung, kritisiert den Krieg als solchen und überträgt das hoffnungslose, traurige Gefühl auf den Zuschauer – unterstützt von den leisen Tönen Maurice Jarres. Lieder zu Ehren der gefallenen Kameraden werden angestimmt, es wird auf sie getrunken, doch trösten kann das den kantigen Major, der viele Soldaten in den Tod führen musste, nicht.

Wie so viele andere ist auch er in der Legion, weil eine nicht ganz einfache Vergangenheit hinter ihm liegt – der Rauswurf aus der amerikanischen Armee. Zu seiner neu aufgestockten Kompanie meldet sich allerlei seltsames Volk. Der Russe Ivan (Jack O'Halloran), dem nach einer Schlägerei Gefängnis droht, der Juwelendieb Marco Segrain (Terence Hill), auf den ebenfalls eine harte Strafe wartet, aber eben auch deutsche Kriegsgefangene und ziellose Menschen wie Musiker und Studenten. Anfangs die Legion noch für ein Abenteuer haltend, sollen sie schon bald eines Besseren belehrt werden.

Da in Marokko eine französische Expedition bei Ausgrabungen von einem dortigen Stamm blutig niedergemetzelt worden ist, wird Major Foster als Begleitung für eine erneute Expedition befohlen. Und auch wenn er es gegenüber seinen Männern nie offenbart, ist er besorgt über dieses Unterfangen und um seine Soldaten. Dem Leiter François Marneau (Max von Sydow) gänzlich feindlich gesinnt, hinterfragt er dieses Unternehmen. Ist ein Grab wirklich so viele Menschenleben wert? Foster ist ein Mann, der genug Grauen in seinem Leben gesehen hat und seine Kritik mit Zynismus und Sarkasmus spickt, dabei im Kern jedoch hart bleibt. Für Siege, die er gewonnen hat und seine Männer schlugen, will er nicht geehrt werden – die französische Bourgeoise ist für ein ignorantes Feindbild

Parallel hierzu die harte, aber viel zu kurze Ausbildung in der endlosen Wüste. In schönen mitunter pessimistischen Landschaftsmotiven wird der gnadenlose Drill der Legion deutlich. Aus den anfangs noch fröhlich gestimmten Männern, werden sklavenartige Soldaten, die an ihre Grenzen gehen müssen. Aus ihnen sticht Marco Segrain hervor, (bei dessen Eintritt macht es sich das Skript doch sehr einfach), der sich nicht so einfach unterordnen möchte, überall aneckt und Kameradschaft zeigt. Nebenher allerdings auch mit der Expeditionsbegleiterin Simone Picard (Catherine Deneuve) flirtet – sehr zum Missfallen von Foster. Auch wenn Hill ungewohnt ernst agiert und hier und da mal ein zu freundliches Gesicht aufsetzt, spielt er hier den Lebemann, der sich durchaus in der Legion zu Recht findet, jedoch ihre Schwächen kritisiert. Wer den Drill nicht durchhält, verliert. Flucht ist nur durch den Tod (Selbstmord) möglich und findet auch statt.

Trotz allen Trainings scheint Foster zu wissen, was ihn erwartet, sobald er die Ausgrabung beginnt. Klasse wird diese Vorahnung in Bildern festgehalten, als ihn einem Markt, umgeben von Einsiedlern, die Klaustrophobie erfasst und jeder wie ein möglicher Feind erscheint. Die ersten Reibereien bleiben, nach einem kurzen und knappen Treffen zweier sich respektierender Anführer, an der Grabstätte, nicht aus. Geradlinig läuft der Film auf den sich zuspitzenden Konflikt zu. Derweil setzt Simone alle Hebel in Bewegung um Marco aus Marokko zu bekommen, doch der soll sich letzten Endes ganz anders entscheiden. Der finale Konflikt hat eine Schlacht mit Hunderten von Statisten zu bieten, ist recht spektakulär inszeniert, setzt dabei jedoch nicht auf plakative Gewaltausbrüche und endet klassisch.

Fazit:
„March or die“ behandelt die französische Fremdelegion fair – kritisiert sie und zeigt ihre Stärken und Vorzüge. Dabei wird Gene Hackman die Rolle des Kritikers zugesprochen, so dass der Film in aller Deutlichkeit Stellung beziehen kann. Eine gute Inszenierung, gute Schauspieler, sowie der geschickte Mix aus Drama, Abenteuer, Action und Romantik runden diesen Film zu einem der besten in seinem Genre ab.

 

Wertung:

8/10 Punkte

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