Django und die Bande der Gehenkten

OT: Preparati la bara! - 88 Minuten - Western
Django und die Bande der Gehenkten
Kinostart: 05.07.1968
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 17.10.2013
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Filmkritik zu Django und die Bande der Gehenkten

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Zu Zeiten als Terence Hill sich noch Mario Girotti nannte und die deutsche Synchronisation gar nicht genug Djangos gebären konnte, entstand ein Italowestern, der nicht nur sogar in der Originalfassung seine Hauptfigur so taufte, sondern sich vor Corbuccis Klassiker auch gar nicht zu verstecken braucht. Jedenfalls gilt diese Aussage für die Urfassung „Django und die Bande der Gehenkten“, wohingegen die spätere Ulk-Version mit Titel „Joe, der Galgenvogel“ nicht nur etliche Kürzungen zu beklagen hat und ständig versucht Assoziationen zu Bud Spencer zu wecken, sondern zudem die Story selbst reichlich verfälschte.

Deswegen widmen wir uns auch lieber fix der eigentlich Intention Ferdinando Baldis („Texas, addio“) der zusammen mit Terence Hill in „Blaue Bohnen für ein Halleluja“ bereits ein Jahr vorher eindrucksvoll bewies, dass man Humor und den Italowestern keinesfalls mit einem Musical kreuzen darf. Baldi, hier auch mit am Drehbuch beteiligt, hatte ganz offensichtlich vor auf Sergio Corbuccis Pfaden zu wandern. Kameramann Enzo Barboni, der nur wenige Jahre später das Duo Spencer/Hill zu Ruhm führte, war an „Django“ und dessen Skript mitbeteiligt, die Inszenierung, der Plot selbst und die Tatsache, dass ursprünglich Franco Nero („Django“, „Keoma“) selbst für die Rolle vorgesehen war, weisen ebenfalls nur überdeutlich darauf hin.

Die von Nero hinterlassende Lücke wurde schließlich von Terence Hill, der im gleichen Jahr in „Vier für ein Ave Maria“ und „Gott vergibt - wir beide nie“ auf Bud Spencer traf, überraschend ebenbürtig gefüllt. Aus der späteren Abo-Frohnatur wird hier schnell ein verbitterter, rachsüchtiger, entschlossener Witwer, der mit seiner harten, entschlossenen Mimik und den blauen Augen Nero in Nichts nachsteht. Sein Filmego ist klassisch durch und durch: Zerfressen vom Wunsch nach Vergeltung, seiner Lebensinhalte beraubt, ruft er still und bestimmt seine persönliche Mission aus, um seine Art von Gerechtigkeit walten zu lassen.

Die Geschichte dreht sich auch hier einmal mehr um die zentralen Leitmotive des Genres: Rache und Gier. Der Gier zumindest kann der integre Django wiederstehen, denn das lukrative Angebot David Berrys (Horst Frank, „Django - Ein Sarg voll Blut“, „Django - Die Totengräber warten schon“) lehnt er ab. Der listige Politiker hat eine schillernde Vergangenheit und einiges auf dem Kerbholz, weswegen Django auf seiner Position beharrt. Beide kennen sich von früher. Als Django ihn bei einem kleinen Handgemenge unterstützt und davon erzählt, dass er demnächst eine Wagenladung Gold befördert, klingeln bei seinem Gegenüber schon die Dollar. Und tatsächlich wird er nur wenig später mitsamt seinem Track überfallen und ausgeraubt. Auch seine Ehefrau kommt dabei ums Leben. Als Henker kehrt Django zurück...

Schon hier wirft das gemeinsam von Baldi und Franco Rossetti („Django“, „Johnny Oro“) geschriebene Drehbuch, das einzige und dafür wirklich unübersehbare Problem des Films, schnell Fragen auf, die schlicht und einfach wohl der Filmlogik zum Opfer fallen. Django, der ebenfalls beim Überfall mehrfach angeschossen und für tot gehalten wurde, wandelt nun plötzlich genesen in der Stadt unter den Lebenden, trägt einen schwarzen Cowboy-Anzug, wie es sich für einen Henker gehört und geht unbehelligt seiner Arbeit nach, weil ihm keiner auf den Zahn fühlt. Dass er sich seine Rache mehrere Jahre aufgespart hat, ist genauso unwahrscheinlich, wie seine Auferstehung erklärt wird. Hier konstruieren sich die beiden einfach zuviel zurecht. Was geschah in der Zwischenzeit?

Die Strategie Djangos, alle Unschuldigen und nur auf Drängen des inzwischen sehr mächtigen Berrys an den Galgen gebrachten Verurteilten mittels eines Tricks am Leben zu lassen und später loszuschneiden, um in seine Bande einzugliedern, birgt für sich schon einiges an Potential, wird nur leider gleich in zweierlei Hinsicht vergeudet. Erstens wäre die Maßnahme, die falsch aussagenden Zeugen und Sympathisanten Berrys des Nachts als Geist heimzusuchen weitaus effektiver gewesen und zweitens, so wird sich später herausstellen, braucht Django diese sich verselbstständigende und später anstatt Loyalität lieber ihre eigenen Ziele verfolgende Bande auch gar nicht. Deswegen bleibt sie eher schmuckes, von der Handlung auch teilweise losgelöstes Beiwerk. Die angeblich Unschuldigen werden, bis auf eine Ausnahme, nur ungenügend charakterisiert, weswegen ihre folgenden Entscheidungen immer schwerer nachzuvollziehen sind. Die Freude über das zweite Leben fällt sogar gänzlich flach. Aspekte, die besonders negativ zu Buche schlagen.

Ansonsten setzt Baldi seinen Stoff aber gekonnt um. Die Optik ist schroff, trostlos und düster, die Figuren wortkarg, der Fortschritt der Handlung straff, die Grundstimmung stellenweise nihilistisch und der zielstrebige Held äußerst markant, unbestechlich und von seiner Mission ganz erfüllt. Eben genau so, wie ich „meinen“ Italowestern mag. Terence Hill ist in seiner früheren Hauptrolle wirklich klasse, zumal er ernsthaft darum bemüht ist Schmerz und Rachegelüste mimisch in Einklang zu bringen, was er auch überraschend gut hinbekommt. Dazu gesellt sich übrigens ein wirklich toller Score von Gianfranco Reverberi („Der Sizilianer“), der so maskulin und treibend daherkommt, wie er für diese, zeitweise schon Endzeitatmosphäre aufkommen lassende, Welt kaum treffender sein könnte.

Natürlich verläuft trotz sorgfältiger Planung Djangos auch dieser Film nicht ganz problemlos, denn der zunächst ungläubige Berry und sein Handlanger Lucas (George Eastman, „Rocco - Ich leg' dich um“, „Django - Die Nacht der langen Messer“) riechen den Braten, obwohl sie ihn eher zufällig durchschauen und festnageln, bevor es dann zu einem doppelten Showdown in einem brennenden Saloon und einem verwahrlosten, ärmlichen Friedhof kommt. Beide verfügen nicht nur über einen enorm hohen Bodycount, sondern erinnern ebenfalls in der Wahl der „Werkzeuge“ an das offensichtliche Vorbild „Django“. Auch hier sind es letztlich Außenseiter, die Django überhaupt ermöglichen sein Motiv in die Tat umzusetzen.

Die ausbeuterischen Machenschaften des Staates, der sich auf Kosten „seiner“ Bevölkerung selbst bereichert sind dank Senator Berry Hauptkritikpunkt von „Django und die Bande der Gehenkten“. Überspitzt stellt der Film Überlegungen an, wie weit und zwar über Leichen man gehen kann, um sich auf ganz skrupellose Weise seine Wiederwahl zu finanzieren, ohne entscheidend an Reputation zu verlieren oder Gedanken an den einfachen Mann zu verschwenden. Lebensweisheiten wie Loyalität, Gier, Käuflichkeit und der davon getrübte Überlebensinstinkt eigentlich einmal rechtschaffener Männer, die in einer verrohten Welt nun die Chance ergreifen, sind nur sekundär vertreten, zählen aber natürlich zu den Hauptbestandteilen des Genres und werden hier auch zweckmäßig eingewoben, ohne dem leider zu konstruierten und dann auch noch seine weiteren Figuren sträflich vernachlässigenden Drehbuch in die Quere zu kommen.


Fazit:
„Django und die Bande der Gehenkten“ gehört zweifellos zu den besten „Django“ – Epigonen, auch wenn sein schwaches Drehbuch dank vorenthaltener Informationen und erzwungener Unglaubwürdigkeit eine höhere Wertung beschränkt. Unter den prächtig rohen, kantigen und düsteren Bildern von Ferdinando Baldi läuft Terence Hill als schweigsamer, mysterischer Rächer jedenfalls zu Höchstform auf. Der doppelte, exquisit inszenierte Showdown, wohl mehr als nur eine „Django“ – Hommage, erledigen den Rest. Mit Sicherheit nicht wahnsinnig originell, dafür trostlos, hart und direkt. Die Genrefans greifen ohnehin zu. Aber bitteschön zur Urfassung, die auch noch ein paar unpassende Kommentare parat hält.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
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