Die letzte Rechnung zahlst Du selbst

OT: Al di là della legge - 90 Minuten - Western
Die letzte Rechnung zahlst Du selbst
Kinostart: 30.08.1968
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die letzte Rechnung zahlst Du selbst

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Für den Italowestern-Fan bleibt „Die letzte Rechnung zahlst du selbst“ ein uninteressantes Ereignis, das höchstens noch aufgrund seiner bekannten Besetzung Aufmerksamkeit erregt, weil es auch nicht über die grundlegenden Tendenzen des Genres verfügt und sich als harmloser Westernkrimi mit kindgerechten Humor ausweist.

Lee Van Cleef („For a Few Dollars More“, „Sabata“), dank Sergio Leone damals wieder dick im Geschäft, war 1968 gleich an vier Filmen mitbeteiligt und gibt hier den dreckigen Gauner Billy Joe Cudlip. Zusammen mit zwei Kumpanen hat er sich auf Trickbetrügereien spezialisiert. Als er jedoch dem frisch in Amerika eingetroffenem, europäischem Ingenieur Ben Novack (Antonio Sabato, „Grand Prix“, „Drei ausgekochte Halunken“) die gesamte Lohntüte für die Minenarbeiter von James Cooper (Bud Spencer ohne Bart!!) während einer Kutschenfahrt klaut und infolge eher zufällig in die Rolle des verkanten Helden gerückt wird, beginnt er sich zu verändern, denn ihm schmeckt plötzlich die richtige Seite des Gesetzes, auf die er sich eher zufällig begibt.

Es fällt nicht ganz leicht sich Eindruck über den Film zu verschaffen, denn auch dieser Italowestern fiel einer Radikalkürzung seinerzeit zum Opfer. Es fehlen in der deutschen Fassung laut diverser Quellen etwa 20 Minuten. Ich beziehe mich hier also auch nur auf diese mit knapp 85 Minuten fast schon der Minimallaufzeit entsprechenden Kurzfassung.

Ob der Film mit den fehlenden Szenen wesentlich besser ausfallen würde, darf jedoch bezweifelt werden, denn so schrecklich aufregend ist das hier alles nicht. Der naive Europäer Novack wird relativ schnell vernachlässigt, beziehungsweise seine Abstammung spielt überhaupt keine Rolle mehr und Cudlips Veränderung vollzieht sich nach einer obligatorischen Saloonschlägerei auch eher langsam. Den erneuten Versuch die Lohngelder in das Wüstenkaff zu transportieren, will Cudlip, dem nach einem Konflikt mit einigen Gesetzeslosen plötzlich die halbe Stadt traut (später wird er sogar Sheriff), zu einem zweiten Coup nutzen, doch erstens trickst Ben, der ihn längst durchschaut hat, aus und zweitens werden sie von einer ganzen Schwadron des verbrecherischen Burton (Gordon Mitchell, leider als optisches Zorro – Imitat total verschenkt) angegriffen, die ihrerseits an das Gold will.

Auch wenn hier ganze sechs Autoren am Drehbuch beteiligt waren, so sollte man von „Die letzte Rechnung zahlst du selbst“ keineswegs eine großartige, oder gar spannende Story erwarten. Der Ablauf bleibt bis zum Schluss sehr vorhersehbar. Dass hier alles auf einen Konflikt zwischen der Verbrecherbande und dem nun plötzlich sehr integren Cudlip, der sich die Bewohner als Verstärkung sichert, hinaus läuft, ist bereits früh ersichtlich. Während dessen bleibt die Beziehung zwischen ihm und Ben hübsch unerklärt und vage, weil beide gar keinen Grund haben Sympathien füreinander zu entwickeln beziehungsweise ein möglicher Auslöser nicht aufgezeigt wird und Cudlip vor allem anfangs nicht gerade ein freundschaftliches Verhalten an den Tag legt, zumal seine schwankende Haltung in keiner Weise Erklärung findet.

Leider vermochte Regisseur Giorgio Stegani („Adiós gringo“) auch nicht mit seiner Inszenierung der Qualität des Films einen Schub zu verpassen. Die wenigen Schießereien sind eher hektisches und wenig spannend inszeniertes, wildes Herumgeballer mit angemalten Kunstblut. Auch das Finale enttäuscht leider, obwohl eigentlich sehr dramatisch, dank fehlendem Fingerspitzengefühl. Aufgesetzte, ja fast wie vom Drehbuch erzwungene Komikeinschübe kreuzen bitterernste Momente und hinterlassen mit ihren unpassenden Auftritten eher Fragezeichen als ein amüsiertes Grinsen.

Schauspielerisch macht im Grunde nur der wie immer gute Lee Van Cleef, wenn auch nicht so brillant wie sonst, auf sich aufmerksam, während sich an seiner Seite noch „Hart to Hart“ – Butler Lionel Stander tummelt und Antonio Sabato ganz solide in seiner ehrlichen Haut verkauft. Das eher mittelmäßige Talent hat Sohnemann Antonio Sabato Jr. („High Voltage“, „The Big Hit“) wohl von ihm geerbt.

Fazit:
Für den Westernfan bleibt es nur bei einem durchschnittlich unterhaltsamen Ereignis. Zwar zweifelt man ab und zu mal an den Motivationen und folgenden Entscheidungen der ein oder anderen Figur und Cudlip im Besonderen, doch Steganis träge Inszenierung, die nun wirklich gar keine Schauwerte für sich verbuchen kann, enttäuscht doch dank ihrer monotonen Optik. So bleibt ein guter Lee Van Cleef in einem ansonsten ideenlos umgesetzten, streckenweise auch öden Genrebeitrag ohne Würze und Schmackes. Der wenige Humor und der Charakterwandel vermögen da auch keine echten Akzente mehr zu setzen.

 

Wertung:

5/10 Punkte

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