K-19: Showdown in der Tiefe

OT: K-19: The Widowmaker - 137 Minuten - Thriller
K-19: Showdown in der Tiefe
Kinostart: 05.09.2002
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 28.01.2011
Will ich sehen
Liste
7931
Bewerten:

Filmkritik zu K-19: Showdown in der Tiefe

Von am

Dass russische Atom-U-Boote als Schauplatz für nervenzerfetzende Thriller dienen können, ist spätestens seit "Jagd auf Roter Oktober" bekannt. Regisseurin Kathryn Bigelow, die nach mehreren mittelmäßigen Filmen wieder Fuß fassen will, inszenierte diese Beinahkatastrophe nach wahren Ereignissen. Das K-19 ist das Flagschiff der sowjetischen U-Boot-Armada und soll mittels eines strategischen Tests den Amerikanern zeigen, dass Rußland durchaus in der Lage ist sie zu verwunden. Da der Kommandant Mikhail Polenin (Liam Neeson) aber schon während des Baus grobe Mängel anspricht und mehr Zeit fordert, setzt ihm das Politbüro Kapitän Alexi Vostrikov (Harrison Ford) vor die Nase, der auf der Übung nun das Kommando übernimmt. Klar, wo das hinführen muss.....

Um einen guten Thriller zu drehen versucht Bigelow sich an Klassikern und Königen des Genres zu orientieren, recycelt aber im Endeffekt diese nur und versinkt im Meer von Klischees. Denn schon nach den ersten fünf Minuten ist dem Zuschauer klar, in welche Katastrophe der Film und damit das U-Boot steuern wird. Der erfahrene Reaktoroffizier wird gegen einen unerfahrenen ausgetauscht und die Taufflasche zerbricht nicht am Bug des Schiffes. Unter Deck treiben sich fast nur extrem junge russische Matrosen herum, die Briefe an ihre Mädels schreiben und Haustiere mit ins Boot nehmen. Der Wodka fließt bis das Auge tränt und Mütterchen Rußland ist alles, was verehrt wird...

Unter Wasser beginnt dann die vermeintliche Spannung: Kapitän Vostrikov lässt das U-Boot erstmal auf maximale Tiefe tauchen, bis die Schwarte kracht ("Das Boot" lässt grüßen) und lässt nebenbei noch etliche Katastrophen wie Feuer und Wassereinbruch an Bord simulieren ("Crimson Tide" lässt grüßen). Dabei geht er meist das maximale Risiko ein, worauf sich langsam ein Streit zwischen ihm und Polenin anbahnt (Crimson Tide...). So vergehen dann geschlagene 40 Minuten in denen der unzufriedene Kapitän versucht seine Mannschaft auf Touren zu bekommen, aber das Gegenteil erreicht und Unfälle provoziert. Diese sich immer wiederholenden Übungen sind arm an Spannung, da es der Regisseurin nicht gelingt die klaustrophobische Stimmung in U-Booten einzufangen, was auch an den zu hell ausgeleuchteten Sets liegt.

Seine guten Seiten zeigt der Film erst nach dem geglückten Abschuss der Übungsrakete im ewigen Eis, über das sich dann die gesamte Besatzung freut und sich wie eine Einheit präsentiert. Warum sie aber gleich eine Wäscheleine am aufgetauchten U-Boot hängen muss bleibt ungeklärt. Die riskanten Manöver und die mangelhafte Konstruktion im Trockendock führen nämlich zum scheinbar einzigen Problem, dass Atom-U-Boote in den letzten 10 Jahren der Filmgeschichte haben können: Der Überhitzung des Reaktors.. (Wen wundert's?)

Um das Boot, die Besatzung und die Welt vor dem 3. Weltkrieg (man befindet sich in der Nähe einer Natostation) zu retten opfert sich ein Team der Reaktormannschaft. Sie steigen in den Kern, um das Leck zu dichten und werden dabei tödlich verstrahlt. Diese Szenen sind wirklich beeindruckend: Ausgestattet mit Säureanzügen (Strahlenschutzanzüge sind nicht an Bord, so muss man Säureanzüge für selbige ausgeben) und Schweißgerät gehen sie in den sicheren Tod, um nach 10 Minuten mit dem nächsten Zweierteam zu wechseln. Spannung und Dramatik beherrschen nun den Film. Weniger wegen der steigenden Reaktortemperatur, sondern mehr wegen des Schicksals der Männer, die wissen dass sie der Tod erwartet. Hilflos versucht der Arzt der gesamten Mannschaft was vorzugaukeln, was wenige zu einer kurzen Meuterei mit überraschendem Ende veranlasst, bei der sich aber auch der ausbaufähige Konflikt der beiden Kapitäne in Wohlgefallen auflöst. Dieser war leider das letzte Salzwasser in der Spannungssuppe..

Da es sich nun aber um eine russisische Beinahkatastrophe aus amerikanischer Sicht handelt, wird in der Folge leider noch explizit auf der Unmenschlichkeit der Sojwtunion rumgeritten. Mitten auf dem Ozean darf die verstrahlte Besatzung das kontaminierte Boot nicht verlassen und soll mit ihm nach Rußland geschleppt werden, wo sie zum Stillschweigen und vielen Verhören verdonnert werden. Böse angehängt wirkt dabei das Zusammentreffen aller überlebender Besatzungsmitglieder 25 Jahre später, in der der "bekehrte" Ex-Kapitän Vostrikov über das Regime wettert, dass seine gestorbenen Jungs nicht mal zum "Helden der Sowjetunion" ernannt wurden....

Schauspielerisch schlägt sich der Film im übrigen recht passabel, auch wenn besonders Harrison Ford in seiner Rolle des russichen Kapitäns sehr ungewohnt aussieht und nicht so glänzend sympathisch wie sonst überzeugen kann. Liam Neeson bleibt dagegen seiner ruhigen, charismatischen Linie treu und überzeugt als etwas undurchschaubarer "wahrer" Kapitän.

Fazit:
Mittelmäßiger, vorhersehbarer U-Boot-Thriller der viel von anderen Werken kopiert und nichts neues zeigt. Leider ist die erste Stunde bis zum Reaktorunfall zu konventionell geraten, während die Inszenierung nie die Enge eines U-Bootes näherbringt. Auch wenn die wenigen CGI-Effekte sich sehen lassen können kann der Film nicht überzeugen, was vor allem am möchtegernkritischen, angehängten Ende liegt. Verschenkt....

 

Wertung:

5/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 5.7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 3
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
0%
6 /10
67%
5 /10
33%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Strange Days
Blue Steel
Zero Dark Thirty (2012)
Firewall - Ein todsicheres Programm (2006)
Nicht auflegen! (Phone Booth) (2002)
Insomnia (2002)
Die Bourne Identität
Die Bourne Verschwörung
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Will ich sehen
Liste von scholli2010
Erstellt: 30.04.2013