Die Wutprobe

OT: Anger Management - 106 Minuten - Komödie
Die Wutprobe
Kinostart: 08.05.2003
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die Wutprobe

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Schuf der ehemalige „Saturday Night Live“ Komiker Adam Sandler sich mit seinen ersten Gehversuchen, den flachen, aber brachialen und von den Kritikern verrissenen Komödien wie „Billy Madison“, „Happy Gilmore“ und „Waterboy“ als debiler Wüterich schnell einen beeindruckenden Fankreis, so wurden seine Filme schon bald zahmer und kommerzieller, was sich leider stark auf ihre Qualität auswirkte. Ob „Big Daddy“, oder „Mr. Deeds“, beide verkamen zu harmlosen Komödien, denen Sandler seinen Stempel nicht mehr aufdrücken konnte.

Mit „Anger Management“ sollte es nun wieder bergauf gehen. Zur Sicherheit engagierte man mit Jack Nicholson zusätzlich einen Schauspieler zur Unterstützung, der in der Vergangenheit oft genug die Kassen klingeln ließ. Leider funktioniert der Film jedoch nicht so wie er könnte, was vor allem am untalentierten Regisseur Peter Segal, der mit dem Abschluss der „Naked Gun“ Trilogie, der Fortsetzung „Nutty Professor II“ und dem Chris Farley Zugpferd „Tommy Boy“ drei maximal mittelmäßige Komödien ablieferte, und dem völlig unerfahrenen Drehbuchautor David Dorfman, welcher ein unausgegorenes, sehr konstruiert wirkendes Drehbuch ohne Würze, dafür aber mit vielen Plotfragen, mit der heißen Nadel zusammenschrieb, lag.

Dabei ist die Ausgangskonstellation, zumindest für Nicholson-Fans, durchaus ein netter Aufhänger. Dave Buznik (Sandler) ist ein Mann, der aufgrund seiner steten Unterdrückung von jeglicher Aggression sich weder traut seinen Chef auf eine besser bezahlte Stelle anzusprechen, noch seiner Freundin Linda (Marisa Tomei) einen Heiratsantrag zu machen. Als er während eines Fluges höflich aber bestimmt mit einer Stewardess zu streiten beginnt und dafür vors Gericht kommt, soll ihm Dr. Buddy Rydell (Nicholson), der im Flugzeug zugegen war, bei der Bewältigung seines Ärgers helfen. Dave leidet, wie sich bald heraus stellt, an implodierenden Wutreaktionen…

Obwohl Adam Sandler hier, stets brav und höflich, leider nur noch ein Schatten frührer Tage ist, bleibt ein gewisser Unterhaltungswert, der Jack Nicholson und seinen therapeutischen Methoden zu verdanken ist. Nach etwas trägem Beginn, der schon einige Fragen (Wird man in den U.S.A., wenn man Streit mit der Bordbesatzung hat, gleich wie ein Terrorist behandelt?) aufwirft, quartiert sich Buddy nämlich bei seinem neuen Patienten ein und reizt ihn schon bald aufs Äußerste. Da nur ein Bett zu Verfügung steht wird zu zweit gepennt (Nicholson übrigens nackt und mit enormen Blähungen) und das Frühstück wird an die Wand geknallt. Bärig dabei die Szene, in der sich der Therapeut morgens mit einer Art Elektroschocker die Haarwurzeln stimuliert.

Es dauert nicht lange, bis man sich allerdings zu fragen beginnt, ob nicht auch der Doktor eine Therapie nötig hätte, rastet er doch hier und da auch mal kräftig aus und treibt seine Mitmenschen zur Weißglut, wenn er mitten im Berufsverkehr mit Daves Auto auf der Brücke stoppt, um mit ihm ein „I feel pretty“ anzustimmen, damit die Aggressionen zu weichen beginnen. Obwohl die Gags nett sind, werden sie nie wirklich bösartig oder politisch inkorrekt. Stets wird, ohne sich ernsthafte Seitenhiebe auf die amerikanische Gesellschaft zu erlauben, auf einer zahmen Schiene gefahren, die auf die Dauer leider zu vorhersehbar gerät. Die gegenseitigen Versuche sich aufs Glatteis zu führen (Dave erzählt seinem Therapeut, dass seine Mutter gestorben ist) und auszutricksen (Buddy verkuppelt Dave mit einer hübschen, aber wie sich herausstellt, durchgeknallten Blondine zu einem One-Night-Stand) bieten dabei nur wenig Abwechslung.

Ganz im Gegensatz zu den unzähligen Cameos. Woody Harrelson darf als österreichische Tunte, Harry Dean Stanton als blinder Mann, der sich mit Dave prügelt, Ex-Tennis-Star John McEnroe als Aggressionspatient und Heather Graham als verführerischer Vamp mit Fressneurose auftreten. Sogar New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph W. Giuliani ist mit von der Partie/Therapie und Luis Guzman, John C. Reilly und John Turturro dürfen in kleineren Rollen ebenfalls als Nicholsons Patienten ran.

Neben dem recht hohlen Plot gibt es immer wieder ein paar nette Einfälle zu verzeichnen, die den Film, zusammen mit Nicholson, über das Mittelmaß hieven und dann auch mal mehr als nur leichtes, obligatorisches, Alibischmunzeln beim Zuschauer verursachen. Daves Job, Klamotten für fette Katzen zu kreieren ist, auch dank dem Auftritt eines solchen Exemplars genauso zum Brüllen, wie der Besuch eines Kloster, wo Dave mit dem Aggressor seiner Jugend konfrontiert wird, worauf eine wilde Schlägerei entbrennt, die, wenn Sandler genüsslich dessen Weichteile malträtiert, dann auch wieder an seine alten Zeiten erinnert. Unvergesslich auch der Auftritt eines lesbischen Pornostarpaars, das ihre Probleme mit einem flotten Dreier zum Besten gibt.

Fazit:

„Anger Management“ ist ein weitestgehend gelungene Komödie, die aber an einem schwachen Drehbuch und einem meist formlosen Adam Sandler krankt. Zwischen den guten Gags hangelt sich der Plot geradezu zum nächsten Witz, lässt dabei den Romantikpart völlig außer Acht und findet am Ende ein zu zuckersüßes Ende. Dennoch sind viele Szenen Zwerchfellreißer, was nicht zu letzt dem wundervoll, frechen und listigen Jack Nicholson, der hier mal wieder wundervoll durchgeknallt agiert, zu Verdanken ist. Die vielen Cameos sind zwar eine nette Dreingabe, machen aber, weil sie im Nachhinein so deutlich hängen bleiben, deutlich, dass der Witz aus der Situationskomik und nicht aus der schwachen Geschichte entsteht. Keine Überkomödie, aber das Beste, was Peter Segal, dem hier der Mut zu derbem Witz fehlt, bisher abgeliefert hat.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013