Der Profi

OT: Le Professionnel - 109 Minuten - Action / Thriller
Der Profi
Kinostart: 08.01.1982
DVD-Start: 03.05.2012 - Blu-ray-Start: 04.10.2012
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Filmkritik zu Der Profi

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1981 schuf Regisseur Georges Lautner („Fröhliche Ostern“, „Der Puppenspieler“, „Der Windhund“) den Referenzfilm des klassischen, französischen Actionthrillers, in dem niemand anders als die französische Schauspielikone Jean-Paul Belmondo die Hauptrolle übernehmen konnte und Ennio Morricone mit dem traurigen, genialen „Chi Mai“ eine seiner unvergesslichsten Arbeiten ablieferte.

 

„Der Profi“ ist Josselin Beaumont (Jean-Paul Belmondo), ein Topagent des französischen Geheimdiensts, der lange auf ein Ziel hingedrillt worden ist: Er soll den afrikanischen Diktator des Staates Malawi töten. Doch als sich die politische Lage kurzfristig ändert und Frankreichs Regierung lukrative Geschäfte mit der Zielperson eingehen will, verrät man ihn kurz vor seiner Tat, um die eigenen Interessen zu schützen. Die Machthaber setzen ihn unter Drogen, machen ihm den Prozess und stecken ihn, ohne Aussicht auf Begnadigung, in ein Arbeitslager.

Es ist die Geschichte eines Mannes, der an sein Land und seine Vorgesetzten aus vollem Herzen glaubte und von beiden bitter in Stich gelassen worden ist. Nach seiner Verhaftung auf Rettung hoffend, sagt er aus, ganz allein für das Attentat verantwortlich zu sein. Doch schon bald schwant ihm, dass ihm niemand zu Hilfe kommen wird, so dass er nur noch von einem Motiv beseelt ist: Rache und Vergeltung. Ohne auf plakative Actionszenen zu setzen, beweist Lautner mit seiner nüchternen, knüppelharten und trockenen Inszenierung, dass solche Thriller fast ganz allein von den Schauspielern und dem Drehbuch leben können. Zweifellos ist die dabei aufkeimende Ideologie die der Film vertritt diskussionswürdig, denn Selbstjustiz in diesem Ausmaß kann nicht gerechtfertig werden. Jedoch ist dies auch schon das einzige größere Manko, dass dieser Film besitzt.

Anstatt großartig auf die politischen Hintergründe oder das Geheimdienstwesen einzugehen, konzentriert sich Lautner komplett auf Joss Spiel mit der Polizei, die er vorweg per Telegramm über seine anstehende Aktion in Kenntnis setzt: Er wird seinen Auftrag ausführen und den, zur Zeit in Paris weilenden, Diktator in den nächsten 3 Tagen töten. Diese setzt nun alles daran ihn ausfindig zu machen und zu stoppen, was Josselin aber nur als weitere Herausforderung sieht, bei der er seine Überlegenheit ausspielt und die Presse als Druckmittel nutzt.

Natürlich bleibt bei dieser Jagd auch nicht der lieb gewonnene Typus Belmondo auf der Strecke, der seine flapsigen Sprüche zum Besten geben darf, aber auch genauso erbarmungslos sein kann, wenn es um seine Prinzipien und Ziele geht. Mit Commissaire Rosen (Robert Hossein) mischt schon bald ein adäquater Gegner mit, der bezüglich seiner Methoden auch keine Skrupel kennt, was als erstes seine Frau zu spüren bekommt, die gar nicht so recht weiss, in was für eine Geschichte sie da geschlittert ist. Ihr vorfinales Aufeinandertreffen ist in Punkto Schnitt und Kameramotiven eindeutig an Leoneklassiker angelegt, erreicht aber, dank eines überflüssigen Nebenprotagonisten, nicht deren Spannung.

Dennoch wird es gewiss nie langweilig, denn Lautner versteht es den Zuschauer bei der Stange zu halten und die Spannungsschraube langsam anzuziehen. Zwischendurch wird wohl dosierte Action in Form einer Autoverfolgungsjagd, wenigen Schießereien und Stunts geboten, bei denen Bebel selbst aktiv war (Erkennt man am Rückspiegel im Auto). Ohne auf umwerfende Perspektiven zurückzugreifen, verlässt sich Lautner ganz auf die einfache, nüchterne Optik Paris und sorgt damit für einen hohen Grad an Realismus, dem er bis zum tragischen Ende treu bleibt, dass sich Hollywoodproduktionen kaum zugetraut hätten.

Jean-Paul Belmondo selbst erweist sich in seiner, natürlich auf ihn zurechtgeschnittenen, Paraderolle, trotz seiner 48 Jahre, einmal mehr als unanfechtbar und dank seines Auftretens für den Zuschauer als Magnet. Stets dominant, nachdenklich, aber auch brutal und trocken ist er bis zum Ende Herr der Lage. Natürlich bleibt die bekannte Lockerheit in Form von Sprüchen und Anbaggern sämtlicher hübscher Frauen dabei nicht auf der Strecke.

Fazit:

Harter, zynischer Thriller, der mit seinen dosierten Actioneinlagen, dem großen Schauspiel aller Akteure und dem durchdachten Plot einen Spannungsbogen aufbaut, der sich bis in den Abspann streckt. George Lautner gelang mit seiner nüchternen, größtenteils einfachen Inszenierung sein vielleicht bester Film, der durch Morricone seinen letzten Schliff bekommt. Einfach Belmondissimo!

 

Wertung:

9/10 Punkte

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Liste von loki098
Erstellt: 01.03.2014