Whatever Works (2009)

OT: Whatever Works - 92 Minuten - Komödie
Whatever Works (2009)
Kinostart: 04.12.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Whatever Works

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Woody Allen ist wieder daheim. Nachdem er seinem geliebten New York die letzten Jahre den Rücken zugekehrt hat, und drei Filme in London (Match Point, Spoon, Cassandra’s Traum), und einen in Barcelona (Vicky Cristina Barcelona) drehte, ist er wider zurück im Big Apple, wo er seine größten Erfolge drehte. Dabei hat er mit Larry David einen würdigen Ersatz für sich selbst als Hauptdarsteller gefunden, und mit seinen bissigen Dialogen und spannenden Wortgefechten, erinnert Whatever Works tatsächlich an die goldenen Zeiten von Woody Allen.

 

Boris Yelnikoff (Larry David) ist geschieden, und verbringt sein kauziges Leben vorwiegend allein, abgesehen von einigen wenigen Freunden. Und das hat auch seinen Grund: Der fast für den Nobelpreis nominierte, geniale Physiker mit einem IQ von 200 ist ein Misanthrop, der nicht davor zurückschreckt den Menschen ihre Schwächen unmissverständlich ins Gesicht zu sagen. Und auf Dauer hält dies eben kaum jemand aus. Dies hat auch dazu geführt, dass er sich das Leben nehmen wollte, und sich aus dem Fenster stürzte. Doch ausser einer Beinverletzung hat ihm das nicht viel gebracht. Doch sein geordnetes Leben läuft etwas aus dem Ruder, als er die obdachlose 19 jährige Melodie (Evan Rachel Wood) bei sich aufnimmt…

 

Whatever Works. Der Titel nimmt dabei schon die inhaltliche Hauptaussage des Films vorweg: Man soll sich nicht mit Klischees aufhalten, und nach dem suchen, was uns irgendjemand als die perfekte Beziehung verkaufen will. Man soll nehmen, was immer auch funktioniert, egal wie man sonst darüber denkt. Wenn das bedeutet, dass eine biedere Hausfrau ihr Glück in einer offenen Dreiecksbeziehung sucht, ist das genauso in Ordnung, wie wenn ein religiöser Mann plötzlich entdeckt, dass er eigentlich schwul ist. Whatever Works, eben.

 

Im Zentrum der Geschichte, umgeben von den kleineren Nebenschauplätzen, steht dabei das pikante Verhältnis von Boris und Melodie. Manch einer mag hier sofort an einen Anflug von Altherrenphantasie denken, der direkt aus einem Wunschtraum von Woody Allen entstammen könnte, und so falsch ist dieser Gedanke natürlich nicht, jedoch kriegt Whatever Works durchaus gut die Kurve. Das Verhältnis wird relativ unschuldig gezeigt, und besteht hauptsächlich auf einer intellektuellen Ebene, genauer gesagt empfindet Melodie eine ungeheure Sympathie für den intelligenten Boris, der wiederum von der Schönheit der jungen Melodie angezogen wird, die ihn einfach so akzeptiert wie er ist.

 

Die wahre Stärke von Whatever Works befindet sich jedoch abseits der Handlung, ganz einfach in der grandiosen Figur des Boris Yelnikoff, der hier kongenial von Larry David verkörpert wird, der sich quasi als Ersatzmann für Woody Allens missmutige Intellektuellenrolle etabliert. Und dieser Boris ist vom Anfang bis zum Ende ein Misanthrop aus dem Lehrbuch, und sorgt mit Dialogen und Monologen wie aus dem Maschinengewehr, für großartige Unterhaltung. Dabei wird die „political correctness“ auch schon einmal links liegen gelassen, wenn er empfiehlt die unfähigen Kinder, die bei ihm Schach lernen, in ein Konzentrationslager zu schicken, in sofern gemeint, dass es für alles Ferienlager gibt, und dieses eben die Konzentration fördern soll. Noch Fragen?

 

Larry David ist dabei auch das klare Zentrum des Films, und in jeder Hinsicht die größte Stärke von Whatever Works. Allen geht auch soweit, ihn direkt ins Publikum sprechen zu lassen, was eine durchaus kreative Lösung ist, da er so vermeidet, wie in Vicky Cristina Barcelona, auf eine misslungene Erzählfigur zu setzen, sondern die rauen Salven der Hauptfigur auch in den Erzählmonologen verwenden kann. Zusätzlich erklärt Allen diesen Schachzug, in dem er Boris sagen lässt, dass er als einziger im Film klug genug ist, um zu realisieren, dass sie von einem Publikum beobachtet werden, was eine charmante Art ist die Kauzigkeit der Figur weiterzuspinnen.

 

Das Problem von Whatever Works ist lediglich, dass sich der Film in seinem Konzept allzu sehr auf den schwer unterhaltsamen Larry David verlassen muss, und wenn dieser dann in der zweiten Hälfte des Films etwas in den Hintergrund rückt, dafür neue Nebenfiguren wie die Mutter von Melodie, Marietta (Patricia Clarckson), die Bühne betreten, fehlt es Whatever Works etwas an Drive. Solide bleibt der Film natürlich auch dennoch, aber dank kleinerer Durchhänger wird hier verhindert, dass Woody Allen an seinen Highlights anknüpft. Doch trotz seinen Schwächen bleibt Whatever Works eine sehr unterhaltsame Komödie, die es schafft ihre Stärken zu nutzen, und somit zu den gelungenen Arbeiten von Woody Allen zählt.

 

Fazit:

Mit Whatever Works kehrt Woody Allen in sein New York zurück, und liefert eine Komödie, rund um die Irrwege der Liebe, die durchaus zu den gelungenen Arbeiten des Regisseurs zu zählen ist. Besonders Larry David überzeugt in seiner Rolle als kauziger Misanthrop und sorgt für gelungene Gags und Wortgefechte am Fließband. Leider verlässt sich Whatever Works etwas zu sehr auf seine Hauptfigur, und wenn diese dann in der zweiten Hälfte etwas in den Hintergrund rückt, fällt der Film etwas ab. Somit handelt es sich zwar um einen unterhaltsamen und guten, aber eben nicht um einen Top-Film des Regisseurs. Sehenswert bleibt Whatever Works natürlich dennoch.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.6/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 11
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Liste von purence
Erstellt: 25.11.2016