Ein Prophet (OT: Un prophéte, A Prophet) (2009)

OT: Un prophéte - 155 Minuten - Drama
Ein Prophet (OT: Un prophéte, A Prophet) (2009)
Kinostart: Unbekannt
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Filmkritik zu Ein Prophet (OT: Un prophéte, A Prophet)

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Der Gefängnisfilm ist eigentlich ein totes Genre, von dem es erstens nur vergleichsweise wenige Vertreter in die Kinos schaffen (während das Konzept in Fernsehen mit Prison Break durchaus für Quote sorgt), und das zweitens schon lange neue Impulse nötig hat. Zunächst wirkt A Prophet noch so, als würde auch dieser Film nichts Neues beizutragen haben, und nur die klassischen Muster des Überlebenskampfes im Gefängnis neu aufzurollen. Doch je länger der Film geht, umso mehr wird klar, dass hier doch ein durchdachtes Konzept zu Grunde legt, das neue Impulse setzt, und dem Film schließlich den Großen Preis der Jury in Cannes gesichert hat.

 

Malick (Tahar Rahim) ist 19 Jahre alt, maghrebinischer Abstimmung und wird für sechs Jahre Gefängnis verurteilt. Zunächst ist er hilflos, doch bald schon gerät er in Kontakt mit einer korsischen Mafiagruppe unter der Leitung von César Luciano (Niels Arestrup). Nachdem er einen Mord für sie verübt, steht er unter ihrem Schutz, und beginnt für die Gruppe zu arbeiten. Zusätzlich hat er mit dem alltäglichen Rassismus im Gefängnis zu kämpfen, und versucht sich durch verschiedenste Tätigkeiten nach oben zu dienen. Nebenbei versucht er auch sich weiter zu bilden und lesen und schreiben zu lernen. Dabei verfolgt ihn aber stets der erste Mord, der ihn in diese Situation gebracht hat…

 

A Prophet beginnt zunächst mit einer relativ konventionellen Einführung. Der Film startet mit der Inhaftierung Malicks, und so begleiten wir ihn quasi von Anfang an in seinem Gefängnisalltag, ohne wirklich etwas über seine Vergangenheit zu erfahren. Zunächst stehen kleinere Probleme mit den Mithäftlingen an, genauer gesagt, werden Malick erst einmal die Schuhe gestohlen, was für alle klar macht, dass er hier im Knast Hilfe braucht um auf Dauer über die Runden zu kommen. Als Lösung bietet sich an einer der vielen Gruppierungen beizutreten.

 

Wie es der Zufall so will bietet sich Malick auch bald schon die Möglichkeit sich den Korsen anzuschließen. Als Prüfung steht dabei zunächst ein Einstiegsmord auf dem Programm. Und ab hier beginnt der Film die ausgetretenen Pfade teilweise zu verlassen. Denn nicht nur, dass dieser Einstiegsmord nicht im vorbeigehen erfolgt, wie uns das andere Gefängnisfilme weiß machen wollen, sondern minutiös geplant wird, und schließlich intensiv und dreckig ausgeführt wird, verfolgt dieser Mord Malick schließlich über die gesamte Dauer des Films, was der Handlung durchaus auch einen reflektierenden Charakter gibt.

 

Hinzu kommt, dass A Prophet nicht nur ausschließlich Gefängnisfilm, sondern auch Gangsterfilm ist, und diese beiden Genre geschickt miteinander verwebt. Denn Malick kommt als unbeschriebenes Blatt ins Gefängnis und lernt erst dort das Verbrecherhandwerk von Grund auf. Nun folgt hinter Gittern das bekannte Hochdienen innerhalb der Organisation. Der Film geht dabei auch den untypischen Weg, dass Malick in der zweiten Hälfte öfters das Gefängnis für einen Urlaubstag verlassen darf, um dort Aufträge für seinen Boss zu erfüllen. Diese Szenen stärken auf der einen Seite den Gangsterfilmaspekt, schwächen jedoch die klaustrophobische Gefängnisatmosphäre, und müssen somit ambivalent betrachtet werden.

 

A Prophet bewahrt sich dabei einen gesunden Mittelweg zwischen Kunst und Kultur. Der Film schafft es durchaus ernste Themen wie Rassenprobleme, Gefängnisalltag und politische Probleme anzusprechen, aber gleichzeitig bewahrt er sich eine knisternde Gangsterfilmatmosphäre voller Spannung, die den Film auch in seinen ruhigen Momenten sehr dienlich ist. Gelungen ist auch wie gezeigt wird, dass Malick nach und nach die Abläufe besser durchschaut, sein eigenes Süppchen kocht, und man als Zuseher nie wirklich weiß was er genau in Schilde führt.

 

Denn er hält sich zwar an die Aufträge seines Boss, baut aber nebenbei seine eigenen Geschäfte auf, und vor allem ist er sich durchaus der Macht bewusst, in die er langsam hineinwächst. So ist es durchaus klar, dass er diese Trumpfkarte irgendwann ausspielen wird, jedoch bleibt es unklar, wie Malick das genau anstellen wird, sodass die Spannung stets erhalten bleibt. Am Ende schafft es der Film dann sehr gut die klassische Gangsterstory „vom Tellerwäscher zum Millionär“ abzurunden, und für einige nette Kniffe zu sorgen, bei denen man sich ein Schmunzeln am Ende nicht verkneifen kann.

 

Stilistisch ist A Prophet dabei eher rau gehalten, schafft es aber die dreckige und monotone Gefängnisausstattung sehr gut in Szene zu setzen. Auch durch die direkte Kameraführung erreicht der Film dabei eine angenehme Dynamik, die sehr gut im Kontrast zu den fixierenden Gefängnismauern steht. Überhaupt schafft es A Prophet sehr gut die sozialen Gefüge des Gefängnislebens auf die Leinwand zu bringen. Der Film ist dabei zwar wohl eine Spur zu lange, versteht es jedoch dennoch sein Publikum um den Finger zu wickeln. Somit hat er sich seinen Status als französischer Kandidat für den Auslandsoscar 2009 durchaus verdient.

 

Fazit:

A Prophet schafft es tatsächlich dem Gefängnisfilm in gewissem Maße neue Impulse zu geben. Zwar wird das Genre nicht neu erfunden, aber durch die reflektierende Ebene, aber vor allem durch den geschickten Einbau einer Sub-Gangsterfilmhandlung, bietet der Film dennoch so einiges Neues. Die sozialen Strukturen werden gut aufbereitet, die politische Dimension stimmig in die Geschichte integriert, und vor allem gelingt A Prophet dabei eine gelungene Gratwanderung zwischen Kunst und Kultur. Zwar ist der Film eine Spur zu lange, und auch die Szenen, die ausserhalb des Gefängnis spielen, brechen die klaustrophobische Struktur etwas auf, aber dennoch weiß A Prophet im Wesentlichen zu überzeugen, und bietet durchdachte und spannende Unterhaltung.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.8/10 | Kritiken: 4 | Wertungen: 14
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