Rocky 4

OT: -  91 Minuten -  Action
Rocky 4
Kinostart: 13.02.1986
DVD-Start: 04.04.2014 - Blu-ray-Start: 06.07.2012
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Filmkritik zu Rocky 4

Von am

Als Sylvester Stallone Mitte der Achtziger auf seinem Karrierehöhepunkt angekommen war und einen erfolgreichen Film nach dem anderen in die Kinos entließ, schien auch die Zeit für eine Erweiterung der „Rocky“ – Reihe um einen vierten Teil reif zu sein. Wieder alle wichtigen Posten (Regisseur, Drehbuchautor) selbst vereinnahmend, gelang es ihm zwar nicht den leichten, wenn auch deutlichen Abwärtstrend der Franchise entgegenzuwirken oder ihr gar neue Impulse zu versetzen, drehte dann mit „Rocky IV“ jedoch immerhin noch ein unterhaltsames, wenn auch leider klischeehaftes und final äußerst peinliches Sequel, das wiederum genug einspielte, um eine weitere Fortsetzung zu rechtfertigen.

Zeitlich setzt man direkt an Teil 3 an. Rocky (Sly) ist wieder Champ und Apollo (Carl Weathers, „Predator“, „Action Jackson“) nach wie vor sein bester Kumpel. Allerdings kann der sich nicht so recht damit abfinden älter zu werden und nur noch selten das Rampenlicht genießen zu dürfen, während Rocky, der ja eigentlich abtreten wollte, seine Ruhe und das Familienleben genießt. Dieser anfängliche Dialog zwischen den beide Kontrahenten, ihre unterschiedliche Mentalität und die offenbarenden Gesprächsinhalte sind dann rein inhaltlich auch das Beste, was „Rocky IV“ anzubieten hat.

Denn Stallone ließ sich zu einer Zeit als der Kalte Krieg noch im Gange war dazu hinreißen ein, vor allem rückblickend, äußerst reaktionäres, klischeehaftes Drehbuch zu schreiben und natürlich zu inszenieren. Wie aus dem Nichts taucht aus der Sowjetunion eine Boxer-Delegation in Amerika auf, die ihren Zuchthengst, den wortkargen Riesen Ivan Drago (Dolph Lundgren, „Silent Trigger“, „The Defender“) gern mit einem westlichen Vorzeigesportler in einem Showkampf messen möchte. Seine Chance sehend, ergreift Apollo, überzeugt davon nebenbei noch ein politisches Statement abgeben zu können und den Kampf zu einer Konfrontation zweier Systeme aufbauschen zu können, die Gelegenheit, um Ivan und seiner provokante Frau Ludmilla (Brigitte Nielsen, „Red Sonja“, „Cobra“) das Maul zu stopfen und kommt damit dem herausgeforderten Rocky zuvor. Während er voller Tatendrang wie eh und je das lang vermisste Spiel mit den Medien noch beherrscht und das Vorprogramm des Kampfes wie ein amerikanisch-patriotischen Festival zelebriert, soll er im Kampf eine böse Überraschung erleben. Ivan schlägt ihn schließlich im Ring tot, weswegen Rocky, der sich tief im Inneren nicht verzeihen kann, dass Apollo ihm Versprechen abgenommen hat keinesfalls das Handtuch zu werfen, Rache schwört und gegen Ivan in Russland antreten muss. So wollen es die russischen Funktionäre, obwohl sich die amerikanische Boxsportkommission gegen diese Herausforderung ausspricht. Diese letzten Blicke und Sätze zwischen Rocky und Apollo, bevor dieser zu seiner letzten Runde antritt, haben etwas unheimlich Magisches an sich, vielleicht ein Genieblitz von Regisseur Stallone. Zwei Brüder im Geiste, denn Apollo scheint zu spüren, was die Stunde geschlagen hat, aber er will nicht kneifen, sondern, genau den Geist beschwörend, den er eingangs im Gespräch mit Rocky so offen darlegte, sich seinem Schicksal wie ein Krieger stellen.

Sylvester Stallone gelang es hier immerhin noch seine Hauptfigur weiterzuentwickeln, die längst nicht mehr so überheblich wie in „Rocky III“ mit dem Erfolg umgeht, sondern ihn zu schätzen weiß und eingesehen hat, dass Ruhm vergänglich ist. Der Schmerz einen Freund verloren zu haben, treibt ihn schließlich nach Russland, wo er zusammen mit Duke (Tony Burton) und Paulie (Burt Young) weit ab vom Schuss in einer Holzhütte mitten im verschneiten Niemandsland sich verbissen auf den alles entscheidenden Kampf vorbereitet, betet und dafür auch seine Familie hinter sich lässt. Adrian und Sohnemann erhalten hier ohnehin nur sehr wenig Screentime. Ihre Rollen werden noch weiter als beim Vorgänger ohnehin schon zurückgefahren. Dafür bekommen wir es hier jetzt mit Nonsens wie einem sprechenden Hausroboter zu tun. Ich möchte mal wissen, was Sly da geritten hat.

Sei es drum, das sind nur minimale Ausrutscher des Drehbuchs, das ganz nach den Filmregeln der Achtziger gestrickt wurde. Aus Verlust und Trauer wachsen Kraft und Entschlossenheit. Die braucht Rocky auch, um gegen den sibirischen Stier zu bestehen. Vom Feinsten ist hier natürlich auch das Aufbautraining in der sibirischen Tundra, wo der ständig observierte Rocky dann mit Baumstämmen trainiert, Holz hackt und Schlitten zieht, während im direkten Gegenschnitt Ivan Drago wie eine Maschine in irgendeinem finsteren Hochleistungszentrum an bizarren Foltergeräten seine Muskeln stählt und entsprechende Injektionen verpasst bekommt, während Wissenschaftler seine Werte analysieren. Die Message wird dem Zuschauer nahezu direkt ins Großhirn gehämmert.

Bevor es zu penetrant wird, bekommt Stallone allerdings in letzter Sekunde, bis zu seinem Schlussappell nach dem finalen Kampf, jedes Mal geradeso die Kurve. Der tolle Rock-Score, ausnahmsweise leider nicht von Bill Conti, die mitreißenden Trainingseinheiten, in denen sich Rocky seine alte Form und den Biss wiedererkämpft und natürlich der gnadenlose Kampf gegen den Hünen Ivan sind Highlights, die den Fan der gepflegten Achtziger-Unterhaltung mit der Zunge schnalzen lassen.

Einen ganz besonderen Zweck erfüllt dabei natürlich Dolph Lundgren, dem diese Rolle mit minimalem Text zum Durchbruch gereichte. Als schier unüberwindlicher Hüne müllmert er sich mit Sly in einem erbitterten Schlusskampf, quasi auf Leben und Tod, auf das beide irgendwann blutüberströmt und deutlich gezeichnet von den vielen Runden eine Entscheidung herbeizwingen wollen. Die soll dann auch kommen und damit wäre es auch gut gewesen, zumal sich irgendwann die Sympathien des Publikums auf Rocky vereinen und selbst Ivan seinem Förderer aus dem komplett anwesenden Politbüro in seine Schranken weist. Doch diese ultrapeinliche Rede zum Schluss, vielleicht gut gemeinte als Appell an Ost und West, hinterlässt einen äußerst bitteren Beigeschmack, weil selbst für die damalige Zeit zu naiv.

Fazit:
Sly versteht es nach wie vor sich und insbesondere seinen Körper und seine Figur zu inszenieren, kann die Erfolgsformel auch erneut ansprechend anwenden, hat sich hier allerdings ein Drehbuch aus den Fingern gesogen, das vor Schwarzweißmalerei und Klischees umzukippen droht, während ehemals wichtige Charaktere gänzlich aussteigen oder in Statistenrollen verkommen. Die Inszenierung, also die Selbstglorifizierung, reißt es letztlich heraus. „Rocky IV“ ist astreines, dummes, fast schon zu peinlich-naives Kino der Achtziger mit vielen Schauwerten und einer, wenn man sich denn drauf einlässt, mitreißenden Geschichte. Die Qualität nimmt ab, doch Rocky beim Aufbautraining und 15 Runden lang dabei zuzusehen, wie er sich die Visage breit schlagen lässt, um kurz vor Ende den erschöpften Gegner auf die Bretter zu schicken, ist eben immer noch eine Klasse für sich. Nostalgie ist etwas Tolles!

 

Wertung:

6/10 Punkte

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