Bad Lieutenant (1992)

OT: Bad Lieutenant - 96 Minuten - Drama
Bad Lieutenant (1992)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 19.04.2012 - Blu-ray-Start: 19.04.2012
Will ich sehen
Liste
7878
Bewerten:

Filmkritik zu Bad Lieutenant

Von am

Im Jahr 1992 erschien Abel Ferrara’s grimmige Millieustudie Bad Lieutenant. Ein Film, der in einigen Aspekten doch an Scorsese’s Taxi Driver erinnert, oder generell mit seinem überschäumenden Schatz an religiöser Symbolik und seinem Thema von Schuld und Sühne einer Hommage an Scorsese gleicht. Auch in seiner rauen Stilistik und seiner furchtlosen Schilderung der Schattenseiten des Big Apple’s scheint es so als wäre Ferrara um zwei Jahrzehnte zu spät dran gewesen, denn sein Bad Lieutenant wirkt eigentlich von vorne bis hinten wie ein grandioser Vertreter des New Hollywoods der 70er Jahre.

 

Der titelgebende Bad Lieutenant (Harvey Keitel) ist wirklich ein Cop, der so einige schwere Brocken mit sich herum schleppt. Einem Schluck Alkohol ist er genauso wenig abgeneigt, wie einer Ladung Drogen. Abgesehen davon interessieren ihn auch noch sexuelle Reize, und natürlich das Wetten. Da er dabei aber nicht gerade viel Glück hat, sind auch schon die Schuldeneintreiber auf seinen Fersen. Erst als der Lieutenant zu einem Fall hinzugezogen wird, der von einer vergewaltigten Nonne handelt, scheint sich seine Einstellung zu ändern…

 

Bad Lieutenant, das ist natürlich an aller erster Stelle ein düsterer Blick in die dunkle Seele von New York City. Abel Ferrara inszenierte einen Cop-Thriller, der nicht unbedingt daran interessiert ist einen möglichst komplizierten Fall aufzulösen, sondern sich einfach nur in seinem Hauptcharakter badet. Hinzu kommt eine brutale und äußerst intensive Atmosphäre, die an die Nieren geht. Die Story selbst ist einfach, linear und soll nur dazu dienen uns durch diesen Sündenpfuhl zu lenken, und um unsere Blicke auf die richtigen Details zu fixieren.

 

Ferrara will dabei natürlich auch schockieren, sonst hätte er wohl weder die Vergewaltigung der Nonne in dieser Form gezeigt, noch hätte er Szenen, wie das provokante Onanieren des Bad Lieutenant auf die Autotür zweier Frauen eingebaut. Natürlich will er schockieren, aber nimmt dies als Aufhänger um uns eine bedrückende Geschichte von Schuld und Sühne zu erzählen. Ähnlich wie der klassische Scorsese-Hauptcharakter scheint auch der Bad Lieutenant sehnlichst auf Erlösung zu hoffen, was durch seine verzweifelten Reaktionen mehr als offensichtlich ist. Vielleicht hat Ferrara mit der religiösen Symbolik dabei etwas übertrieben, aber zumindest hat er sein Konzept durchgezogen.

 

Der Dreh- und Angelpunkt an dieser Geschichte ist jedoch das unglaubliche Spiel von Hauptdarsteller, Harvey Keitel, der sich hier förmlich die Seele aus dem Leib spielt. Man kann sich kaum vorstellen wie Keitel die Transformation zu dieser Figur geschafft hat, aber vom Drogenüberhang, bis hin zu verzweifelten Gesten, in denen man förmlich den Wunsch nach Vergebung herauslesen kann, packt Keitel eine Intensität in seine Rolle die selten ist. Eine solche Leistung schreit eigentlich förmlich nach  einem Oscar, aber dazu war die Performance wohl zu abgründig. Keitel kann jedenfalls nicht genug gelobt werden, für diese mutige Performance, die weit über die, mittlerweile berühmte, volle frontale Nacktheit hinausgeht. Denn mehr als seinen Körper entblößt Keitel hier seine Seele, und der Bad Lieutenant ist wohl die Leistung seines Lebens.

 

Vom Anfang bis zum Ende durchzieht den Film eine fiebrige Energie, die selten ist, und wenngleich, wie bereits erwähnt, parallelen zu Scorsese’s Taxi Driver vorhanden sind, unterscheidet sich Bad Lieutenant natürlich auch in viele Punkten von diesem Film. Taxi Driver gibt zumindest in Ansätzen wider, weshalb diese Figur entstanden ist, der Bad Lieutenant hingegen ist einfach wie er ist, und er ist dies vom Anfang bis zum konsequenten Ende, wenngleich er zum Schluss hin eine quälende Wandlung durchlebt. Bei all dieser dreckigen Atmosphäre ist man sich jedoch sicher, dass dies das selbe New York ist, in dem auch Travis Bickle in Taxi Driver seine Runden drehte. Und tatsächlich gibt es in Bad Lieutenant eine Szene in der der Lieutenant an einer Straße vorbeigeht, auf der nur Taxi’s unterwegs zu sein scheinen. Man spürt förmlich wie in einem dieser Wagen eine Stimme sagt „You talkin’ to me?“ – Die beiden hätten sich sicher viel zu sagen.

 

Fazit:

Abel Ferrara’s Bad Lieutenant ist ein grimmiges Großstadt-Drama, mit äußerst düsterer Atmosphäre und vor allem einem unglaublichen Harvey Keitel, der sich förmlich die Seele aus dem Leib spielt. Dabei erreicht der Film eine äußerst intensive Wirkung und schafft es den Zuseher auf vielen Ebenen zu berühren. Bad Lieutenant ist dabei ein dunkler Blick in die Abgründe eines Menschens, der im Laufen des Films Schuld und Sühne zu durchleben hat, und dabei an seine Grenzen geht. Ferrara’s Film scheint dabei direkt dem New Hollywood entsprungen zu sein (wenn auch zwei Jahrzehnte zu spät), und von Martin Scorsese’s ewiger Erlösungsthematik beeinflusst zu sein. Grandios ist der Film auf jeden Fall.

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.6/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 7
10 /10
14%
9 /10
14%
8 /10
14%
7 /10
43%
6 /10
0%
5 /10
14%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
The Mission (1986)
Philadelphia (1993)
Short Cuts (1993)
The Verdict
Frost/Nixon
Kramer gegen Kramer (1979)
Bobby - Der letzte Tag von Robert F. Kennedy (2006)
Giganten (1956)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!