Fish Tank (2009)

OT: Fish Tank - 123 Minuten - Drama
Fish Tank (2009)
Kinostart: 25.02.2011
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Fish Tank

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Andrea Arnold hat es zwar noch nicht zu den wirklich großen Schlagzeilen gebracht, aber trotzdem darf sie bereits einen Oscar ihr Eigen nennen (2003, für ihren Kurzfilm Wasp). Auch in Cannes wurde sie bereits 2006 für ihr Spielfilmdebüt Red Road mit dem Preis der Jury gewürdigt. Und obwohl das Cannes-Filmfestival im Jahr 2009 sicher anderen Gesprächsstoff lieferte, z.B. Lars von Trier’s Antichrist, Quentin Tarantino’s Inglourious Basterds, oder Michael Haneke’s Das Weisse Band, konnte Andrea Arnold mit ihrem neusten Werk Fish Tank erneut den Preis der Jury mit nach Hause nehmen. Dies ist zwar nur der dritte Platz wenn man es so sagen will (nach der Goldenen Palme und dem Großen Preis der Jury), aber dies ist natürlich trotzdem eine Ehre, und vor allem ist Fish Tank, unabhängig von der Awardsicht, eine sehr sehenswerter Film.

 

Mia (Katie Jarvis) ist 15 Jahre alt, und lebt in Essex, gemeinsam mit ihrer Mutter Joanne (Kierston Wareing) und ihrer Schwester Tyler (Rebecca Griffiths). Ihr Leben wird geprägt von einer Leere. Freunde hat sie nicht wirklich, zu Hause fühlt sie sich auch nicht wohl, und ihre einzige Freude ist es zu trinken und zu tanzen. Doch ihr Leben bekommt einen Einschnitt, als ihre Mutter eines Tages Connor (Michael Fassbender) mit nach Hause nimmt, der sich scheinbar wirklich für Mia interessiert. Doch Mia scheint sich in den gut aussehenden Freund ihrer Mutter verliebt zu haben…

 

Fish Tank erzählt allen voran natürlich von den Tücken des Erwachsenwerdens. Konsequent wird die Geschichte aus dem Blickwinkel von Mia erzählt, und dank der Kamera, die ihr auf Schritt und Tritt zur Seite steht, fühlen wir uns quasi als Verfolger von Mia, und Blicken ihr über die Schulter. Wir sehen sie ziellos durchs Viertel schlendern, andere Jugendliche anpöbeln, die ihrer Meinung nach nicht gut genug tanzen, trinken und natürlich auch selbst tanzen. In diesen Bildern erzeugt Fish Tank eine fast spürbare Leere, die auch auf das Publikum übergreift.

 

Zusätzlich vermittelt uns der Film sehr glaubhaft ein Gefühl von Enge und Trostlosigkeit. Dies wird auch zusätzlich durch das gewählte Filmformat unterstützt. Denn die 16:9 Kinoleinwand wird hier nicht ausgenützt, stattdessen wird die Umgebung in einen engen 4:3 Rahmen gezwängt, der uns die Ausweglosigkeit der Figuren zusätzlich verdeutlichen soll. Doch abgesehen davon, skizziert Fish Tank, obwohl sich der Film eigentlich nur auf Mia stürzt, ein detailliertes Bild eines verlorenen Viertels, in dem Kinder dazu verdammt sind die Fehler ihrer Eltern zu wiederholen. Das visualisiert sich auch am Ende bei einer Tanzszene mit der Mutter und ihren Töchtern. Ob Mia es schließlich schafft aus diesem Teufelskreis auszubrechen? Möglich, aber man sollte nicht darauf wetten.

 

Connor repräsentiert dabei den Funken einer Chance, bzw. schafft es Andrea Arnold auf faszinierende Weise mit dieser Figur zu spielen. Auf der einen Seite tritt er als mögliche Vaterfigur in Erscheinung, und scheint die Familie auf einer Ebene zusammen zu schweißen, was sich unter anderem in einem gemeinsamen Ausflug manifestiert, der wohl das erste gemeinsame Erlebnis für die Familie seit langem ist. Auf der anderen Seite steht natürlich eine gewaltige sexuelle Spannung zwischen ihm und Mia, die sich zunächst langsam anpirscht, aber schon bald nicht mehr zu übersehen ist. Das großartige an diesem Wechselspiel ist unter anderen, dass die Absichten von Mia dabei relativ offensichtlich sind, aber die Figur des Connor völlig undurchsichtig angelegt ist, sodass stets Spannung vorhanden ist.

 

Getragen wird der Film dabei von den unglaublich starken Leistungen von Katie Jarvis und Michael Fassbender. Fish Tank stellt für Katie Jarvis dabei das Debüt als Darstellerin dar, und dieser Umstand macht es noch beeindruckender wie offenherzig sie hier agiert, und mit welcher Finesse sie es versteht ihrer Figur Leben einzuhauchen. Michael Fassbender kann natürlich auf mehr Erfahrung zurückblicken und schafft es vortrefflich seine Rolle undurchschaubar anzulegen, und beim Publikum eine gemischte Reaktion aus Sympathie und Empathie hervorzurufen. Die beiden Darsteller ergänzen sich dabei vortrefflich, aber besonders Katie Jarvis beeindruckt in ihrer kraftvollen Performance.

 

Eine Schwachstelle die man Fish Tank jedoch ankreiden kann ist, dass der Film es zwar vortrefflich versteht das Leben der Figuren zu schildern, sich jedoch kleinere Längen einstellen, und vielleicht auch ein großer, dramatischer Paukenschlage fehlt, der dem Gezeigten Nachdruck verleiht. So plätschert Fish Tank stellenweise auf hohem Niveau vor sich hin, schafft es zwar zu berühren, wird aber sicher nicht aufrütteln. Dies verhindert zwar nicht, dass es der Film sehr gut versteht den Zuseher emotional an die Hauptfigur zu binden, jedoch wird Fish Tank wohl leider auch nicht allzu lange in Erinnerung bleiben. Dazu fehlt dem Film ein kraftvoller Akt, der sich auch angeboten hätte (Stichwort Wasser), aber den man leider nicht genutzt hat.

 

Fazit:

Fish Tank schafft es sehr gut die Leere im Leben seiner Hauptfigur einzufangen und in enge Bilder zu pressen. Besonders großartig ist dabei das Zusammenspiel der stark agierenden Katie Jarvis, mit dem ebenfalls sehr gutem Michael Fassbender. Fish Tank gelingt es dabei gut eine gewisse Spannung aufzubauen, versäumt es aber leider einen starken emotionalen Abschlusspaukenschlag zu setzen, sodass der Film zwar sehr gefällig ist, aber von vielen wohl relativ schnell wieder vergessen wird. Sehenswert bleibt der Film aber dennoch. Und sei es nur wegen dem großartigen Spiel von Jarvis und Fassbender.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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