When We Were Kings (1996)

OT: When We Were Kings - 89 Minuten - Dokumentation
When We Were Kings (1996)
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Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu When We Were Kings

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“I don’t like him. He talks to much!“

Muhammad Ali über George Foreman

 

 

Es war vielleicht der bedeutendste, und auch geschichtlich interessanteste Boxkampf, des letzten Jahrhunderts. Zwei der größten Athleten dieser Sportart trafen im sogenannten "Rumble in the Jungle" aufeinander. George Formean gegen Muhammad Ali, veranstaltet von Don King in Zaire (heute DR Kongo), mit der finanzkräftigen Unterstützung von Diktator Mobutu. Entgegen allen Erwartungen holte sich Ali seinen Titel zurück, und öffnete damit das letzte Kapitel seiner Karriere, die ihm schlussendlich im Jahr 1999 den Titel Sportler des Jahrhunderts, vom Internationalen Olympischen Komitee, einbrachte.

 

Doch zunächst zur Vorgeschichte: Im Jahr 1964 sicherte sich Cassius Clay den Weltmeistertitel gegen Sonny Liston. Kurz danach gab er bekannt, dass er ein Mitglied der Nation of Islam ist, und ließ seinen Namen in Muhammad Ali ändern. Wie kein anderer schaffte er es durch gezielte Provokationen in Richtung seiner Gegner das Medieninteresse auf sich zu ziehen, und einen Nimbus der Unbesiegbarkeit aufzubauen. Seine große Klappe ist wohl auch heute noch ein wesentlicher Faktor, wenn man von der unglaublichen Ausstrahlung Ali’s spricht.

 

Doch 1967 wurde ihm schließlich der Titel aberkannt. Die Boxkommission schaffte, was keinem Gegner zuvor gelungen war. Da Ali sich weigerte seinen Wehrdienst anzutreten, und in den Vietnamkrieg zu ziehen (legendär dabei sein Ausspruch: "I Ain't Got No Quarrel With The VietCong. No VietCong Ever Called Me Nigger"), nahm man ihm die Boxlizenz und in weiterer Folge den Titel ab. Er musste sich bis 1970 gedulden, bis er wieder in den Ring durfte. Nach zwei Aufbaukämpfen wartete der lange erwartete Kampf, mit seinem legendären Gegner Joe Frazier (es folgten zwei weitere Kämpfe, inklusive dem „Thrilla in Manilla“, die Ali für sich entscheidete), dem „Kampf des Jahrhunderts“, zweier ungeschlagener Box-Weltmeister (der aktuelle Weltmeister Frazier, und der lineare Weltmeister Ali, der seinen Titel ja nie verloren hat). Ali verlor den Kampf, und damit schrieben ihn viele bereits ab. Schließlich heißt es ja nicht umsonst „They never come back“.

 

Doch Ali gab nicht auf, und wollte sich erneut das Recht auf einen WM-Kampf sichern. Dabei wurde er erneut gebremst, als er 1973 gegen Ken Norton seine zweite Niederlage erlitt. Während sich Ali auf den Rückkampf mit Frazier vorbereitete, verlor dieser jedoch seinen Titel auf niederschmetternde Weise gegen den ungeschlagenen George Foreman, von dem viele meinten, dass kein Boxer ihn schlagen könne. Da Ali den wichtigen Rückkampf gegen den titellosen Frazier im Jahr 1974 für sich entschied, wartete die Sportwelt gespannt auf das Duell Ali – Foreman.

 

Und der damals noch unbekannte Promoter Don King (mittlerweile die wohl bekannteste Randfigur des Boxzirkus) wollte der Welt diesen Wunsch erfüllen. Er ging zu Foreman, und holte sich seine Unterschrift, mit der er bestätigte, dass er für eine Gage von 5 Millionen Dollar gegen Ali boxen würde, und er holte sich auch Ali’s Unterschrift für die selben Bedingungen. Nun hatte Don King einen Vertrag, aber immer noch keine 10 Millionen Dollar. Doch King fand eine Möglichkeit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

 

Mobutu, Diktator von Zaire, sah in dem Boxkampf eine Möglichkeit sein Land zu promoten, und stellte das Geld zur Verfügung. Gleichzeitig konnte man den "Rumble in the Jungle" als die große Heimkehr der schwarzen Boxer zu ihren Wurzeln inszenieren. Parallel zum Boxkampf organisierte man ein Konzert mit den Größen der schwarzen Musikszene, und wollte eine gigantische Show bieten. Als beide Boxer im Land ankamen, identifizierten sich alle Menschen jedoch nur mit Muhammad Ali. Sie sahen in ihm einen großen Schwarzen, der auch als politischer Führer diente. George Foreman erinnerte sie in seinem ernsten, schweigsamen Auftreten, und mit seinem Schäferhund eher an die verhasste belgische Polizei, während der Kolonialzeit.

 

So wurde Foreman also bald als Bösewicht gehandelt, während sich Ali unter die Menschen begab, Kontakt suchte und für alle ein inspirierendes Vorbild darstellte. Begleitet wurden seinen Auftritte mit dem Jubel „Ali, bomaye!“, was Ali, töte ihn bedeutet, und natürlich in Richtung George Foreman gerichtet war. Kurz bevor es zum lange erwarteten Kampf kam, zog sich Foreman jedoch eine Verletzung über dem Auge zu, und der Kampf musste um einen Monat verschoben werden. Die beiden Boxer bleiben während dieser Zeit, genau wie die Journalisten, die über den Kampf berichteten, in Zaire, und warteten auf den finalen Showdown…

 

Man kann es vielleicht aus dieser kurzen Umschreibung herauslesen: Im "Rumble in the Jungle" steckte eine unglaubliche Dynamik. Abgesehen von den Umständen, die für sich schon eine Abhandlung alleine verdienen, wäre da ja auch noch der rein sportliche Aspekt dieser Veranstaltung. George Foreman ging als haushoher Favorit ins Rennen, trotzdem riskierte Ali, wie man es von ihm auch gewohnt war, eine mächtig dicke Lippe, und konnte Foreman in der achten Runde völlig überraschend K.O. schlagen, was auch einer taktischen Meisterleistung von Ali zu verdanken war.

 

Regisseur Leon Gast reiste ursprünglich an, um eine Dokumentation über das parallel zum Kampf stattfindende Musikfestival zu drehen, entschied sich jedoch spontan um, und filmte lieber die Umstände rund um die Sportverantaltung. Nach dem Kampf reiste Gast ohne Geldreserven zurück in die Heimat, und es sollte 20 Jahre dauern, bis er seinen Film endlich fertig stellen konnte. Der Lohn für die Mühen war 1997 der Oscar für den Besten Dokumentarfilm.

 

Doch was zeichnet seinen Film nun aus? Natürlich hängt ein Dokumentarfilm immer von der Realität ab, und diese lieferte im Form des "Rumble in the Jungle" eine Vorlage, aus der es ziemlich schwer geworden wäre einen schlechten Film zu drehen. Doch Gast hat sich nicht nur auf dem starken Ereignis ausgeruht, sondern auch einen wirklich interessanten Film daraus gemacht. Er schafft es virtuos die verschiedenen Ebenen dieser, doch recht komplexen, Angelegenheit heraus zu arbeiten, und so aufzubereiten, dass man die Zusammenhänge versteht, und auch selbst vielleicht darauf schließen kann, dass man gerade Zeuge eines geschichtlich sehr bedeutendem Ereignis geworden ist. Denn es lässt sich nur erahnen, ob Ali einen solchen Ruf wie heute erreicht hätte, wenn er diesen Kampf verloren hätte. Einmal ganz davon abgesehen, dass ein anderer grandioser, und wichtiger Kampf, nämlich der „Thrilla in Manilla“ dann vielleicht gar nicht stattgefunden hätte.

 

Gast schafft es weiters äußerst geschickt die Atmosphäre zu rekonstruieren, und ehe man sich versieht fühlt man sich wieder in die Zeit der Black Power Bewegung, aber vor allem nach Afrika versetzt, und kann sich an der fiebrigen Stimmung erfreuen. Auch mit Unterstützung der großartigen Musik, die großteils dem parallel stattfindenden Musikfestival entnommen ist, erzeugt man ein großartiges Feeling, sodass man sich einfach im Film verlieren kann. Dabei ist festzuhalten, dass es bisher noch niemandem gelungen ist, den Charakter von Muhammad Ali völlig zu entblättern, und ihn auf der Leinwand wirklich zu offenbaren. Aber es war wohl auch noch nie ein Film so nahe dran wie When We Were Kings. Und ein solch großartiges Portrait ist einfach eine Seltenheit.

 

Fazit:

When We Were Kings ist eine großartige Dokumentation über ein äußerst bedeutsames Sportereignis. Der Film schafft es dabei virtuos die fiebrige Atmosphäre dieser Zeit wiederzubeleben, und den Zuseher tief ins Geschehen zu ziehen. Dabei entsteht auch noch ein faszinierender Blick auf Muhammad Ali. Es ist auch kein Zufall, dass sich Michael Mann in seiner Ali Biographie im Abschnitt über den "Rumble in the Jungle", sichtlich von When We Were Kings beeinflussen ließ. Denn diese Doku ist wirklich großartig.

 

Wertung:

9/10 Punkte

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