Eldorado (2008)

OT: Eldorado - 82 Minuten - Tragikomödie
Eldorado (2008)
Kinostart: 30.10.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Eldorado

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Die belgische Nominierung für den Auslands-Oscar kommt zu uns ins Kino, und sie ist so ganz anders als man es normalerweise von einem belgischen Film erwartet. Der Regisseur Bouli Lanners, der sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet und gleichzeitig die Hauptrolle spielt, wollte mit Eldorado entschieden weg von Belgiens Image als einen tristen grauen Ort und hat sich deshalb für einen Film voller Licht und Farben entschieden. Die Hauptfiguren bewegen sich durch idyllische, wunderbar gefilmte Landschaften, die jedoch nie den Charakter von Postkarten annehmen, sondern stets eine Notwendigkeit der Handlung und ihrer Figuren sind. Darüber hinaus verleihen die Landschaften dem Film eine Art meditativer Geruhsamkeit, die hervorragend die Gemütlichkeit des von Bouli Lanners gespielten Hauptcharakter Yvan unterstreicht.

 

Trotzdem soll das einem nicht zu dem Trugschluss führen, dass Eldorado ein langsam erzählter, ruhiger Film ist. Ganz im Gegenteil. Der Film startet mit einem schnellen, abrupten Anfang und verliert von da an niemals an Tempo, es geht fortwährend Schlag auf Schlag weiter. Dies ist mit ein Grund warum der Film niemals langweilig wird. Ohne irgendwelche Umschweife konzentriert sich der Film ausschließlich auf eine Haupthandlung und bezieht den Grossteil seines Reizes aus seinen facettenreichen Figuren. Bouli Lanners ist sich nämlich der Faszination seiner beiden Hauptcharaktere so sicher, dass er auf zusätzliche Erzählstränge verzichtet und sich voll und ganz auf seine zwei zentralen Figuren konzentriert, die ihrerseits genug dramatischen und komödiantischen Konflikt in die Geschichte bringen. Dadurch offenbart sich Eldorado als ein überaus inspiriertes und überwiegend originelles Road-Movie, das sich nicht vor großen Hollywoodproduktionen verstecken muss.

 

Verstecken muss sich aber der junge, unbeholfene Elie (Fabrice Abbe) als er beim Einbruch in das Haus von Yvan (Bouli Lanners) auf frischer Tat vom Hausbesitzer ertappt wird. Der junge Mann verkriecht sich unterm Bett seines Opfers, doch Yvan entdeckt ihn rechtzeitig und setzt damit den Beginn einer Freundschaft in Gang, mit der am Anfang sicher keiner der Beiden gerechnet hat. Denn anstatt die Polizei zu rufen, bietet er dem jungen Einbrecher schließlich sogar an ihn bis an die Grenze Belgiens zu seinen Eltern zu bringen. Im Verlauf ihrer Reise durchleben sie witzige Momente und begegnen skurrilen Menschen.

 

Abgesehen von den wunderschönen Landschaftsaufnahmen und der temporeichen Gestaltung des Films, sind es vor allem die zwei Hauptdarsteller, die Eldorado wirklich sehenswert machen. Bouli Lanners und Fabrice Abbe verleihen ihren Figuren nicht nur Leben, sie sind ihre Figuren. Man könnte sich nur schwer andere Schauspieler vorstellen, was wohl auch daran liegen mag, das für einen großen Teil des Publikums diese beiden Darsteller vollkommen unbekannt sind. Aber selbst für diejenigen, die sie bereits kennen, wird schnell klar sein, dass hier zwei meisterliche Darsteller eine Glanzleistung zum Besten geben. Vor allem deshalb weil sie ihre Charaktere mit einer Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit spielen, dass es eigentlich gar nicht wie Schauspielerei wirkt, sondern wie die Darstellung ihrer eigenen Persönlichkeit, die sie extra für Eldorado vor dem Publikum zur Schau stellen.

 

Aber trotz aller positiven Aspekte hat der Film leider auch ein schwerwiegendes Manko vorzuweisen. Nämlich der Schluss. Am Ende verrennt sich Eldorado leider in einer aufgesetzten Dramatik, die nicht so recht zum Rest des Films passen will. Dies führt dazu, dass ein ansonsten gelungenes Road-Movie mit einem erzwungenen Finale aufwartet, wobei sich der Film eigentlich ein stimmigeres Ende verdient hätte. Dabei ist der Schluss an sich genau so gut geschrieben, inszeniert und gespielt wie der Rest des Films, aber er passt leider nicht dazu. Es fühlt sich dadurch so an als besteht der Film aus zwei unterschiedlichen Teilen, die eigentlich nicht zusammen gehören.

 

Doch selbst das unpassende Finale schafft es nicht die emotionale und humoristische Wucht des Films vollständig zu untergraben. Trotz (oder vielleicht gerade wegen) seines übergewichtigen Hauptcharakters tänzelt die Geschichte leichtfüßig dahin, weiß stets zu unterhalten und offenbart ein originelles, temporeiches Road-Movie, das einem zwar nicht zum nachdenken anregt, aber zumindest nicht gleich in Vergessenheit gerät.

 

Fazit:

Eldorado ist ein durchwegs gelungenes Road-Movie mit einem originellen Drehbuch, einer liebevollen Inszenierung und einer starken Besetzung. Abgesehen von den schönen Landschaften, die immer mit der Geschichte zusammenhängen und nie zum Selbstzweck degradiert werden, ist es vor allem das Tempo mit der die Geschichte erzählt wird und die zwei herrlichen Hauptdarsteller, die Eldorado zu einem wirklich unterhaltsamen Filmerlebnis machen. Zwar trübt ein aufgesetzter, erzwungener Schluss den Filmgenuss ein wenig, wird aber durch die vielen positiven Eigenschaften leicht wieder aufgewogen. Eldorado bietet kurzweilige, aber stets einfallsreiche und erfrischende Unterhaltung, die gerade wegen seiner unverbrauchten Figuren und Schauspieler nie ins belanglose abdriftet.

 

Wertung:

7/10 Punkte

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