Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte (2009)

OT: Capitalism: A Love Story - 127 Minuten - Dokumentation
Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte (2009)
Kinostart: 13.11.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 03.02.2011
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Filmkritik zu Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte

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Der Mann mit der Baseballkappe und der großen Klappe ist wieder da. Die Rede ist natürlich von Michael Moore, der sich mit seinen bisherigen Werken ja bereits einen Namen gemacht hat, zu dem ohnehin schon jeder eine vorgefasste Meinung hat. Also haben sich im Wesentlichen zwei Lager gebildet: Die einen verteidigen ihn, und teilen seine Ansichten, die anderen werfen ihm Polemik und teilweise auch Hetze vor. Beide haben sicher irgendwo recht, doch genau dieser Mix ist es ja auch, der Moores Filme so unterhaltsam macht: Er schnappt sich ein Thema, und versucht seine Meinung wiederzugeben, dabei versteht er es äußerst geschickt sein Gegenüber aufs Glatteis zu führen, und so für unterhaltsame Situationen zu sorgen.

 

Kaum einer der in letzter Zeit mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gegangen ist, dürfte die weltweite Finanzkrise übersehen haben. Zahlreiche Amerikaner haben ihre Häuser verloren, die Wirtschaft ging in die Knie, und Arbeitsplätze wurden rar. Michael Moore versucht nun Fragen zu stellen, warum es denn zu einer solchen Krise kommen konnte. Dies führt ihn unweigerlich zum zu Grunde liegenden System, dem Kapitalismus, und seinen glänzenden Rittern, mit Anzug und Aktentasche, die ihre Hofburg, die Wall Street, verteidigen…

 

Wenn man sich das Oeuvre von Michael Moore ansieht, ist das Thema Kapitalismus natürlich naheliegend. Zynische Mitbürger mögen anmerken, dass das Thema gerade in Mode ist, und alleine deswegen einen Polemiker wie Michael Moore anziehen muss. Das hat natürlich schon seine Richtigkeit, jedoch hat sich das Thema ja bereits durch seine gesamten Vorgängerwerke abgezeichnet: Roger and Me (Arbeiter gegen Management), Bowling for Columbine (die mächtige und finanzkräftige Waffenlobby), Fahrenheit 9/11 (dubiose Machenschaften der Regierung, die natürlich auch etwas mit dem lieben Geld zu tun haben) und Sicko (geldgeile Gesundheitsorganisationen, für die der Patient nichts bedeutet). Warum also nicht einfach den roten Faden hinter all diesen Filmen aufgreifen, und einen eigenen Film über das System drehen?

 

Und Michael Moore tat dies auf die einzige Art, wie es ein Michael Moore nun mal tun kann. Er wetzt die Schwerter und zieht in die Schlacht gegen den Kapitalismus, also vorwiegend in Richtung Wall Street. Dort angekommen versteht es Moore natürlich gekonnt hinzuzeigen wo sich offenkundige Lücken im System auf tun, und stellt dabei natürlich die Manager und das System generell bloß. Besonders interessant wird es aber an den wenigen Stellen, an denen Moore tatsächlich etwas Neues zu bieten hat, wie zum Beispiel einem Jugendgefängnis, das einen Richter bestochen hat, damit er Jugendliche verurteilt und ins Gefängnis schickt, wo eine weit mildere Strafe eigentlich üblich wäre.

 

Auch versucht er so oft wie es nur geht der Finanzkrise ein Gesicht zu geben. Dies tut er vorwiegend, durch die leidenden Gesichter, von Leuten, die ihr Haus verloren haben (und dann auch noch für einen Hungerlohn engagiert worden sind, um alle Überreste aufzuräumen), oder einer Gruppe Arbeiter, die ihre Firma so lange besetzen, bis all ihre Forderungen erfüllt sind. Es ist natürlich klar was Moore damit bezweckt (Mitleid schüren, und den Hass gegen „die da oben“), aber er ist damit etwas über das Ziel hinausgeschossen, und trägt stellenweise sogar für seine Verhältnisse zu dick auf.

 

Doch Moore versucht nicht nur den Betroffenen ein Gesicht zu geben, sondern auch den Tätern. Abgesehen von den schon fast unvermeidlichen Seitenhieben gegen seinen Erzfeind George W. Bush, stellt Moore vor allem die Frage, wie es sein kann, dass hochrangige Manager der Investmentbank Goldman Sachs ihren Einzug ins Finanzministerium halten, und dabei munter weiterspekulieren. Moore hält überhaupt den Wert des tatsächlich produzierten Produkts hoch, während er Finanzspekulationen als reine mathematische Hirngespinste verurteilt. Am Ende tritt er schließlich als Aktionskünstler in Erscheinung, der schließlich den „Tatort“ Wall Street abriegelt. Und dies tut er mit einer Trotzreaktion, wie sie eben nur ein Michael Moore auf die Leinwand bringen kann.

 

Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte ist somit genau das, was man sich auch erwarten konnte. Michael Moore stellt sich eindeutig auf die Seite der „Arbeiterjungs“ und liefert eine lange, polemische Kampfansage gegen Finanzblasen und den Kapitalismus generell Unterhaltsam ist das ganze zweifellos, und an manchen Stellen kann Michael Moore sogar etwas Neues zeigen. Im großen und ganzen ist sein Film jedoch ein einseitiger, polemischer Kampfschrei, der etwas zu sehr versucht die Emotionen des Publikums zu leiten und der am Ende natürlich nicht unbedingt glaubwürdig ist, wenn er die Demokratie als großen möglichen Bezwinger des bösen Kapitalismus präsentiert, und Barack Obama völlig ohne zu hinterfragen als neuen Messias feiert. Das ist nämlich auch Michael Moore, und seine eigene Meinung hat er noch nie besonders gründlich hinterfragt.

 

Fazit:

Wie bei allen Michael Moore Filmen muss auch bei Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte erwähnt werden, dass es sich nicht um eine klassische Dokumentation handelt. Denn Michael Moore legt eigentlich nur seine eigene Meinung dar, ohne sie besonders zu hinterfragen. Dabei zieht er mit reichlich Polemik und emotionaler Beeinflussung in die Schlacht um den Kapitalismus zu Fall zu bringen. Und wie bei allen Michael Moore Filmen wird es auch hier vor allem davon abhängen, ob man seinen Stil mag oder nicht. Seine ungenierte Art, und sein stürmisches Vorgehen sorgt zweifellos für Unterhaltungswert, aber eine ansprechende Abhandlung des Themas ist es nun mal nicht geworden. Dazu fehlt Moore vor allem der nötige Weitblick um auch seine eigenen Ansichten zu hinterfragen, und das klassische gut-böse Schema aufzubrechen.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 3
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