Das Dreckige Dutzend

OT: - 145 Minuten - Kriegsfilm
Das Dreckige Dutzend
Kinostart: 09.11.1967
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Das Dreckige Dutzend

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Die Erinnerungen an den 2. Weltkrieg begannen zu verblassen, dafür traten andere Kriegsschauplätze in der Vordergrund. In den Sechzigern war es nun endlich wieder möglich das wohl grausamste und verheerendste Kapitel der Geschichte der Menschheit als publikumstaugliches Abenteuer zu verkaufen, ohne gleich wieder alte Wunden aufzureißen. Konflikte in Korea und später auch Vietnam halfen dabei natürlich.

Regisseur Robert Aldrich („Ulzana's Raid“, „The Longest Yard“), noch dank seines Klassikers „The Flight of the Phoenix” in aller Munde, packte die günstige Gelegenheit beim Schopf und inszenierte mit „The Dirty Dozen“ ein stilprägendes Original, das das Genre in den Folgejahren entscheidend mit beeinflussen sollte beziehungsweise ein Subgenre begründete. Das Autorengespann Lukas Heller („The Flight of the Phoenix”, „Too Late the Hero”) und Nunnally Johnson („The Desert Fox: The Story of Rommel”) schrieben ihm ein Drehbuch, das die Bestie Krieg mit dem notwendigen Galgenhumor in Einklang brachte und es mit einer Riege von „Auserwählten“ versah, die zumindest zur Hälfte auch ihre Charaktere ausbauen durften, während die eigentliche Mission eigentlich nur das Sahnehäubchen zum Schluss darstellte.

Deswegen fällt der Vergleich mit Genrekönigen wie „Where Eagles Dare“ oder „Kelly’s Heroes“ auch flach. Für den Film selbst ist nicht die Mission und ihre Durchführung das Ziel, sondern der problematische lange Weg dorthin. So prägend der maskuline Humor, das mitunter infantil-alberne Verhalten und vor allem das Handlungsmuster in den Folgejahren auch war, kein Kriegsfilm nahm sich wieder soviel Zeit für seine Figuren.

Die müssen auch in vollen Zügen ausgekostet werden, denn der Auftrag von Major John Reisman (Lee Marvin, „Point Blank“, „The Big Red One“) klingt nach einem klassischen Himmelfahrtskommando. Mit einem Dutzend von ihm ausgewählter Schwerverbrecher, die fallabhängig sogar auf die Todesstrafe warten, soll er kurz vor der Invasion ein Schloss in der Nähe von Rennes stürmen und alle sich dort befindlichen deutschen Offiziere liquidieren. Sein Problem ist nicht nur innerhalb weniger Wochen die Halsabschneider und Mörder auf die Mission vorzubereiten, sondern aus ihnen, einer Truppe von teilweise psychisch angeknacksten Individualisten, die jegliche Autorität ablehnen, ein schlagkräftiges Kollektiv zu formen, das miteinander und füreinander kämpft, obwohl sie nichts mehr als die Armee hassen.

Spaßig wird es, wenn Lee Marvin, so wie man ihn am liebsten sieht, als alten störrischen, gewitzten, intelligenten und harten Haudegen mit dem nötigen Zynismus sich nicht nur seine Schäfchen auserwählen muss, sondern die auch noch zu einem Großteil aus bekannten Gesichtern, um nur die wichtigsten zu nennen, wie Charles Bronson („Spiel mir das Lied vom Tod“, „Death Wish“), Donald Sutherland („Kelly’s Heroes“, „Invasion of the Body Snatchers“), Telly Savalas („Kelly’s Heroes, „Kojak“), John Cassavetes („Husbands“, „Minnie and Moskowitz“) und Ex-Footballer Jim Brown („Ice Station Zebra“, „Any Given Sunday“), in seiner zweiten Filmrolle, bestehen.

Natürlich fällt es Reisman, der selbst von seinen Vorgesetzten nicht viel hält, nicht schwer sich in die Lage dieser Männer zu versetzen, lässt sie ihr eigenes Straflager bauen, um den ersten mentalen Widerstand zu brechen und sie zu beschäftigen, und sich selbst den Problemkindern dieser Gruppe als universelles Feindbild anzubieten. Damit haben sie immerhin alsbald eine Gemeinsamkeit. Ein ihm nicht wohl gesonnener Colonel weiß gar nicht, was für einen Gefallen er ihm tut, als dieser später genau diese Funktion Reismans übernimmt...

Für Reismans körperliche und psychologische Schulung mit Zuckerbrot und Peitsche nimmt der Film sich die notwendige Zeit, um die wichtigsten Mitglieder nicht nur dem Zuschauer vorzustellen, sondern auch ihre stetige Entwicklung zu fördern. Bei internen Streitigkeiten ist eine Einmischung von außen bald nicht mehr erwünscht. Man löst die Probleme mit „Sorgenkindern“ selbst. Die Gruppe wird selbstständiger, damit aber auch selbstbewusster und aufrührerischer, was wiederum Reisman, mit wirklich ehernen Absichten zu kanalisieren versucht, indem er ihnen entgegenkommt, sich für sie einsetzt und letztlich das Vertrauen ausspricht, weil die ganze Aktion von oben abgeblasen werden soll, man Reismans Einheit aber die Chance gibt bei einem Manöver ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, was diese dann auf trickreiche und schlitzohrige Weise auch tun.

Noch ist die Ausbildung ein Spiel und kein Ernst, was der humorige Unterton mit unterstützt und damit als wichtiges Kontrastmittel für den harten, schonungslosen und verlustreichen Schlussakt fungiert. Reisman macht den Männern von Beginn an nichts vor. Überleben werden den Einsatz ohnehin nur die wenigsten und auf Verluste muss man sich einstellen, weswegen jeder universell einsetzbar sein muss. Wohl auch weil sie den Tod alle vor Augen haben, versucht er als Befehlshaber sie zeitweise abzulenken und zu zerstreuen. Als Beispiel sei nur der Besuch der „Damen“ genannt.

Gerade weil der Zuschauer mit den Zwölfen etwa zwei Stunden lang durch dick und dünn ging, ihnen anfangs kaum für möglich gehaltene Sympathien abringt, funktioniert der Schluss, das letzte gemeinsame Festessen, wobei die Kameradschaft endlich unmittelbar so erscheint, die kniffelige Infiltrierung des Schlosses und die spätere, grausame Exekution dramaturgisch so gut. Die lange Zeit verborgenen, hässlichen Fratzen kommen wieder zum Vorschein, denn alle Beteiligten verrichten ihr tödliches und schmutziges Handwerk. Ihr Einsatz hat nichts heroisches an sich. Ganz im Gegenteil, sie töten ihre Feinde hinterhältig und heimtückisch, auf grausame Art und Weise.

Aldrich spart final jeden Humor aus und setzt auf den unbeschönigten Kriegsschauplatz, der auf beiden Seiten hohe Verlustraten einfordert und vom rein technischen Standpunkt mit Stunts aus größeren Höhen, intensiven Schusswaffengebrauch diverser, angesagter Kaliber (MP, MG usw.) und Gebäudezerstörungen sich, trotz leichter Staubschicht, immer noch sehen lassen kann. Den ausgelösten Alarm zögert er geschickt hinaus, konfrontiert die Beteiligten auf ihren Posten mit unplanmäßigen Problemen und beendet die Operation letztlich so, wie sie keine heroische Spezialeinheit jemals gelöst hätte: Grausam und unmenschlich mit einer Spur Sadismus. Aber hier ist es ja auch ein dreckiges Dutzend am Werk...

Fazit:
Beeindruckend besetzter Kriegsfilm (u.a. auch Ernest Borgnine und George Kennedy), der seinerzeit ein Trendsetter war und gleich eine ganze Welle von Epigonen nach sich zog, die entweder die Rezeptur zu variieren und zu verbessern wussten, oder schamlos die Idee kopierten und oftmals baden gingen. Die Welle sollte bis in die Achtziger hinein gehen. Das Muster wurde dort auch vom italienischen Kino gern angewandt, wobei man auch bemerken muss, dass zu dieser späteren Zeit ebenfalls drei überflüssige Fortsetzungen folgten, in denen noch ein paar der Original-Recken ihre Rente aufbesserten. Für sich stehend ist „The Dirty Dozen“ definitiv ein Klassiker, der von Robert Aldrich nicht nur souverän inszeniert wurde und über den nötigen Humor verfügt, sondern auch von einer spielfreudigen Truppe (Savalas ist als Psycho klasse!) leidenschaftlich zusammengehalten wird. Vielleicht etwas zu lang gefasst und nicht mit genug Überraschungen, dafür jedoch mit der nötigen Konsequenz zum Schluss.

 

Wertung:

8/10 Punkte


Filmering.at
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