Crossing Over (2009)

OT: Crossing Over - 113 Minuten - Drama
Crossing Over (2009)
Kinostart: 16.10.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Crossing Over

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Früher hieß es: Bringt mir die elenden, armen, unterdrückten Massen. Heute heißt es: Wegen Überfüllung geschlossen. Crossing Over behandelt das Thema der Immigration und setzt Menschen und ihre Schicksale ins Zentrum, die entweder versuchen (legal oder illegal) nach Amerika einzuwandern um dort zu leben, oder vor der Bedrohung stehen aus Amerika ausgewiesen zu werden, oder die für die Einwanderungsbehörde arbeiten. Der Film verbindet diese Einzelschicksale miteinander um daraus ein größeres Ganzes zu schaffen. Wie es bei einem Episodendrama üblich ist, steht keine Figur im Vordergrund, wenngleich es natürlich ein paar dominierende Haupthandlungen gibt. Aber im Endeffekt sind alle Schicksale bloß kleine, verschwindende Teile in einem gigantischen Getriebe, dem man als Einzelner nur schwer etwas entgegensetzen kann.

 

Besonders gelungen erscheint die Struktur, wie die Geschichten miteinander verbunden sind. Eine Geschichte hängt stets auf ziemlich direkte Weise mit mindestens einer anderen zusammen. Dabei bilden vor allem die Episoden rund um Max Brogan (Harrison Ford), Cole Frankel (Ray Liotta) und Hamid Baraheri (Cliff Curtis) das Rückgrat des Films und stehen auf subtile oder offensichtliche Art mit allen anderen Figuren in Verbindung. Das emotionale Zentrum und die zugleich berührendste Geschichte stellt jedoch die des jungen Mädchens Taslima Jahangir (Summer Bishil) dar, die aufgrund eines provokanten Referats an der Schule unter dem Verdacht gerät eine junge Terroristin zu sein und nun von Behörden gezwungen wird aus Sicherheitsgründe Amerika zu verlassen.

 

Ein Episodenfilm steht und fällt vor allem mit der Ausarbeitung der Figuren und deren Darstellung durch die Schauspieler. Die Figuren haben hier weniger Zeit um die Zuschauer auf ihre Seite zu ziehen und sie für ihr Schicksal zu fesseln. Ein Umstand der wiederum die Schauspieler vor die Herausforderung stellt ihre Charaktere und inneren Kämpfe so klar, aber auch eindringlich wie möglich in überaus kurzer Zeit zu vermitteln, andernfalls ist es für das Publikum unmöglich sich für die Figuren zu begeistern. Crossing Over hat durchwegs gute, solide darstellerische Leistungen aufzuweisen. Dabei gefällt vor allem die extrem stoische Performance von Harrison Ford, mit der er zum einen die Zerrissenheit seiner Figur gekonnt kontrastiert und zum anderen überaus positiv an Clint Eastwood erinnert. Des weiteren schaffen es Cliff Curtis und ganz besonders Summer Bishil das Publikum mit ihren Schicksalen und auch ihren schauspielerischen Darstellungen zu berühren.

 

Das überraschendste an Crossing Over ist wahrscheinlich seine überaus offene, direkte und teils auch kritische Auseinandersetzung mit seinem Thema. Der Film zeigt seine Geschichten nicht aus einer politischen Sicht, sondern aus einer rein menschlichen Sichtweise, auf eine Art und Weise die gerade bei einem Hollywoodfilm erfrischend anders wirkt. Er verzichtet auf religiöse oder politische Statements und versucht auch in keiner Sekunde die Handlungen der Figuren hinter diesen Institutionen zu verstecken. Wir sind was wir tun und wir sind selbst für unser Handeln verantwortlich, aber manchmal gibt es Kräfte gegen die ein einzelner Mensch nicht ankämpfen kann, so sehr er es auch versucht. Deshalb geht es für manche Figuren gut aus, für andere schlecht, es scheint fast so als entscheidet am Ende nur das Glück und die Menschen sind nichts weiter als ein Spielball des Schicksals.

 

Wayne Kramer, der für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnet, hat mit Crossing Over ein solides Drama abgeliefert, das auf seinem eigenen, gleichnamigen Kurzfilm basierend aufgebaut ist. Leider hinterlässt der Film aber, trotz all seiner positiven Aspekte, keinen allzu bleibenden Eindruck. Denn obwohl die Geschichten sehr emotional sind, wirken sie am Schluss dennoch überraschend distanziert. Des weiteren sind manche Wendungen sehr leicht vorhersehbar und kommen manchmal gerade zu plump und offenkundig daher. Andere Nebenhandlungen werden stellenweise überhaupt komplett vernachlässigt und erst zu einem sehr späten Zeitpunkt wieder aufgenommen. Dies führt dazu, dass der Film manchmal den Fokus verliert. Was schade ist, wenn man die ständige Brisanz und Aktualität des Themas in Betracht zieht.

 

Manchmal hapert es auch an der Originalität einiger Episoden. Während ein Gutteil der Geschichten in seinen besten Momenten unter die Haut geht und emotional stark involviert, sind diesen Augenblicken klischeehafte Szenen und vorhersehbare Abläufe entgegengesetzt, die das Ganze unnötigerweise entschärfen und den Film an Intensität berauben. Am Schluss ist es genau jene Intensität, die fehlt um den Film wirklich denkwürdig zu machen und aus der Masse hervor zu heben. Trotzdem bleibt Crossing Over ein sehr guter Episodenfilm, der kurzweilige Unterhaltung bietet.

 

Fazit:

Crossing Over lebt vor allem von starken schauspielerischen Leistungen, seinen großteils gut ausgearbeiteten Figuren und der unpolitischen, Hollywood untypischen Aufarbeitung seines Themas. Dass der Film aber leider keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, manche Handlungen für zu lange Zeit vernachlässigt werden und stellenweise in klischeehafte Wendungen verfällt, ist ein Umstand, der den Gesamteindruck abschwächt. Auch wenn sich Crossing Over nicht aus dem Kanon der Episodenfilme besonders hervorhebt, bleibt es zumindest ein überaus unterhaltsamer Film, der in keiner Sekunde langatmig erscheint.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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