The Girlfriend Experience (2009)

OT: The Girlfriend Experience - 77 Minuten - Drama
The Girlfriend Experience (2009)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 18.01.2013 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Girlfriend Experience

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Kaum ein Regisseur der heutigen Zeit schafft es so dermaßen geschickt zwischen Arthouse und Mainstream hin- und herzupendeln wie Steven Soderbergh. Mit seinen Ocean’s Filmen schuf er lupenreine Vertreter des großen Hollywood-Starkinos, ausgestattet mit tollen Produktionswerten, hippen Stil und vor allem natürlich einem gigantischen Starensemble. Mit Erin Brockovich schuf er einen crowd pleaser, der aber auch seine Botschaft nicht vergisst, mit Traffic sicherte er sich den Oscar als Bester Regisseur und dazwischen finden sich immer wieder höchst eigenwillige Produktionen wie The Girlfriend Experience, die eines beweisen: Steven Soderbergh hat nie die Lust am Experimentieren verloren.

 

Chelsea (Sasha Grey) arbeitet bei einem Eskortservice. Dabei bietet sie neben dem Sex vor allem an so zu tun, als wäre sie die Freundin des Kunden (The Girlfriend Experience), und gibt ihnen das Gefühl geliebt zu werden. Privat ist sie mit Personal Trainer Chris (Chris Santos) zusammen. Beide haben auf ihre Art mit der Wirtschaftskrise zu tun: Während Chris eher davon betroffen ist, muss sich Chelsea zahlreiche Geschichten darüber anhören. Doch ihre Welt gerät zusehends ins Wanken, als Chelsea Chris verlassen ist, weil sie so von einem ihrer Kunden fasziniert ist…

 

Die größte Überraschung im Vorfeld zu The Girlfriend Experience war sicherlich, dass Steven Soderbergh sich dazu entschloss Pornostar Sasha Grey für die Hauptrolle zu engagieren. Dabei fällt besonders auf, dass The Girlfriend Experience in lediglich 16 Tagen abgedreht wurde, und für Soderbergh somit nur ein kleiner Einschub war, eine kreative Fingerübung wenn man so will, die man auch gerne als Urlaub von Hollywood betrachten kann. Und da bietet es sich natürlich auch an mit einer Haupdarstellerin aus einem anderen Metier zu arbeiten.

 

Ihre sexuellen Kompetenzen dürften bei der Entscheidung nämlich keine Rolle gespielt haben, scheint sich Soderbergh mit seinen Bildern doch viel eher im Gesicht von Sasha Grey zu verlieren, als allzu viel von ihrem Körper zu präsentieren. Dies ist auch gut so, denn die eigentliche Überraschung ist wohl, dass Sasha Grey tatsächlich das nötige Charisma besitzt um den Film zu tragen. Darstellerisch wird sie zwar nicht allzu viel gefordert, aber zumindest zeigt sie auch hier Talent, und wirkt auf ihren Posten nicht verloren. Das mag aber auch daran liegen, dass ihre Rolle oberflächlich, manchmal kühl und vor allem undurchdringlich scheint, was ihr nicht allzu viel abverlangt haben dürfte.

 

Der Film selbst spielt während einer ganz besonderen Zeit in der jüngeren Vergangenheit: Mitten im US-Wahlkampf zwischen John McCain und Barack Obama, also dementsprechend auch während die Weltwirtschaftskrise ihre Zähne zeigt, versucht uns The Girlfriend Experience ein Zeitportrait zu skizzieren. Dies ist auf Grund des erlesenen Kundenkreises von Chelsea großteils ein Abbild der Upper Class und angesiedelt in prächtigen Lofts, exquisiten Restaurants und privaten Fitnessclubs, zeigt uns The Girlfriend Experience ein glitzerndes Bild von dieser Fassade.

 

Angereichert wird dies immer wieder durch zahlreiche Gespräche rund um die Krise, bzw. um die Politik. Dabei versetzt uns der Film großteils in die Position von Chelsea, was bedeutet, dass wir kaum tiefer gehende Informationen serviert bekommen, sondern stattdessen nur einige Informantionshäppchen zu hören bekommen, die eher dazu dienen ein Abbild unserer Zeit zu erschaffen, als wirklich nähere Informationen zu den angesprochenen Themen zu liefern. Und dies ist für den Film Fluch und Segen zu gleich. Den auf der einen Seite, erweist sich dieses Stimmungsbild unserer Zeit als sehr gelungen, und vor allem wunderschön gefilmt, jedoch fehlt dem Film manchmal die Substanz und vor allem eine erkennbare Struktur.

 

Denn The Girlfriend Experience liefert vor allem lose Fragmente, die in eine etwas ungeordnete Chronologie gebracht werden. Dabei zählen die Einzelmomente und die einzelnen Impressionen mehr als das große Ganze, was herrlich untypisch ist, und auf den ewigen Experimentierer Steven Soderbergh hindeutet. Man kann auch nicht bestreiten, dass der Film so durchaus eine gewisse Faszination aufbaut, und es auch schafft zu hypnotisieren. Vielen wird das Ganze jedoch zu konfus erscheinen, und tatsächlich offenbart The Girlfriend Experience zahlreiche strukturelle Schwächen, mit denen so mancher seine Probleme haben wird. Mir persönlich hat der Film dennoch gut gefallen, was vor allem daran liegt, dass er es grandios schafft unsere Zeit in Bilder zu bringen. Doch die meisten werden wohl große Probleme haben einen Zugang zu diesem Werk zu finden.

 

Fazit:

The Girlfriend Experience ist ein Film in dem sich Steven Soderbergh einmal wieder experimentell betätigt hat. Eine Story ist nur im Ansatz vorhanden, und wurde auch noch etwas unmotiviert zerstückelt. Das eigentliche Ziel von The Girlfriend Experience scheint es nämlich zu sein ein gewisses Sittenbild der Upper Class zur Zeit der Wirtschaftskrise zu entwerfen. Und hier hat Soderbergh die perfekten Bilder gefunden, um eine hypnotische Sogwirkung aufzubauen, die alle fesseln wird, die sich darauf einlassen können. Jedoch werden wohl die meisten keinen Zugang zu diesen Film finden, da er auch über strukturelle Schwächen verfügt, die man nicht so einfach leugnen kann. Doch vielleicht tragen auch gerade diese „Schwächen“ dazu bei, dass der Film als eine durchaus gefällige Wanderung durch das Labyrinth unserer Zeit gesehen werden kann. Die Antwort liegt wohl im Auge des Betrachters.

 

Wertung:

6/10 Punkte

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Ø Wertung: 6.5/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 2
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