Cube

OT: Cube - 90 Minuten - SciFi
Cube
Kinostart: 13.07.2000
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Cube

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Stellen Sie sich vor, Sie wachen eines Tages in einem kubischen Raum mit einer Kantenlänge von circa fünf Metern auf. Sie haben weder eine Ahnung wo Sie sind, noch wissen Sie, wer oder was Sie hierher gebracht hat. Ein Alptraum? Ganz richtig, dieser Alptraum wird von sieben unterschiedlichen Menschen erlebt, die eines Tages ebenfalls in diesem abstrakten Konstrukt aufwachen. Umgeben von tödlichen Fallen müssen sie einen Weg nach draußen finden – aber gibt es im „Cube“ überhaupt einen Ausgang?

 

„Wozu steckt man Menschen hier rein?" - "Weil es existiert. Entweder du benutzt es oder gibst zu, dass es völliger Quatsch ist."

 

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass Low-Budget Filme gerade aufgrund des fehlenden Geldes mehr auf die Handlung achten, als reine Actionkracher, die den Großteil des Budgets für kostspielige Effektfeuerwerke aus dem Fenster werfen. Wenn man nun noch bedenkt, dass „Cube“ aus der kanadischen Version von Hollywood, nämlich Toronto kommt, dürfte für einen Filmfan sofort klar sein, dass es sich hier höchstwahrscheinlich um ein Schmuckstück handeln muss; neben „Cube“ kamen auch noch die vielversprechenden Independentfilme „eXistenZ“ und Cypher“ direkt aus Toronto. Doch „Cube“ ging diesen Filmen voran, konnte er also einen erfolgreichen Grundstein legen? Die Ausgangslage für das Regiedebüt von „Vincenzo Natali“ sah düster aus: 365.000 kanadische Dollar Budget, dazu noch eine Bühne mit nur 14 x 14 Fuß – und doch war dies alles, was gebraucht wurde, um diesen Thriller zu verwirklichen. Für die Dreharbeiten wurde ein einzelner innerer Würfel in Originalgröße gebaut, eine weitere Hälfte diente bereits als Kulisse für den nächsten Raum. Durch das Auswechseln der färbigen Wandpaneele, wurde es ein Leichtes, mit dem äußerst geringen Budget auszukommen. Auch die durchaus annehmbaren Spezialeffekte fielen nicht weiter ins Gewicht: Das SFX-Unternehmen C.O.R.E verzichtete auf ihr Entgelt, um die Filmindustrie in Kanada zu unterstützen. Voll ausgerüstet wurde also begonnen, den komplexen Thriller zu verwirklichen.

 

Der durchaus schnelle Anfang macht es dem Zuschauer ganz angenehm und führt dadurch ohne Vorworte oder in die Länge gezogene Elemente direkt in die Handlung des Filmes ein. Es dauert nur wenige Minuten und die unterschiedlichsten Charaktere haben sich bereits vor der Kamera eingefunden: Quentin (Maurice Dean Wint), der gesetzestreue Polizist, der alleine schon wegen seinen drei Söhnen wieder nach Hause kommen möchte. Helen Holloway (Nicky Guadagni), die paranoide Ärztin, die schon immer zu wissen glaubte, dass die Regierung hinter all diesen „Dingen“ steht. Joan Leaven (Nicole de Boer), die junge Studentin, die hinter all dem ein mathematisches System zu erkennen glaubt. David Worth (David Hewlett), der liebenswerte Zyniker, welcher über den Cube ziemlich gut informiert scheint. Rennes (Wayne Robson), der französische Zaunkönig, der selbst von sich sagt, dass er schon aus sieben Hochsicherheitsgefängnissen geflüchtet sei. Und zu guter letzt Kazan (Andrew Miller), der geistig zurückgebliebene mit einem wohl unbewussten Geheimnis tief in seinem Kopf …

 

Gerade diese bunte Mischung aus Charakteren ist es, die „Cube“ so überaus spannend wirken lässt. Zwar trägt die Tatsache, dass jeder neue Raum eine grausame tödliche Falle sein kann, natürlich auch zur Spannung bei, doch der aufmerksame Zuschauer dürfte schon nach ein paar Minuten feststellen, dass das Geschehen im Würfel viel spannender ist als das, was sich möglicherweise außerhalb befindet. Menschen, entführt und zusammen gepfercht wie Tiere; ohne Nahrung oder Wasser. Zwar formiert sich schnell ein annähernd funktionierendes Team, doch mit der Zeit wird immer deutlicher, dass auch hier nur das Gesetz des Dschungels gilt. Die vordefinierten Grenzen der Charaktere brechen ein, Stärken und Schwächen setzen sich genauso durch wie andere Triebe oder Instinkte, die der Mensch seit jeher zu unterdrücken versucht. Nach weiteren Überblendungen verlieren nicht nur die Protagonisten, sondern auch die Zuschauer selbst das Zeitgefühl. Orientierungslos in die Ecke gedrängt, schaut das Publikum zu, wie sich ein unabwendbares Psychoduell zwischen allen anwesenden Charakteren abspielt. „Cube“ wirkt schon fast wie eine Studie, in der auf eindrucksvolle Art und Wiese der menschliche Verstand durch das psychologische Skalpell seziert wird. Beeindruckend.

 

„Cube“ ist Low-Budget Produktion, doch trotzdem kann sich der ein oder andere unbekannte Schauspieler durchaus sehen lassen. Allen voran ist damit Nicky Guadagni als Helen Holloway gemeint. Sie spielt den menschlichen Doktor in reiner Konsequenz konstant herunter und lässt keinerlei Zweifel an ihrem Charakter aufkommen. Ihr ebenbürtig zeigt sich David Worth, welcher dem Publikum weiterhin erhalten bleiben sollte, unter anderem auch in der bekannten Science Fiction Serie „Stargate: Atlantis.“ Ab seiner ersten Szene lässt er den Zyniker auf magische Art und Weise so liebenswert erscheinen, dass das Publikum fast nicht anders kann, als ihm nach so manchem Geständnis trotzdem zu verzeihen. Den dritten und letzten Podestplatz holt sich Nicole de Boer. Auch sie verschwand nicht aus den Augen des Publikums und wurde in „Star Trek: Deep Space Nine“ oder ebenfalls in „Stargate: Atlantis“ wieder gesehen. Trotzdem begeht sie – oder das Drehbuch – anfangs den Fehler, die Wandlung des Charakters zu schnell zu durchziehen. In einer Minute war sie noch verängstigt und kauerte in der Ecke, doch in der nächsten Minute stürmte sie schon heldenhaft in den nächsten Raum; bereit, im Notfall auch ihr Leben lassen zu müssen. Ein wichtiger Part wird zwar außerdem von Maurice Dean Wint eingenommen. Er schafft es jedoch nicht den Polizisten glaubhaft darzustellen und schießt mit seiner Performance weit über das Ziel hinaus. Neben Overacting möchte man schön fast glauben, dass er seinen Teil auf satirische Art und Weise wiedergibt. Zum Schluss sei noch kurz Andrew Miller erwähnt. Er stellt Kazan zwar glaubhaft dar, lässt den Charakter aber einfach zu wenig Freiraum und kommt dadurch nicht über das Zweidimensionale hinaus; und gerade das ist in einem Kubus ein großer Fehler.

 

Neben den durchaus interessanten Menschen im Cube, geht es natürlich um das abstrakte Konstrukt selbst. Was ist der Cube? Wer hat ihn erbaut? Warum wurde er erbaut? Oder gibt es dafür vielleicht gar keinen Grund, wie Worth schon andeuten ließ? Unglaublich aber wahr: Auch wenn der Film keine Antworten liefert, so bleibt das Publikum trotzdem zufrieden; natürlich, wie sollte man auch Antworten erfahren, wenn man nicht einmal wirklich die richtigen Fragen kennt? Dem Regisseur war dieses Thema wohl so wichtig, dass er angeblich sogar einen zuvor erstellten Kurzfilm um den Hintergrund des Cubes eigenhändig vernichtete – nur, um das Mysterium weiterhin wahren zu können.

 

Fazit:

„Cube“ ist ein beeindruckender Thriller, der nicht nur für Science-Fiction Fans empfehlenswert ist. Durch die Spannungen in oder zwischen den Charakteren legt der Film weiter an Tempo zu, was nach dem fulminanten Ende die karge Musik oder so manchen kleinen Logikfehler sogar entschuldigen lässt. Mit diesem innovativen Drehbuch hätte es auch Hollywood kaum besser machen können.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 23
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