Armageddon

OT:  Armageddon   -  150 Minuten -  SciFi / Action 
Armageddon
Kinostart: 16.07.1998
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 15.05.2014
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Filmkritik zu Armageddon

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Eigentlich wäre es ein ganz normaler Tag in New York, würde nicht gerade ein Meteoritenhagel über den Big Apple hereinbrechen. Schnell steht fest, dass dieser Zwischenfall nur die Ankündigung einer viel größeren Katastrophe sein sollte: Ein Asteroid in der Größe von Texas befindet sich auf Kollisionskurs mit der Erde – und einzig Harry Stamper (Bruce Willis) und seine begabte Bohrmannschaft sind in der Lage, das Ende der Welt aufzuhalten …

Die Handlung ähnelt nahezu 1:1 dem ebenfalls im Jahr 1998 startenden Film „Deep Impact.“ Während „Deep Impact“ jedoch in einer höheren Klasse spielt und wichtige psychologische beziehungsweise gefühlsbetonte Szenen zum Hauptthema werden lässt, verkommt „Armageddon“ ganz im Stile und Sinne von Regisseur Michael Bay zu einer lange anhaltenden Actionsequenz. Die äußerst seichte Handlung darf im Grunde gar nicht verwundern – immerhin schrieben bis zu fünf Autoren am Drehbuch, die drei bekanntesten waren Jonathan Hensleigh (Stirb langsam – Jetzt erst Recht), J.J. Abrams (Mission: Impossible III, Star Trek) und Tony Gilroy (Bourne-Trilogie). Zu viele Köche verderben bekanntlich den Brei; in Hollywood wurde sogar schon darüber gescherzt, dass es je nach Szenentyp, also gefühlvoll, humorvoll usw., immer einen eigenen Spezialisten geben würde. Nach acht Wochen Arbeit war das Drehbuch aber schlussendlich fertig – und wurde danach erneut überarbeitet.

Wie eben bereits erwähnt, setzt „Armageddon“ im Gegensatz zu „Deep Impact“ mehr auf  Action – leider. Es ergeben sich zwar einige nette Szenen, doch dies kann über die fehlende Logik einfach nicht hinwegtäuschen. Somit erscheint es auch sofort unverständlich, wenn Harry Stamper seine väterliche Sorge damit zum Ausdruck bringt, in dem er den Verlobten seiner Tochter (Ben Affleck) mit einer Waffe quer über die eigene Bohrinsel jagt. Alles nur aus Spaß, versteht sich. Anders kann es nicht gewesen sein, immerhin griff keiner der anderen Anwesenden in das verrückte Spiel ein. Weitere unverständliche Szenen sind schnell gefunden: Nachdem NASA-Direktor Dan Truman (Billy Bob Thornton) Stamper die Lage schildert, willigt dieser ein, unter einer Bedingung zu helfen: Er will selbst mit seiner Mannschaft in den Weltraum fliegen. Den hiesigen Astronauten könne man das richtige Bohren innerhalb von zwölf Tagen nicht beibringen. Ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, stimmt Truman dem Angebot sofort zu. Hier eine kleine logische Überlegung: Was wäre wohl einfacher? Bereits ausgebildeten Astronauten, die schon acht Monate an dem Spezialgerät für einen Einsatz auf dem Mars geübt haben, das Bohren beizubringen – oder eine unerfahrene, undisziplinierte Hand voller Leute auszuwählen, die zwar schon überall auf der Welt Löcher in den Boden gebohrt haben, jedoch nicht einmal den Hauch einer NASA-Ausbildung besitzen und selbst noch keine Erfahrung mit dem Arbeiten auf tödlichen Asteroiden haben?

Der Einstieg in den Film dauert zwar relativ lange, jedoch schafft es Michael Bay Langeweile gekonnt zu vermeiden. Zwar treiben die gezeigten Trainingseinheiten die Handlung kaum voran, doch trotzdem wirken sie auf lockere Wiese unterhaltend. Genau das wiederum ist aber auch ein ständiger Kritikpunkt: Während des gesamten Films steht das Leben aller Menschen auf dem Spiel – aber unsere Protagonisten behalten größtenteils immer die Ruhe und haben dazu auch noch einen kessen Spruch auf den Lippen; sogar, wenn sie sich schon auf dem Asteroiden befinden und um ihr Leben bohren müssen. Einen weiteren negativen Punkt bildet der durchaus bekannte Patriotismus von Michael Bay. Es ist zwar nichts Neues mehr, dass nur Amerika die Welt rettet, doch was sich Armageddon leistet, ist schon einzigartig. Außer den Amerikanern bemerkt natürlich niemand den Asteroiden in der Größe von Texas, außerdem sind sie die einzigen, die die gewaltige Rettungsaktion veranlassen können. Zwar wird noch von einer Beteiligung von Russland, Japan und Frankreich gesprochen, doch abgesehen von Russland findet keines der anderen Länder auch nur die geringste weitere Beachtung. Mit dem steigenden Tempo des Films steigt auch der gezeigte Patriotismus. So grenzt es schon an Lächerlichkeit, wenn alle paar Minuten eine überdimensionale Flagge mit „Stars and Stripes“ im Hintergrund hängt. Den absoluten Höhepunkt bildet eine extra auf dem Asteroiden aufgestellte Flagge; hier stellt sich die Frage warum die Crew das tat, immerhin gibt es dort oben keine Fernsehkameras, außerdem sollte der Asteroid sowieso zerstört werden. Natürlich gibt es noch weitere Hinweise beziehungsweise Hervorhebungen Amerikas, besonders erwähnenswert sind auch die Szenen auf der Raumstation MIR, welche wohl zeigen sollen, um wie vieles schlechter die Technologie der Russen eigentlich ist. Zu einer kleinen Qual wird es für Europäer erst, wenn der amerikanische Präsident als „Vertreter aller Menschen dieser Erde“ spricht.

Neben weiteren patriotischen Akten und unzähligen Handlungslücken, sind aber auch noch die Schauspieler zu erwähnen. Allen voran soll zwar Bruce Willis stehen, doch durch die große Darstellerriege fehlt es auch ihm an genügend Screentime. Vielleicht war das aber auch gut so, immerhin durfte beziehungsweise konnte der alteingesessene Action-Held in seiner Rolle aus kauziger Vater und Ölbohrbaron kaum überzeugen. Seine Leistung war zwar durchaus annehmbar, jedoch kennen wir Willis auch von besseren Seiten. Generell scheint die fehlende Überzeugung ein Kernthema des Films zu sein, scheint doch auch Ben Affleck an demselben Problem zu leiden. Sein dargestellter Charakter wirkt viel zu flach, er kommt einfach nicht über eine 2D-Performance hinaus. Als dritter Hauptcharakter sei noch Liv Tyler genannt, welche nahezu über den kompletten Film farblos wirkt. Sie kann zwar in einigen wenigen Szenen aus ihrem Käfig ausbrechen, trotzdem verleiht sie dem Ende jedoch einen leicht bitteren Geschmack. Es gibt jedoch auch Positives zu melden, wie zum Beispiel Billy Bob Thornton. Zwar kennen wir auch ihn bereits von einer besseren Seite, doch trotzdem darf er sich aufgrund seiner konstant starken Leistung in „Armageddon“ zu den wenigen hervorstechenden Schauspielern zählen. Zusammen in einer Reihe mit Thornton stehen auch Steve Buscemi als „Rockhound“ und William Fichtner als Colonel William Sharp. Buscemi überzeugt komplett und lässt kaum Zweifel aufkommen, wenn sein Charakter wieder einmal die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn gekonnt überschifft. Fichtners Charakter hingegen spielt sich zwar in einer Ebene durch, kann aber durch seine durchgängige Darstellung seines Astronauten absolut punkten. Schauspieltechnisch zwar nicht besonders beeindruckend, aber trotzdem erwähnenswert ist Peter Stormare, welcher den „schiffbrüchigen“ Kosmonauten Lev Andropov darstellt. Sein im Grunde einfacher Charakter macht einen wichtigen Teil des Humors aus und wächst dem Publikum als unentbehrlicher Sidekick schnell ans Herz.

Neben Handlungslöchern und Logikfehlern hat „Armageddon“ auch aber so manch positive Seiten: Die visuellen Effekte, egal ob im Weltall oder auf der Erde, sind für 1998 hervorragend und brauchen sich keinesfalls zu verstecken. Auch die Actionsequenzen stellen sich an die Spitze des Films und machen damit klar, dass somit wenigstens das Hauptziel der Unterhaltung ohne Probleme erreicht werden könne. Passend zu den Effekten sollte zwar auch die Musik sein, jedoch gibt es neben dem starken „I Don't Wanna Close My Eyes“ von Aerosmith kaum eine musikalische Passage, die auch nur annähernd an den berührenden Abschlusssong herankommt.

Fazit:
„Armageddon“ kann als typischer Katastrophenfilm mit verschenkter Starbesetzung angesehen werden. Die Handlung bleibt neben waghalsigen und unlogischen Actionsequenzen im Weltraum weitestgehend auf der Strecke. In den letzten zehn Minuten schafft es Michael Bay jedoch, ein unglaublich emotionales Ende zu inszenieren, welches einen gerne über so manch unsinnige Szene hinwegblicken lässt. „Armageddon“ ist zwar kein wirkliches „Must-see“, kann an einem Filmabend aber trotzdem sehr gut ankommen.

Wertung:

4/10 Punkte 

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 39
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