Black Book

OT: -  142 Minuten -  Thriller
Black Book
Kinostart: 15.08.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Black Book

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Der Mann, der einst Klassiker wie „RoboCop“, „Total Recall“ und „Basic Instinct“ hervorbrachte, war in Hollywood schon immer als unbequemer, unangepasster Filmemacher verschrien, den man in der Traumfabrik nie akzeptierte, sondern allerhöchstens duldete, weil seine Filme zunächst kommerziellen Erfolg garantierten, bis mit „Showgirls“ sein leiser Abstieg begann. Das letzte Kapitel nach seiner sarkastischen Science-Fiction-Metzelorgie „Starship Troopers“ hieß „Hollow Man“, war technisch gewohnt hochwertig, jedoch inhaltlich verkümmert und nur noch dezent von Verhoeven geprägt. Die Produzenten hatten ihm längst Fesseln angelegt. Der große Erfolg blieb trotzdem aus. Der niederländische Filmemacher wurde aussortiert. Kassengift. Sechs Jahre später kehrt Paul Verhoeven wieder in seine Heimat zurück und liefert mit „Black Book“ ein überzeugendes Comeback ab, das alle Kritiker Lügen straft, die behaupteten, der Misserfolg in Hollywood hätte ihm den letzten Zahn gezogen.

Jahrelang hatte er mit seinem einstigen Weggefährten Gerard Soeteman („Türkische Früchte“, „Flesh+Blood“) an dem Drehbuch gefeilt, um nun mit einem, für europäische Verhältnisse, Mammutbudget von 18 Millionen Euro einen spannenden wie tragischen Thriller über die letzten Monaten des 2. Weltkriegs in Den Haag zu inszenieren. Dort strandet die Jüdin Rachel Stein (stark: Carice van Houten), nachdem ihre ganze Familie während eines Fluchtversuchs von der SS massakriert wurde. Vom Widerstand gerettet und aufgenommen, hat die junge Frau nun nichts mehr zu verlieren. Es dauert nicht lange, bis man auf sie zukommt und ihr einen wichtigen Auftrag erteilt, den sie abgebrüht mit den Waffen einer Frau angeht. Als Sängerin Ellis de Vries beginnt sie ein Verhältnis mit dem deutschen Offizier Müntze (Sebastian Koch, „Tödlicher Umweg“, „Das Leben der Anderen“), um ihn auszuspionieren und bald mehr für ihn zu empfinden. Entspricht er doch gar nicht dem Prototypen des Bildes, das sie bis dahin von Deutschen besaß. Zunehmend verstrickt sie sich zwischen den Fronten, als sie feststellen muss, dass auf beiden Seiten die Verräter wimmeln...

Wer Paul Verhoevens Filme liebt, der wird sich auch für „Black Book“ begeistern. Der Mann ist sich über all die Jahre hinweg treu geblieben, und so bilden Gewalt und Sex auch hier wieder zentrale Elemente, denen Schlüsselpositionen zukommen und zwar auf genau die unverblümte Weise, die man von Verhoeven kennt und schätzt - augenzwinkerndes Exploitation-Kino inbegriffen. Neben einer beeindruckenden Ausstattung und den hervorragenden Darstellern (u.a. auch Christian Berkel) überzeugt Verhoeven auf formeller Linie mit Leidenschaft und Professionalität, wie man sie auf diesem Niveau derzeit in Europa nur noch aus Frankreich kennt. Dass dieser Film eine Herzensangelegenheit für ihn war, die übrigens auf wahren Tatsachen beruht, spürt das Publikum in jeder Einstellung des 140 Minuten dauernden Films.

„Black Book“ haftet aufgrund seiner überaus glaubhaften Charakterzeichnung ein hohes Maß an Authentizität an, so dass man sich als Zuschauer intensiv in die Köpfe der Beteiligten versetzen kann, während Verhoeven kontinuierlich die Spannungsschraube anzieht, indem er Rachels Zwiespalt vertieft und anhand nebensächlicher Ereignisse weiter verschlimmert. Das clevere Drehbuch gibt dabei nie zu viel preis und lässt auch sein Publikum im Unklaren, wer auf Seiten des Widerstandes und innerhalb der Deutschen Wehrmacht ein doppeltes Spiel spielt oder sich als Verräter entpuppt. Rachels Lage wird, je mehr Vertrauen sie gewinnt, zunehmend brenzliger, da sie selbst hohe Risiken eingehen muss und sich längst nicht mehr sicher sein kann, längst enttarnt worden zu sein. Als eine Gruppe bewaffneter Widerstandskämpfer schließlich versucht, eine Gruppe Gefangener aus dem deutschen Hauptquartier zu befreien, kommt es zu einer folgenschweren Tragödie...

Überraschungen serviert Verhoeven auch danach noch fast im Minutentakt, wobei klar sein dürfte, dass ein Happy End nicht in seinem Sinne ist. Er geht seinen rauen Weg konsequent bis zum Schluss, beraubt seine Protagonisten aller Hoffnungen und führt sie in einen umjubelten Kriegsausgang, der nach den persönlichen Verlusten nur noch ein bitteres Ende darstellt. Denn schließlich warten da noch Kollaborateure, die sich nun als vermeintliche Helden des Widerstandes feiern lassen, auf ihre gerechte Strafe, und auch die Befreiten beziehungsweise die Befreier sind durchaus in der Lage, ihre hässlichen Seiten zu zeigen.

Paul Verhoevens Story ist gar nicht mal sonderlich komplex, aber er ist ein cleverer Erzähler, der die Handlung sorgsam vorantreibt und überflüssige Momente ausspart, das Publikum lieber schockiert oder mit neuen Offenbarungen überrascht, ohne seine Protagonisten und ihre Schicksale aus den Augen zu verlieren. Die ständigen Grauzonen machen dabei die Faszination von „Black Book“ aus, der seine Charaktere nicht in Schwarz oder Weiß einteilt, sondern nach und nach ihre wahren Beweggründe herausarbeitet. Dass in typischer Verhoeven-Manier viel Blut fließt, die Darstellung der Gewalt auf explizite Weise nicht zu kurz kommt, nackte Körper voyeuristisch in Szene gesetzt werden, Emotionen hochkochen und er tricktechnisch höchste Sorgfalt walten lässt, versteht sich bei einem Filmemacher seiner Klasse schon von selbst.

Fazit:
Paul Verhoeven meldet sich auf beeindruckende Art und Weise zurück. „Black Book“ ist ein hochspannender wie dramatischer Thriller geworden, der auf ganzer Linie dank seiner erstklassigen Riege famos aufspielender Darsteller und natürlich Verhoeven selbst überzeugt. Die sorgfältig herausgearbeiteten Charaktere, meist frei von Klischees, sorgen genauso für ein hohes Maß an Authentizität wie die realistische Inszenierung, die das Publikum in eine unübersichtliche, hektische Lage zum Ende des 2. Weltkriegs entführt. Ich hoffe doch inständig, dass sich Verhoeven nicht lange bitten lässt, seinen nächsten Film auch wieder in Europa zu drehen. Aber bitte nicht wieder 6 Jahre verstreichen lassen.

 

Wertung:

8/10 Punkte

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