American Psycho

OT:  American Psycho   -  104 Minuten -  Psycho / Drama 
American Psycho
Kinostart: 07.08.2000
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu American Psycho

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Patrick Bateman (Christian Bale) ist ein wohlhabender, gepflegter, erfolgreicher junger Mann, der sich am Luxus der auslaufenden achtziger Jahre bereichert und fast nebensächlich an der Wall Street in New York arbeitet. Im Grunde gleicht er seinen Yuppie-Freunden bis in das kleinste Detail: Anzug, Krawatte, Frisur, Brille und sogar die Visitenkarte ist genauso exquisit wie der Rest der illustren Runde. Doch niemand von ihnen ahnt, dass sich Batemans Inneres grundlegend von allen unterscheidet: Während andere in ihrer mageren Freizeit gerne Squash spielen oder zu gesellschaftlichen Anlässen gehen, zieht Patrick Bateman es vor, seine sexuellen Gelüste mit mehreren Frauen auszuleben, ehe er diese dann durch sadistischen Morde von der Erdoberfläche verschwinden lässt …

„Ich habe alle Merkmale eines Menschen: Fleisch, Blut, Haut, Haare. Aber keine einzige klar identifizierbare Emotion, abgesehen von Gier und Abscheu.“ – Patrick Bateman

Zugegeben, im Grunde hört sich die Handlung nach einem einfachen Splatterfilm an, welcher, abgesehen von der ausgewählten Umgebung, nämlich mitten in New York, kaum etwas außergewöhnliches zu bieten hat; würde es sich hierbei nicht um die Verfilmung des Bestsellers von Bret Easton Ellis handeln. Dass es dieser Erfolgsroman schlussendlich wirklich noch auf die Leinwand geschafft hat, war aber nicht immer offensichtlich. Viel zu oft stand das Projekt, welches aufgrund seiner Inhalte für eine längere Zeit als unverfilmbar galt, knapp vor dem aus. Neben mehreren Wechseln der Regisseure - Mary Harron, Oliver Stone und schlussendlich wieder Harron – gab es auch Zwiste über die Frage des Hauptdarstellers. Christian Bale wurde zwar schon in einer relativ frühen Phase des Projektes genannt, doch fielen immer wieder die Namen Leonardo DiCaprio, Edward Norton und Brad Pitt. Als schlussendlich auch der Hauptdarsteller des psychisch kranken Patrick Bateman feststand, stand noch die Wahl aus insgesamt drei Drehbüchern offen. Die Fassung von Bret Easton Ellis selbst sollte zwar die logische Wahl sein, doch da der Erfolgsautor zugeben musste, dass er sich für den Film kein wirkliches Ende vorstellen konnte, lief alles auf die Version von Regisseurin Marry Harron und Guinevere Turner hinaus. Nach all den anfänglichen Schwierigkeiten konnte das Projekt „American Psycho – Der Film“ also endlich beginnen.

Der Film selbst beginnt sehr stilistisch und lässt den Zuseher schon durch den, leider äußerst kurzen, Vorspann sehr schnell in die Atmosphäre eintauchen. Sofort finden sich die Charaktere in der bald so typischen Umgebung eines „In-Restaurants“ zwischen exklusiven Pseudogerichten und ihren anscheinend sinnfreien Sitznachbarn wieder. Um keine Zeit zu verlieren wird auch sofort Patrick Bateman in das Zentrum gerückt. Hierbei begeht der Film bereits seinen ersten und vielleicht auch schwersten Fehler. Während die Handlung im Buch von langen Entwicklungszeiten durchzogen wird, scheint es im Film so, als wolle man den Protagonisten unbedingt von einer Szene in die Nächste reißen; egal um welchen Preis. Darunter leidet nicht nur die dadurch zerstückelte Handlung, sondern auch die Charaktere und deren persönliche Entwicklung. Auch mit wichtigen Details wie den typischen Verwechslungen oder die oberflächlichen, materealistisch eingestellten Menschen der New Yorker Oberschicht wird keines Wegs gespart; nahezu planlos werden alle, die Geschichte tragenden Elemente, sofort in den ersten Minuten verfeuert. Aus dieser Konsequenz heraus ergeben sich natürlich auch weitere Probleme.

Die Menschen sind, wie eben angeführt, oberflächlich und stilistisch eingestellt. Genauso ergeht es auch allen Kulissen, allen voran Batemans Appartement. Zwar wird so versucht, die richtige Atmosphäre auf das Publikum zu übertragen, jedoch scheint es schon zu perfekt zu sein, wenn sogar das Blut von Paul Allen (Jared Leto) zum weißen Teppich passt. Generell erkrankt der Film an seinem eigenen Aussehen. Zu stilistisch wurden Kulissen, Charaktere und Darsteller für die Leinwand umgeformt. Wo die Buchform alles richtig macht und als Medium wirkt um das Eiskalte zu übertragen, geht der Film einen falschen Schritt weiter und wird ungewollt selbst zu dieser kalten Atmosphäre.

Auch die wenigen Schauspieler passen sich dieser Lieblosigkeit an und scheinen ebenfalls stilistisch zu werden. Christian Bale geht zwar über lange Teile des Films beeindruckend in der Rolle des Patrick Batemans auf, jedoch hat auch er seine Momente, in denen einige Szenen zu kalt gespielt wirken. Leider hat „American Psycho“ von den Schauspielern her nur wenig zu bieten, einzig William Dafoe als Donald Kimball und Reese Witherspoon als Batemans Verlobte Evelyn Williams lassen in kleineren Nebenrollen noch aufhorchen. Dafoe gibt eine sehr konstante Leistung und lässt so manches Gespräch zwischen Kimball und Bateman zu einem sehenswerten Duell der zwei Charakte werden. Schlussendlich muss Dafoes Charakter aufgrund des Drehbuches sehr schnell den Kürzeren ziehen und verschwindet damit wieder aus dem Auge des Betrachters. Reese Witherspoon hingegen bleibt dem Film fast bis zum Ende erhalten, sie schafft es aber nicht ihrem Charakter Tiefe zu verleihen und bleibt daher leider nichts mehr als ein optischer Aufputz. Schauspieltechnisch zwar nicht besonders beeindruckend, dafür aber trotzdem erwähnenswert ist Chloë Sevigny, die Jean, die Sekretärin Batemans, mimt. Trotz ihrer beziehungsweiser Jeans Regungslosigkeit, schafft sie es auf mysteriöse Art und Weise, ein Band zwischen der Sekretärin und ihrem Chef herstellen. Bateman lässt zwar durch unterlassene Tötungsversuche ebenfalls das leichte Gefühl einer Freundschaft aufkommen, doch schlussendlich liegt es immer noch an Sevigny die hier eindeutig dazu beitrug.

Einen absoluten Pluspunkt stellt bei „American Psycho“ ohne Frage die perfekt ausgewählte Musik dar. Im Buch werden so manche Stücke zwar erwähnt, doch erst das Hören im Film lässt einem klar werden, wie perfekt diese Stücke zu den gezeigten Bildern passen. Ganz nebenbei tragen diese Granden der Musik auch noch großen Anteil daran, dass die Atmosphäre der achtziger Jahre zwischen all den kalten stilistischen Elementen doch noch hindurch blitzen kann. Als absoluten Hochgenuss für die Ohren seien Granaten wie „Walking on Sunshine – Katrina & The Waves“, „Hip to Be Square – Huey Lewis & The News”, „Lady in Red – Chris De Burgh”, „In Too Deep – Genesis” oder „Sussudio” von Phil Collins genannt. Auch ist es die Musik, die aus so mancher Mordszene schon fast eine kurze Komödie werden lässt.

Gerade diese Mischung aus Musik, Blut und Sex ist es aber, die dem Film so manchen Höhepunkt beschert und ihn damit noch einmal eindeutig vom Mainstream abheben kann. Auch die Verdachtsmomente und Spekulationen über Batemans Realität verschaffen dem filmischen Werk noch einmal einen ordentlichen Energieschub. Trotz allem ändert dies aber leider nichts an der Tatsache, dass die Handlung fast von Anfang an nur auf halber Flamme vor sich hin köchelt. Blut und Mord konnten zwar 1:1 aus dem Buch adaptiert werden, doch so manche Lücke in der Handlung kann für das Publikum den Anschein erzeugen, dass sich der Film selbst überhaupt nicht weiterentwickelt. Dies stellt zwar eine wichtige Tatsache für die Charaktere dar, doch für die Unterhaltung ist dies nicht sehr fördernd.

Fazit:
Die perfekte Literaturverfilmung scheint es auch hier nicht zu geben. „American Psycho“ kann zwar über weite Strecken überzeugend wirken, doch die kalte Atmosphäre steigt einfach nicht von der Leinwand auf die Zuschauer herab und bleibt daher nur fade im Raum hängen. Auch satirische Elemente auf den amerikanischen Lebensstil kommen viel zu kurz zur Geltung und klammeren daher auch diesen Teil aus. Unterm Strich wartet „American Psycho“ mit einem kurzweiligen blutgetränkten Ausschnitt aus dem Leben eines kranken Yuppies auf, dessen Inneres aber nur angekratzt wird und daher nur in der Buchversion offengelegt werden kann.

Wertung:

7/10 Punkte 

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.6/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 39
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