Ponyo (2008)

Ponyo
Ponyo
OT:  Gake No Ue no Ponyo

Darsteller: Animation
Filmstart: xx.xx.2009  | Laufzeit: |  Animation
Ponyo-Scene02.jpgÜber den Ruf des Animationsgroßmeisters Hayao Miyazaki braucht man eigentlich kaum mehr ein Wort verlieren, wenngleich er und sein Studio Ghibli bei vielen westlichen Zusehern auf Ablehnung stoßen, was vor allem auf den Unterschied zwischen westlichen und östlichen Animationsfilmen zurückzuführen ist. Allerspätestens seit seinem weltweiten Hit Chihiros Reise ins Zauberland, der mit dem Goldenen Bären und dem Oscar als Bester Animationsfilm ausgezeichnet wurde, sollte er aber auch bei uns einem breiten Publikum bekannt sein. Nun folgt mit Ponyo, der im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig 2008 gezeigt wurde, ein sehr kindlich anmutendes Werk, das wohl vielen einen Tick zu viel sein wird.

Sosuke lebt mit seiner Mutter in einem kleinen Haus an der japanischen Küste. Durch Zufall entdeckt er eines Tages einen merkwürdigen Fisch, der an den Strand gespült wurde. Doch der Fisch, den er Ponyo nennt, ist kein gewöhnlicher Fisch, und als sich Sosuke um ihn kümmert, scheint er immer mehr Freude an der Überwasserwelt zu gewinnen. Doch Fujimoto, ein Zauberer und der Ziehvater von Ponyo holt seine Tochter zurück in die Unterwasserwelt. Bei ihrer Flucht schafft es Ponyo zwar sich in einen Menschen zu verwandeln, lößt dabei aber eine große Flut aus, die fatale Auswirkungen auf die ganze Welt haben könnte…

Ponyo-Scene03.jpgDie Lobeshymnen rund um Ponyo begannen bereits letztes Jahr während des Filmfestivals von Venedig, und hielten sich auch weit ins Jahr 2009 hinein. Der Film gilt neben Coraline und Oben auch als heißester Kandidat auf einen Oscar als Bester Animationsfilm, sodass die Erwartungen so mancher Miyazaki Fans schon einmal in die Höhe geschossen sein dürften. Leider muss ich diesen hier einen Dämpfer verpassen, denn zumindest mir erschloss sich in keiner Sekunde der Hintergrund der begeisterten Kritiken, und auf Grund der quitschbunten Aufmachung werden auch viele andere eher auf befremdlicher Distanz zum Film bleiben.

Im Kern erinnert Ponyo zunächst sehr an die klassische Die kleine Meerjungfrau Geschichte, jedoch hat Hayao Miyazaki viel von seiner eigenen Phantasie mit eingebracht. Und wenn man an Ponyo auch viel herum meckern kann, in diesem Punkt ist Miyazaki einfach eine Klasse für sich. Unterstützt durch seinen liebevollen und farbenprächtigen Zeichenstil wird hier eine detaillierte und vor allem unglaublich plastische Welt heraufbeschworen, die visuell einfach beeindruckend ist. Besonders die Unterwasserwelt, und natürlich später das überflutete Festland sind umwerfend, aber auch ansonsten kann man Miyazaki zumindest seine Phantasie nicht absprechen.

Ponyo-Scene05.jpgAuch die Geschichte wirkt durchdacht, und beinhaltet zwar den Grundstock von Eine kleine Meerjungfrau, jedoch angereichert um eigene Charaktere und Ideen, sodass die Story doch rund wirkt. Besonders interessant ist auch Miyazakis Umgang mit dem angeblichen Bösewicht, der sich im Verlauf des Films lediglich als besorgter Vater und Naturhüter herausstellt. Überhaupt lässt Miyazaki im Subtext einiges an Kritik einfließen, was speziell unseren Umgang mit der Natur betrifft.

Doch trotz diesen positiven Punkten hat Ponyo ein relativ großes Problem, das wohl die Zuseher in zwei Lager teilen wird: Der Film ist so dermaßen zuckersüß geraten, dass sich viele daran die Zähne ausbeissen werden. Und auch in Punkto Kitsch hält sich Miyazaki nicht gerade zurück, sodass Ponyo wohl nur für die ganz Kleinen unbeschränkt empfehlenswert ist. Natürlich werden sich auch so manche Erwachsene am Gezeigten erfreuen können (was ja auch dem generellen Kritikertenor entspricht), jedoch werden sicher genauso viele keinen Zugang zu diesem Werk finden, und sich höchstens sehr befremdet distanzieren.

Fazit:
Hayao Miyazakis neuestes Werks macht es einen nicht gerade leicht. Auf der einen Seite punktet der Film durch eine sehr detaillierte Welt und einen von Phantasie und Ideenraichtum geprägten Zeichenstil, aber andererseits ist Ponyo bis zum letzten Einzelbild gefüllt mit Kitsch und gibt sich so dermaßen überzuckert, dass viele Zuseher überhaupt keinen Zugang finden werden. Speziell die eher zynische Fraktion wird wohl mit offener Kinnlade und sehr befremdet im Kino sitzen. Für manche ist Ponyo also ein Meisterwerk, für andere ein objektiv schöner Film, zu dem man aber keinerlei Zugang findet und für wieder andere wohl pures Gift. Ich ordne mich einmal bei der mittleren Gruppe ein.

Wertung:

6/10 Punkte

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