Wie das Leben so spielt

OT:  Funny People   -  146 Minuten -  Tragikomödie 
Wie das Leben so spielt
Kinostart: 18.09.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
7650
Bewerten:

Filmkritik zu Wie das Leben so spielt

Von am

Regisseur Judd Apatow war in den letzten Jahren der Silberstreif am Horizont der Hollywoodkomödien, und beinahe alle wirklich gelungenen Komödien hatten irgendwie mit ihm zu tun. Dabei liefert er als Regisseur mit Funny People erst seinen dritten Spielfilm ab, kann aber hier nicht ganz an den Vorgänger Beim ersten Mal anschließen. Durch dieses erste Schwächeln Apatows dürfte der Titel Komödie des Jahres wohl an The Hangover gehen. Das heißt aber noch lange nicht, dass Funny People misslungen wäre, nur geht die Mischung eben nicht ganz so gut wie bisher auf.

Der beliebte Star, Stand-Up Komiker und Filmstar George Simmons (Adam Sandlers) erfährt, dass er an einer tödlichen Krankheit leidet, und wohl in Kürze sterben wird. Dies zwingt ihn dazu sein Leben anders zu betrachten: Zwar ist er reich und berühmt, jedoch mangelt es ihm an Liebe und echten Freunden. Durch Zufall entdeckt er den Komiker Ira Wright (Seth Rogen) und engagiert ihn als persönlichen Assistenten. Ira wird gut bezahlt, bekommt die Chance ebenfalls berühmt zu werden, und versteht sich auch gut mit George. Doch George trauert immer noch seiner ehemaligen Freundin Laura (Leslie Mann) hinterher, die mittlerweile mit einem Australier (Eric Bana) eine Familie gegründet hat…

Die Eckpfeiler der Apatow-Filme waren immer die etwas ungewöhnlichen Hauptdarsteller, die eher Aussenseiter oder Nerds, als Helden sind und natürlich der gekonnt ausbalancierte Humor, der zwar oftmals unter die Gürtellinie abzielt, aber dafür mit soviel Charme serviert wird, dass die Gags dennoch zünden, und nie „schäbig“ wirken. Weiters zeichneten sich die von Apatow inszenierten Filme auch durch eine etwas längere Laufzeit und ruhige Herangehensweise aus, und vor allem ließen sie immer zwei Welten aufeinander prallen.

In Jungfrau (40), männlich, sucht…. war es die Welt des verklemmten Andy, mit der Welt seiner Arbeitskollegen, die sich nur um Partys und Frauen dreht. In Beim ersten Mal (gemeinsam mit Suberbad der beste Film der Apatow Crew) ließ er die Welt des Tagträumers Ben auf die Glitzer-/Familienwelt von Alison treffen. In beiden Fällen erzeugten die verschiedenen Lebensstile Reibung und sorgten für ein großes komödiantisches Potential. Auch Funny People steht in dieser Tradition, lässt der Film doch den erfolglosen, in einer WG lebenden Ira auf den reichen, in einer Villa hausenden George treffen.

Der Film schafft es auch sehr gut diese Prämisse auszunutzen. Das klappt auch deshalb gut, weil die Chemie zwischen Adam Sandler und Seth Rogen gut ist, und speziell Sandler es schafft seine Klamaukrollen hinter sich zu lassen und seine Rolle mit einer guten Prise Tragik zu bereichern. Auch schafft er stets glaubhaft zu bleiben, obwohl seine Rolle einige Kehrtwendungen zu durchleben hat, und ständig zwischen dem sympathischen, traurigen Clown und dem Kotzbrocken hin- und herpendelt. Rogen schafft es ebenso zu überzeugen, kann sich aber nicht maßgeblich von seinem klassischen Rollentypus lösen. Er bleibt stets der sympathische Typ von Nebenan, der sich durch das Leben witzelt.

Ein ebenfalls interessanter Ansatz findet sich etwas versteckt im Film, bzw. offenbart sich erst wenn man sich näher mit dem Hintergrund beschäftigt. Denn die ersten Aufnahmen von Funny People zeigen einen jungen Adam Sandler, wie er mit verstellter Stimme Telefonstreiche spielt, und sich dabei vor Lachen kaum halten kann. Diese Aufnahmen gehen auf die gemeinsame Vergangenheit von Sandler und Apatow zurück, als sie damals versuchten den Durchbruch als Stand-Up-Comedian zu schaffen. Damals lebten sie auch gemeinsam in einer WG, was einen interessanten Blick auf die Geschichte des Films ermöglicht, und ihm auch einen gewissen Subtext verleiht, der durchaus interessant ist.

Doch woran liegt es nun, dass Funny People, trotz vielen guten Ansätzen, nicht so gut wie seine Vorgänger funktioniert? Es fällt natürlich auf, dass die Laufzeit mit 146 Minuten doch sehr lang ist, und dank so manch redundanten Szenen spürt man das als Zuseher auch. Weiters fällt auf, dass der Mix der Storyebenen nicht wie gewohnt funktioniert, und sich die drei Ebenen WG, George Simmons und Laura nicht wie gewohnt ergänzen, wobei speziell der Handlungsstrang rund um Laura und George besonders abfällt. Auch verzettelt sich der Film manchmal in seinem Mix aus Tragik und Komik, und schafft so nicht durchgehend zu begeistern.

Doch abgesehen davon bietet Funny People viel unterhaltsames für alle Anhänger der Apatow Filme. Der Humor ist großteils sehr gelungen, und pendelt durchaus stimmig zwischen den Stand-Up-Auftritten und sonstigen Wort- und Situationskomikgeplänkel hin und her, und schafft es stets die Gags auf den Punkt zu bringen. Von so manch anderer Komödie hebt sich Funny People vor allem dadurch ab, dass der Film auch eine Prise Tiefgang bietet und insgesamt durchdacht wirkt. Das Ende ist vielleicht nicht ganz rund, und der Film ist auch zu lange, aber alle die Lachen wollen ohne das Gehirn bei der Kassa abzugeben (aber auch ohne allzu viel gefordert zu werden), für die bietet sich Funny People an. Es dürfte jedoch schwer werden die vielen Wortwitze in eine deutsche Synchronfassung zu bringen.

Fazit:
Funny People bietet alles, was Apatow-Fans erfreut: Nerdige Hauptdarsteller und Humor unter der Gürtellinie. Dabei garniert der Film seinen Humor mit einem Funken Tiefgang, und schafft es so sich von anderen Komödien abzugrenzen. Die Gags geben sich dabei großteils gelungen, und auch Adam Sandler überzeugt hier in seiner Rolle, aber dies täuscht nicht darüber hinweg, dass der Film insgesamt etwas zu lange ist, und auch die Storyebenen nicht wirklich genau ineinander greifen, und speziell die große Liebesgeschichte des Films ist nicht wirklich überzeugt. Doch Funny People ist dennoch eine gelungene Komödie, mit vielen Lachern. An den Schenkelklopferkracher The Hangover kommt der Film aber nicht ran.

Wertung:

7/10 Punkte 

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 3
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
67%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
33%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Punch-Drunk Love
Momma
Beim ersten Mal
Wer ist Hanna? (2011)
Paul - Ein Alien auf der Flucht (2011)
Superbad
Rio (2011)
Klick
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!