12 Monkeys (1995)

OT: 12 Monkeys - 131 Minuten - SciFi
12 Monkeys (1995)
Kinostart: 21.03.1996
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu 12 Monkeys

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Wir schreiben das Jahr 2035: Die Erdoberfläche wird von Tieren bevölkert. Die wenigen Menschen die noch existieren, vegetieren im stickigen Untergrund vor sich hin und hegen keine großartigen Erwartungen mehr an das Leben. Noch etwas schlimmer ergeht es dem Häftling James Cole (Bruce Willis), welcher als ein „Freiwilliger“ ausersucht wurde, um die Menschheit wieder an das Tageslicht ihres Planeten zu führen. Sein Auftrag klingt zuerst relativ unspektakulär: Reise in die Vergangenheit und sammle Informationen zum Virus, welches im Jahr 1996 fünf Milliarden Menschen das Leben kostete. Die erste Zeitreise läuft aber nicht so wie geplant, daher will es das Schicksal auch so, dass sich der Zeitreisende ganz schnell in einem Strudel aus Hilflosigkeit, Verzweiflung und der Suche nach der Armee der 12 Monkeys befindet. Es gibt nur zwei Personen an die sich Cole wenden kann: Den verrückten Jeffrey Goines (Brad Pitt), welcher alles tun würde um seinen Sessel zu behalten,  oder die Psychiaterin Dr. Kathryn Railly (Madeleine Stowe), die Cole irgendwoher zu kennen glaubt.

„Fünf Milliarden Menschen sterben 1997 an einem tödlichen Virus.
Die Überlebenden werden die Oberfläche des Planeten verlassen.
Wieder einmal werden die Tiere über die Welt herrschen.”

Mit dieser faszinierend klingenden Handlung nahm Regisseur Terry Gilliam erneut eine Verfilmung in Angriff, an deren Story Gilliam keinen Einfluss hatte. Während er eigenen Aussagen zufolge mit dieser Tatsache in „Der König der Fischer“ noch einen positiven Vorteil für sich sah, stellte er bei „12 Monkeys“ jedoch fest, dass sich dieser Punkt auch negativ hervortun konnte. Auch wenn die Handlung vielleicht nicht gerade in Gilliams übliches Terrain fallen sollte, so konnte er dem Film aber durchaus positiv seinen Stempel aufdrücken. Besonders stark tut sich diese Tatsache in den Interpretationen, den Kulissen und den noch so kleinsten Details hervor. Die Kulissen der Zukunft sind es hauptsächlich auch, die sich so erfrischend von üblichen Hollywooderwartungen abheben und ein gänzlich neues Bild zeichnen. Der Zuschauer befindet sich zusammen mit James Cole in der gleichen Lage: Die Zukunft wirkt unwirklich, fremd und kalt. Fast jeglicher persönlicher Kontakt wird ferngehalten, dies bemerkt man besonders deutlich in der ersten Szene im Konferenzraum, in welchem der Protagonist erstmals über seinen Hauptauftrag in Kenntnis gesetzt wird. Cole selbst sitzt auf einem Stuhl in ein paar Metern Höhe und kommuniziert mit den leitenden Wissenschaftlern nur über eine Art Bildschirm. Hier stellt sich schon die Frage wer auf Abstand gehalten werden möchte: Soll James Cole von den Wissenschaftlern ferngehalten werden? Oder werden eher die Damen und Herren in weiß von Cole absichtlich abgesondert? Der ganze Film lässt weitere Interpretationsfreiräume, die jedoch jeder Zuseher für sich selbst beantworten muss.

Nicht nur die Handlung und die außergewöhnlichen Kulissen machen „12 Monkeys“ zu einem Augenschmaus, auch die Schauspieler tragen einen sehr großen Teil zum Gesamtwerk bei. Allen voran steht auf den Filmplakaten und DVD-Covers zwar Action-Ikone Bruce Willis, doch findet sich der eigentlich bessere Schauspieler erst etwas im Hintergrund: Brad Pitt. Schon während seinen ersten Minuten auf der Leinwand wird klar, dass dem Regisseur mit dem damals neu aufkommenden Star einen absoluten Glücksgriff gemacht hat. Pitt findet sich ab der ersten Sekunde zurecht und schlüpft wirklich in den Geist von Jeffrey Goines. All seine Verrücktheiten kommen genauso zum Vorschein wie seine Ernsthaftigkeit, seine Macht und seine Ideen, die es ausführen zu gilt. Während der Charakter zu anfangs noch eher belächelt wird, erhebt sich zum Ende des Films nahezu über alle anderen Hinweg und ließ damit damals schon erahnen, zu welchem Hollywoodstar er noch einmal werden würde. Nichts desto trotz, der angekündigte Star ist Bruce Willis, welcher erstmals die Möglichkeit erhielt, die Rolle des Actionhelden zu verlassen und somit zu einem Charakterdarsteller avancieren sollte. Was viele nicht erwartet hätten: Dieser Wandel hat beinahe einwandfrei funktioniert. Es bleiben zwar einige Momente, an denen das schauspielerische Eis unter Willis relativ dünn wird, doch jedes Mal schafft er es, den herannahenden Einbruch abzuwenden und festigt sich wieder in der Materie des Films. Als dritte große Kraft sei Madeleine Stowe als Kathryn Railly genannt. Glaubhaft schafft sie es den erwarteten Wechsel ihres Charakters zu demonstrieren. Über lange Strecken hinweg hält sie sich konstant auf dem gleichen Niveau und kann damit positiv punkten. Beeindruckend wird es jedoch, wenn Railly mit ihr durchgehen zu droht und Stowe ihr praktisch nur noch hinterherläuft. Solche schnellen Sequenzen treten zwar leider nur selten auf, trotzdem hinterlassen sie einen angenehmen Nachgeschmack, der gerne mehr wünschen lässt.

Wie beinahe alle anderen Filme von Gilliam auch, gibt es jedoch viele andere Elemente, die das Gesamtbild abrunden. Neben passender Musik wird noch bewusster auf ein anderes Medium zurückgegriffen: Den Fernseher beziehungsweise zum Schluss hin auch auf das Kino. Immer mit passenden Aktionen oder Dialogen ausgestattet, werden dem Zuschauer kleine Botschaften übermittelt, welche zu den gerade stattfinden Geschehnissen passen. Außerdem erwähnenswert sind die Verbindungen zwischen Zukunft und Vergangenheit. James Cole ist zwar ein freiheitsliebender Mensch, jedoch wird ihm gerade anfangs diese eine Grundforderung auf keiner der beiden zeitlichen Ebenen gegeben. Weitere Szenen wie der Säuberungsvorgang gleichen sich fast komplett und lassen so noch stärker offensichtlich werden, dass die Zukunft sehr stark mit der Vergangenheit verbunden ist.

Wirklich beeindruckend wird es jedoch, wenn man nach dem Abspann das Gesamtwerk in aller Ruhe betrachten kann. Schon die kurze Anfangsszene wird als zentraler Dreh- und Angelpunkt des Films bestätigt. Immer wieder erfährt das Publikum zusammen mit James Cole diesen einen Traum; und immer wieder werden neue Details freigegeben. Es scheint daher auch so, als würde „12 Monkeys“ ein drehendes Puzzle darstellen, welches sich nach und nach selbst vervollständigt. Teile fügen sich ein oder werden eingefügt, Fragen werden beantwortet, während es zu bereits fertigen Antworten nun endlich die offenen Fragen und Zusammenhänge gibt. Zum Schluss hin wird der Kreislauf des Films immer schneller, das Bild vervollständigt sich und gibt dem Zuschauer endlich die komplette Sicht auf die Ereignisse frei die schon stattgefunden haben, gerade stattfinden oder erst noch stattfinden werden.

Fazit:
„12 Monkeys“ kann mit unheimlich vielen Überraschungen aufwarten. Seien es die perfekt gecasteten Schauspieler welche endlich an ihre Grenze gehen dürfen beziehungsweise ein neues Genre erfolgreich ausprobierten, die perfide gestrickte Handlung oder einfach das absolut runde Gesamtbild, welches durch Kulissen, einem großen Detailreichtum und so manch passender Musik erzeugt wurde. Eine Wolke gibt es jedoch auch an diesem Horizont: Zum Schluss hin macht die gut aufgebaute Handlung einen relativ starken Knick, welcher auch durch ein furioses Finale nicht so einfach vergessen werden kann.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 79
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