District 9

OT:  District 9   -  112 Minuten -  SciFi / Action
District 9
Kinostart: 11.09.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 09.01.2014
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Filmkritik zu District 9

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In Wikus Van De Merwes (Sharlto Copley) Leben scheint momentan alles hervorragend zu laufen: Glück in der Liebe, Erfolg im Beruf und das damit verbundene Hochgefühl lassen den gerade beförderten Angestellten eine zuvor unbekannten Ebene der Zufriedenheit erleben. Jedoch hat dieses Entzücken schon bald ein Ende, als er bemerkt, dass seine Beförderung, die er nur durch verwandtschaftliche Beziehungen bekommen hat, verstärkt Druck auf seine berufliche Leistung ausübt. Wikus steht nämlich nun als kleines, aber essentielles Zahnrad in seiner Firma unter der Beobachtung der medialen Öffentlichkeit, die seine Vorgehensweise genau nachvollzieht und Fortschritte wie auch Rückschläge somit aus erster Hand erfährt. Dieser Arbeitgeber nennt sich kurz MNU (Multi-National United): ein zwar privater, jedoch regierungsnaher (Rüstungs-)Konzern mit zweifelhaften ethischen Motiven, der sich nach fast 20 Jahren dazu entschieden hat, den mittlerweile unkontrollierbare Slum namens „District 9“ zu räumen und die knapp 2 Millionen verwahrlosten Bewohner zu relokalisieren – um damit der naheliegenden Region von Johannesburg Platz für gesellschaftliches Wohlbefinden zu schaffen.

Problematisch ist zudem die Tatsache, dass diese Slumbewohner allesamt Aliens sind, dessen gigantisches Mutterschiff vor 20 Jahren über der Skyline von Johannesburg „gestrandet ist“ und seitdem über den Wolkenkratzern der Innenstadt reglos dahinschwebt, ohne Aussicht auf Veränderung. Eben jenes Schicksal tragen zudem die ehemaligen, extraterrestrischen Insassen, die aufgrund ihres Aussehens und eher verächtlich als Prawns (= Garnelen) bezeichnet werden, oder einfach als Non-Humans von der Öffentlichkeit abgeschottet werden. Konflikte entstehen durch diese Ausgrenzung natürlich ebenso schnell wie unlösbar: Während die Prawns einfach wieder verschwinden wollen (ohne der Menschheit den erhofften technologischen Aufschwung zu ermöglichen), sich jedoch mit der Tatsache konfrontiert sehen, dies nicht bewerkstelligen zu können, sind sich große Teile der Johannesburger Bevölkerung darüber einig, dass sowohl Platz wie auch Steuergelder für dieses Auffangcamp verschwendet werden. Vorhang auf für Wikus: Als Leit-Marionette von MNU hat er nun das zweifelhafte Vergnügen, die Prawns umzusiedeln - wobei er natürlich auf heftige Gegenwehr stößt. Als er bei einer routinemäßigen Wellblechhüttendurchsuchung versehentlich mit einer unbekannten Substanz in Kontakt kommt, verändert sich ein Leben binnen Stunden von Grund auf…

Subtilität hinsichtlich gesellschaftspolitischer Aussagen scheint nicht gerade die Stärke des Langfilmdebütanten Neil Blomkamp zu sein: Unterdrückung der Schwachen, Ausbeutung von Hilflosen sowie Angst und Schrecken vor Andersartigen wird dezidiert an- und ausgesprochen, wobei der anfangs etablierte (später jedoch ausgesparte oder vergessene) Mockumentary- bzw. Interviewstil dies auf wirkungsvolle Weise übermittelt. Realbilder werden mit nachgestellten Szenen und Schauspielern vermischt, TV-Ausschnitte von Aufständen wechseln sich mit direkten Adressierungen des Hauptdarstellers an die Kamera ab – zweifellos wird damit Stimmung erzeugt und ein Sittenbild etabliert, das auch das absurde Aussehen der Ausserirdischen nicht vollends auszulöschen vermag. Bemerkenswert fügen sich hierbei zudem noch die in der ersten Hälfe spärlich eingesetzten Spezialeffekte ein, allen voran das zumeist nur aus der Entfernung zu sehende, stets eben durch diese Distanz nicht exakt auszumachende Mutterschiff, das durch dessen gigantischen Ausmaße seine Funktion als extraterrestrisches Damoklesschwert über der Millionenstadt verdeutlicht.

Regisseur Blomkamp scheint mit beginnender zweiten Spielfilmhälfte dann doch auf einen anderen Zug aufspringen zu wollen, indem er kurzerhand die langwierig vorbereitete Story rund um Ausgrenzung und interplanetarem Rassismus über Bord wirft und alle Segel Richtung leicht zu konsumierender Action setzt. Glücklicherweise darf der Protagonist hierbei auf ein Arsenal von zuvor nicht aktivierbaren (die Alien-DNA ist der Schlüssel, natürlich) Waffen zurückgreifen, deren Aussehen nur von ihrer Wirkung übertroffen werden. Aus den Produktionsnotizen ist zu entnehmen, dass Produzent Peter Jackson und sein Schützling Blomkamp zuvor eine Verfilmung des Videospiels Halo in Betracht gezogen haben – Fans der Serie werden diese Einflüsse sicherlich (mit besonderer Freude) wahrnehmen.

So wunderbar diese Actionszenen in ihrer Intensität und stilistischen Ausarbeitung auch sein mögen – zu dem kühnen Gesamtkonzept des Films passen sie keineswegs. Bedenkt man, das sich die Vorgänge in District 9 auf ein bekanntes Viertel in Kapstadt während der Zeit des Apartheidregimes beruft, welches zwangsgeräumt wurde sowie auf die Tatsache, das der in Südafrika geborene und aufgewachsene Regisseur Kindheitserlebnisse in die Erzählung einfließen hat lassen, so wirkt die überbordende Gewaltdarstellung mit Hilfe von Kampfrobotern und Gravitationskanone etwas deplaziert.

Ebenso können Schwächen in der Charakterausarbeitung ausgemacht werden, die zwar teilweise weniger störend wirken (Wikus Frau erscheint mehr als nebulös in die Handlung verwoben zu sein), andererseits jedoch ein für den aufmerksamen und kritischen Betrachter allzu bekanntes Ziel darstellen: Der abgrundtief böse, gewissenlose, wild um sich schießende Söldner, dem sinngemäß Textzeilen wie „I will enjoy killing you“ in den Mund gelegt werden. Und warum müssen die ganz, ganz bösartigen Clanführer eigentlich immer und überall verächtlich lachen, ihre Helfershelfer mit Waffen in der Luft rumwedeln lassen (wenn sie nicht grad wild um sich schießen, natürlich) und absurde Hobbys wie Gliedmaßen essen oder Blut trinken haben? Hat hier etwas Peter Jacksons absurde filmische Vergangenheit (Bad Taste, Braindead) maßgeblich Einfluss ausüben dürfen?

Dennoch gilt anzumerken, das District 9 ein kühner Versuch ist, gesellschaftliche Diskrepanzen mittels allegorischer Vermummung auf die Leinwand zu bringen und durch die Alien-Thematik auch den einen oder anderen politisch uninteressierten Zuseher eventuell zum Nachdenken zu verleiten – sofern die Actionsequenzen konsequent als unterhaltender Ballast abgeworfen werden können.

Fazit:
Regisseurneuling Neil Blomkamp ist mit verhältnismäßig wenig Budget ein beachtlicher Überraschungserfolg gelungen: Zynisch und nüchtern im teils pseudo-dokumentarischen Stil wird eine gesellschaftspolitisch brisant aufgeladene Geschichte erzählt, die sich zwar mit zunehmender Dauer in martialischen Actionszenen verliert, jedoch ihr Gedankengut zumindest teilweise aufrecht erhalten kann. Der sympathischer Hauptdarsteller Sharlto Copley gleicht den einen oder anderen schwächeren Charakter im Drehbuch sowie so manch absurde Textpassage durch sein aufopferndes Spiel aus und verhilft District 9 zu einem ernstzunehmenden Kandidaten auf einen fixen Platz neben anderen SciFi-Action-Filmen mit anklagenden sozialkritischen Unterton wie etwa Paul Verhoevens Starship Troopers zu werden.

Wertung:
8/10 Punkte

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Ø Wertung: 6.9/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 107
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