Syriana (2005)

OT: - 128 Minuten - Polit / Thriller
Syriana (2005)
Kinostart: 23.02.2006
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Syriana

Von am

„Corruption? Corruption is government intrusion into market efficiencies

in the form of regulation.

That`s Milton Friedman. He got a goddamn Nobel Prize.

We have laws against it precisely so we can get away with it.

Corruption is our protection.

Corruption keeps us save and warm.

Corruption is why you and I are prancing around in here

instead of fighting over sraps of meat out in the street.

Corruption is why we win.“

(Danny Dalton)


Syriana basiert auf Robert Baer`s see no evil und thematisiert in vier Handlungssträngen den Zusammenhang zwischen innenpolitischem Lobbyismus der US-amerikanischen Erdölindustrie und der daraus resultierenden Außenpolitik der Vereinigten Staaten. Gerade in einer Welt, die durch den 11. September 2001 maßgeblich geprägt wurde, kann Syriana weder auf die Darstellung verdeckter CIA Operationen, noch auf die Darstellung möglicher Quellen von Terrorismus verzichten:

 

Erster Handlungsstrang: Die Fusion und der Anwalt

Die beiden Ölkonzerne Connex und Killen wollen fusionieren, was für Connex bedeutsam ist, da Killen den Zuschlag für eines der größten unerschlossenen Erdölvorkommen der Welt am Kaspischen Meer (Tengis) erhalten und Connex ein Geschäft in Saudi-Arabien an China verloren hat. Da Killen ein relativ kleines Unternehmen ist, besteht Korruptionsverdacht in Zusammenhang mit dem Tengis-Deal, so daß die von beiden Unternehmen gewünschte Fusion scheitern könnte, sollten die staatlichen Behörden dies nachweisen können. Aus diesem Grund engagiert Connex den Anwalt Bennett Holiday (Jeffrey Wright), der verdächtige Transaktionen aufdecken soll, um zu verhindern, daß die Staatsanwaltschaft mit überraschendem Beweismaterial aufwartet und die Fusion zum Scheitern bringt...

 

Zweiter Handlungsstrang: Der Finanzberater und der Prinz

Finanzexperte Bryan Woodman (Matt Damon) wird durch den Unfalltod seines Sohnes zum Berater von Prinz Nasir, der bereits als Außenminister tätig und potentieller Nachfolger von seines Vaters, Emir Al-Subaai, ist. Im Gegensatz zu seinem Vater hat Nasir die Absicht die Profite aus dem Erdölgeschäft in Form von Infrastrukturprojekten zum Wiederaufbau seines Landes zu nutzen, wozu er die Ratschläge von Woodman gut gebrauchen kann, da er als Genfer Finanzberater Einblicke in die westliche Finanzwelt hat und das Vorhaben Nasirs unterstützt...

 

 

Dritter Handlungsstrang: Die CIA und der Prinz

Nachdem der CIA-Agent Bob Barnes (George Clooney) bei einem Deal im Iran eine Rakete verloren ging, ist er bei seinen Vorgesetzten in Ungnade gefallen. Da Nasir mit seinen Vorhaben nicht im Interesse der Vereinigten Staaten handelt, wenn er statt dem amerikanischen, das chinesische Höchstgebot annimmt, entsteht aus diesem und anderen Gründen der Plan, Nasir zu eliminieren. Diese Aufgabe wird Barnes übertragen, die ihm nach erfolgreicher Druchführung, neue Möglichkeiten innerhalb der Agency ermöglichen soll. Jedoch gerät Barnes in eine Falle, die er nur knapp überlebt und die Absicht Nasir zu töten, aufdeckt. Aus diesem Grund leitet die CIA einerseits ein Ermittlungsverfahren gegen Barnes ein, um sich von ihm zu distanzieren und muss andererseits das Attentat auf Nasir mit anderen Mitteln umsetzen...

 

Vierter Handlungsstrang: Die Selbstmordattentäter

Dieser Handlungsstrang hat nur wenige Berührungspunkte mit den übrigen, da er nichts Wesentliches zur Geschichte beiträgt, sondern sie lediglich um einen Aspekt erweitert. Nachdem Connex ein Ölfeld an die Chinesen verloren hat, wird die gesamte ausländische Belegschaft entlassen, der binnen zwei Wochen die Ausweisung droht, sollten sie keine neue Beschäftigung finden. Ein junger Pakistani, der keinen Job findet und zudem in ein stark religiöses Umfeld gerät, wird in dieser verzweifelten Lage zum Terroristen, indem er eben jene Rakte zum Einsatz bringt, die Bob Barnes verloren ging...

 

Syriana ist ein anspruchsvoller Politthriller im doppelten Sinne: Zum einen setzt er einiges an Vorwissen voraus, nicht nur um der Handlung leichter folgen zu können, sondern auch, um einige Aspekte würdigen zu können. Dazu zähle ich die Einsicht in die Notwendigkeit in Infrastrukturprojekte zu investieren, um auch nach dem Versiegen der Rohstoffquellen eine funktionsfähige Wirtschaft aufrecht erhalten zu können. Ebenso die argumentative Sophisterei von Danny Dalton, der sich zu seiner Verteidigung auf Milton Friedman beruft. Zum anderen ist Syriana deshalb anspruchsvoll, weil nahezu alle Handlungsmotive nur einmal und außerdem selten explizit in einem Dialog benannt werden, weshalb beim einmaligen Sehen zwangsläufig die eine oder andere Verständnislücke auftauchen muß. Dies kann man dem Film negativ anrechnen, möchte ich allerdings nicht, da sich einerseits diese Verständislücken schließen lassen und andererseits die Sprache der Diplomatie ähnliche Züge aufweisen dürfte, wodurch Syriana der Realität gerecht zu werden versucht.

Allerdings ist Syriana vorzuwerfen, teilweise überflüssige oder unangemessene Handlungsstränge zu enthalten: So ist einerseits der alkoholabhängige Vater von Bennett Holiday für den gesamten Handlungsablauf irrelevant. Andererseits ist es letztendlich unbedeutend, wie Bryan Woodman zum Berater von Prinz Nasir wurde, sondern nur dass er es wurde, wodurch Syriana auf den Unfalltod von Bryan`s Sohn hätte verzichten können.

 

Aufgrund der kritischen Darstellung von verdeckten CIA-Operationen und Korruptionsverschleierung wirkt die Erklärung für islamischen Terrorismus zu klischeebeladen, wodurch sich der vierte Handlungsstrang, nicht nur durch die bereits genannten wenigen Berührungspunkte von den anderen abhebt, sondern sich auch inhaltlich deutlich von den anderen absetzt.

 

Fazit:

Syriana ist ein anspruchsvoller Politthriller, der Vorkenntnisse und Aufmerksamkeit erwartet. Es ist ihm gelungen, darzustellen, auf welche Weise wirtschaftliche Interessen innen- und außenpolitisch durchgesetzt werden können – mit argumentativer Sophisterei und wenn nötig mit Waffengewalt und damit gegen die Interessen anderer Staaten, denen die Wahl ihre Zukunft selbst zu gestalten auf diese Weise genommen wird. Außerdem zeigt Syriana, dass einige wenige ihre Interessen professionell durchzusetzen vermögen und der Mehrheit diese Möglichkeit verwehren.

Aufgrund der zum Teil untertitelten Szenen, der durch Andeutungen gekennzeichneten Diplomatensprache und einer leicht verwackelten Kameraführung, erhält der Film neben seiner realistischen politischen Darstellung, auch stilistische Glaubwürdigkeit, die zusammen eine überzeugende, wenn auch wenig Hoffnung gebende, Story ergeben, die aufgrund ihrer politischen Brisanz mehr als sehenswert ist.

 

Wertung:

8/10 Punkte

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