Air Force One

OT:  Air Force One   -  124 Minuten -  Action / Thriller
Air Force One
Kinostart: 23.10.1997
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Air Force One

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Wie der Titel unschwer erahnen lässt, dreht sich dieser Film um beziehungsweise auf dem Flugzeug des US-Präsidenten; also dem sichersten Flugzeug der Welt – vermeintlich. Die Handlung lässt sich schnell erfassen: US-Präsident James Marshall (Harrison Ford) befindet sich nach einer Anti-Terrorkonferenz, auf welcher der Sieg über den Putschisten General Ivan Radek (Jürgen Prochnow) als Hauptthema im Raum stand, wieder auf dem Weg zurück in die Vereinigten Staaten. Kurz nachdem die Maschine vom Boden abgehoben ist, ermöglicht jedoch ein Maulwurf russischen Terroristen die gewaltsame Übernahme des Flugzeuges. Ein Mann konnte sich jedoch tief im Bauch des Flugzeuges verstecken. Nun lieg es an ihm die Air Force One wieder zurück zu erobern. Dieser Mann ist niemand anders als der US-Präsident selbst …

Auf den ersten Blick erinnert die Handlung direkt an Bruce Willis und „Stirb langsam“, doch spätestens nach den ersten paar Filmminuten wird klar, dass die gehegten Erwartungen nicht eingehalten werden können. Der Präsident wird den Zuschauern gegenüber schon nahezu krampfhaft sympathisch dargestellt. Er alleine gibt den Kurs in der Außenpolitik vor, macht Späßchen mit seinen Mitarbeitern und ärgert sich darüber, wenn einer aus seinem Stab ihm das Ergebnis eines aufgezeichneten Footballspiels zeigt, welches er sich eigentlich mit einem Gläschen Bier ansehen wollte. Da er auch ein Familienoberhaupt ist, hat er natürlich wie alle anderen Väter auch Probleme damit, wenn seine 12-jährige Tochter endlich erwachsen wird. Zu allem Überfluss kann er sich natürlich auch noch mit russischen Terroristen messen und eine Boeing fliegen.

Während im weiteren Verlauf der Handlung James Marshall durch Angriffe und Sabotage versucht, das Flugzeug wieder zu übernehmen, kämpft auf der anderen Seite das Weiße Haus unter der Führung von Vizepräsidentin Kathryn Bennett (Glenn Close) in den Verhandlung mit den Terroristen um die Freilassung der Geiseln. Man sollte zwar meinen, dass der US-Führungsstab in Krisensituationen besonders kompetent reagiert, doch gerade jetzt scheint es zwischen der Vizepräsidentin und dem Verteidigungsminister Walter Dean (Dean Stockwell) zu kriseln. Das Ganze endet damit, dass die Vizepräsidentin den Justizminister mit einem Exemplar der Verfassung zu sich zitiert, damit entschieden werden kann, wer in der misslichen Lage des Präsidenten nun die Kommandogewalt inne hat.

Wie oben bereits erwähnt, erinnert die Handlung sehr stark an „Stirb langsam“ und kann daher auch keine wirklichen Neuheiten für sich verbuchen. Dafür wird jedoch der Mikrokosmos Flugzeug elegant von Regisseur Wolfgang Petersen erfasst und umgesetzt. Einen weiteren positiven Punkt bildet die Besetzung: Harrison Ford und Gary Oldman setzen merklich all ihre Energie in ihre Charaktere und werden damit sofort zu den zwei wichtigsten Personen im Film. Harrison Ford kann man durch seine „Indiana Jones-Vergangenheit die Action-Rolle des Präsidenten noch abnehmen, über die Länge des Films hinweg scheint sein Charakter aber einige unerklärliche Wendungen zu machen. Er selbst ist zwar der Meinung, dass er seinen Job mit allen Rechten und Pflichten ausführen muss, widersetzt sich aber dann doch wieder so mancher Pflicht wie zum Beispiel der anscheinend vorgeschriebenen Flucht aus der Air Force One. Die aber eher kleineren Entgleisungen des Präsidenten macht Gary Oldman als Ivan Korshunov wieder gut. Erneut blüht der Mime in einer Rolle als genialer Bösewicht dermaßen auf, dass man vor seinem Charakter regelrecht Angst bekommen könnte. Flüssig schafft er hierbei den Übergang zwischen dem fähigen Genie und dem wahnsinnigen Soldaten, der für sein Mütterchen Russland ohne nachzudenken sein Leben geben würde. Hiermit stehen also nun ohne Frage das Duell der Charaktere des James Marshall und des Ivan Korshunov im Mittelpunkt.

Dies liegt aber wohl auch an der Tatsache, dass weder die Charaktere der anderen Terroristen oder weitere Stabsangehörige des Präsidenten genauer gezeichnet werden. Auch die leitenden Personen im Weißen Haus erscheinen relativ farblos, allen voran Glen Close als Vizepräsidentin kann kaum aus ihrer Rolle ausbrechen oder sich auf sonstigen Wegen gegen den Verteidigungsminister durchsetzen. Auch sie leidet wie der Präsident unter dem Schwanken ihrer Meinung und ändert ebenfalls ohne ersichtlichen Grund ihre Meinung beziehungsweise ihren Kurs. Genauso schwarz-weiß bleibt leider auch der Maulwurf alias Secret-Service-Agent Gibbs (Xander Berkeley). Über seine Beweggründe bleibt der Zuschauer vollkommen im Dunkeln, auch fehlen kurze Gespräche mit den Terroristen über die weiteren Pläne oder Informationen über die Geiseln. Man könnte doch annehmen, dass es kein großes Problem gewesen wäre, Gibbs unter irgendwelchen vorgetäuschten Umständen für wenige Minuten aus der Geiselhaft zu den Entführern zu bringen. Eine weitere kleine Enttäuschung ist seine späte Enttarnung. Erst, als das Ende unabwendbar scheint, zeigt der Maulwurf seine wahre Identität und setzt zu einer letzten Aktion an. Auf der anderen Seite wirkt sich die späte Enttarnung jedoch auch positiv für den Zuschauer aus, immerhin hätte er bei den Rettungsplänen des Präsidenten beziehungsweise der Geiseln zu jeder Zeit nun auch offiziell die Seiten wechseln können. Warum er das aber wie schon angedeutet erst zum Schluss tat und nicht schon an einigen zuvor wichtigen Stellen, bleibt dem Zuschauer wohl auf immer und ewig ein Geheimnis.

Filmtechnisch bedient sich Air Force One an klassischen Hollywood-Elementen, wie zum Beispiel dem Durchschneiden der verschieden farbigen Drähte, dem Ausgehen des Handy-Akkus während eines lebensrettenden Gesprächs usw. Auch eher negativ anzusehen sind die vielen patriotischen Elemente, deren Auftreten zu Ende des Films verstärkt zunimmt. Es scheint zwar allen Beteiligten das Leben der Geiseln an Bord wichtig zu sein und jedes Opfer wird mit sichtlichem Entsetzen wahrgenommen, doch wenn eine ganze Betankungsmaschine samt Crew in Flammen aufgeht oder sich ein Jet-Pilot heldenhaft für den Präsidenten opfert, wird keiner dieser Toten auch nur mit einem Wimpernzucken wahrgenommen.

Die Innenaufnahmen der Air Force One sind sehr schick gemacht und vermitteln dem Zuschauer eine Illusion davon, wie es in dem Flugzeug des US-Präsidenten wahrscheinlich wirklich aussehen könnte. Ergänzt und abgerundet wird diese Illusion durch die Außenaufnahmen und Effektszenen, die zusammen wirklich ein echtes Monstrum der Lüfte erschaffen. Zum Ende hin überschlagen sich die Effektszenen sowie das Drehbuch etwas und die fliegende Festung wird zu sehr zum Acton-Spektakel ohne Sinn und Handlung.

Fazit:
„Air Force One“ ist durchaus ein kurzweiliger Action-Thriller für die allabendliche Unterhaltung. Die zwei starken Charaktere im Mittelpunkt werden von Ford und Oldman konsequent dargestellt und lassen zumindest schauspielerisch kaum Wünsche offen. Der stark durchsickernde Patriotismus erteilt dem Film jedoch einen Dämpfer, der zusammen mit so manchen Logikfehlern und unverständlichen Aktionen zu mittelmäßiger Unterhaltung wird. Wer also keine allzu hohen Ansprüche stellt, ist für einen Filmabend mit „Air Force One“ bestens bedient.

Wertung:
5/10 Punkte

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Ø Wertung: 6.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 15
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