Verblendung (2009)

OT: Män Som Hatar Kvinnor - 152 Minuten - Thriller
Verblendung (2009)
Kinostart: 16.10.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Verblendung

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Stieg Larssons Millenium-Trilogie (im deutschsprachigen Raum erschienen als Verblendung, Verdammnis und Vergebung) ist auf dem Literaturmarkt eingeschlagen wie eine Bombe. Weltweit konnten über 15 Millionen Bücher verkauft werden, und Verblendung avancierte zum bestverkauften Buch in der EU 2008. Weltweit belegte es Rang 2 hinter Der Drachenläufer. Da war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis auch eine Verfilmung geplant wurde. Das Schöne daran ist jedoch, dass man es auch schafft qualitativ zu überzeugen und es der großen Hollywoodkonkurrenz (speziell den durchschnittlichen Dan Brown Verfilmungen) zu zeigen wie es richtig geht. Schön ist natürlich auch, dass man sich gleich auf Nachschub freuen kann, denn die beiden anderen Teile stehen auch bereits in den Startlöchern und sollen 2010 in unsere Kinos kommen.

Seit dem Verschwinden seiner Nichte Harriet Vanger bekommt Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube) jedes Jahr eine gepresste Blume zu seinem Geburtstag – seit über 40 Jahren. Er glaubt, dass diese von Harriets Mörder stammen, und beauftragt den Journalisten Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist), der es kürzlich in die Schlagzeilen schaffte, weil er angeblich Beweise gefälscht hat, und von einem reichen Industriellen verklagt wurde, noch einmal Nachforschungen anzustellen. Da dieser zwar für 3 Monate ins Gefängnis muss, die Strafe aber erst in einem halben Jahr antreten muss, kommt ihm der Auftrag gerade gelegen. Durch altes Bildmaterial und Infohäppchen versucht er das Puzzle zu lösen. Unerwartete Hilfe bekommt er dabei von der mysteriösen Lisbet Salander (Noomi Rapce), die sich in seinen Computer gehackt hat...

Autor Stieg Larsson konnte den gigantischen Erfolg seiner Bücher leider nicht mehr selbst miterleben. Am 9. November 2004 erlag er einem Herzinfarkt im Alter von gerade einmal 50 Jahren. Ursprünglich war die Reihe auf zehn Teile ausgelegt, doch vor seinem Tod konnte er nur drei Teile fertig stellen, die zum Zeitpunkt seines Ablebens noch nicht veröffentlicht waren (von drei weiteren Teilen liegt zumindest das Handlungsgerüst vor). Die Verfilmung seines ersten Romans gibt sich übrigens durch die Bank hoch qualitativ, und schafft es den umfangreichen Roman auf 152 Minuten Film zu destillieren.

Man wird es wohl dennoch nicht allen recht machen können, aber insgesamt schafft es der Film sehr gut die Geschichte umfangreich und detailliert zu erzählen und dabei auch den Charakteren Profil zu verleihen. Der Film nimmt sich dabei genügend Zeit um tief in die Welt einzutauchen und dank der straffen Inszenierung und des wirklich gut aufgebauten Drehbuchs wird Vergebung auch in keiner Sekunde langweilig, sondern schafft es stets das Publikum fest an sich zu ziehen und mit den beiden Protagonisten mitfiebern zu lassen.

Die Story ist dabei zu Beginn noch auf zwei Handlungsstränge aufgeteilt, und erzählt zunächst noch separat die Geschichten der beiden Hauptfiguren. Das Kunststück dabei ist dass es der Film sehr gut schafft von Beginn an zu faszinieren: Sowohl die Einführung von Mikael Blomkvist, als in Ungnade gefallener Journalist, der reingelegt wurde, als auch die brutale und schockierende Episode rund um die extravagante Lisbet Salander überzeugen voll und ganz, und überbrücken die Zeit wunderbar, bis sich die beiden Handlungsstränge verbinden und die beiden schließlich gemeinsame Wege gehen.

Ausgesprochen gut gelungen ist auch die Schnitzeljagd nach der vermissten, und scheinbar ermordeten Harriet Vanger, die es schafft den Spannungspegel stetig nach oben zu schrauben und den Zuseher voll und ganz einzubeziehen. Harriet Vanger wird dabei durch arrangierte Bilder und durch Videomaterial ins Leben gerufen und erzeugt dabei fast so eine mystische Aura wie die ermordete Laura Palmer in Twin Peaks. Die Herangehensweise mit den Fotos erinnert übrigens auch stark an Michelangelo Antonionis Blow Up, und ist eines der überzeugendsten Argumente des Films.

Verblendung ist dabei aber nicht nur ein klassischer Whodunit Krimi, da die Identität des Täters gar nicht so interessant ist wie das wahre Schicksal des Opfers, und die Gründe hinter den mysteriösen Ereignissen. Durch die gespenstische Fotoanalyse, und die anschließenden Querverbindungen zu möglichen Ritualmorden, bekommt Verblendung auch einen kleinen Mysteryeinschlag, der dem Film wirklich gut steht. Auch die atmosphärischen Qualitäten wissen zu überzeugen, was besonders für die eingeschneite, und isolierte Insel gilt, die nur über eine einzige Brücke mit dem Festland verbunden ist. Da auch die Chemie zwischen den Darstellern fabelhaft ist, gibt es also kaum einen Grund zum Meckern.

Abzüge gibt es eigentlich nur dafür, dass die Auflösung nicht ganz mit der Spurensuche mithalten kann. Man sollte dies nicht falsch verstehen, denn das Finale schafft es sehr gut die Fäden zu verknüpfen und alles zu einem logischen Schluss zu bringen, der einfach stimmig ist. Jedoch macht es doch mehr Spaß die eigenen Gedanken schweifen zu lassen, und den Ermittlern beim Spurenlesen zuzusehen. Der Epilog rundet die Geschichte schließlich gut ab, und lässt den Zuseher befriedigt im Kinosaal zurück, wenngleich die ersten beiden Drittel die besten des Films sind.

Als Glücksgriff erwieß sich vor allem auch die Besetzung: Michael Nyqvist und Noomi Rapce haben beide unverbrauchte Gesichter und harmonieren großartig miteinander, und tragen die Last des Films auf ihren Schultern. Verblendung ist alles in allem somit ein sehr feiner Krimi-Thriller mit Mysteryaspekten der all seine Zutaten vortrefflich mixt und es schafft Spannung, Brutalität und Unterhaltungswert in genau den richtigen Dosen einzubringen. Inszenierung und Drehbuch sind gleichermaßen gelungen, sodass sich diese großartige skandinavische Produktion nicht hinter den großen Hollywoodproduktionen verstecken braucht. Verblendung ist genau was Ron Howard gerne aus den Dan Brown Büchern gemacht hätte. Die nächsten Teile können gerne kommen.

Fazit:
Verblendung besticht durch ein sehr gut ausbalanciertes Drehbuch und eine straffe Regie, sodass die 152 Minuten Laufzeit zügig voranschreiten und sich nie in die Länge ziehen. Von Anfang an schafft es Verblendung zu faszinieren und eine gelungene Atmosphäre zu erzeugen. Die spannende Geschichte von Stieg Larsson trägt ihr übriges dazu bei, dass der Film höchst spannend voranschreitet und den Zuseher immer tiefer in sein Netz zieht. Die Auflösung und der Epilog, wenngleich sehr gelungen, fallen zwar etwas gegenüber den ersten beiden Dritteln ab, aber dies ändert nichts an der Tatsache, dass Verblendung verdammt spannender Stoff ist, den es lohnt zu sehen.

Wertung:

8/10 Punkte

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Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 47
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Liste von marius
Erstellt: 24.08.2014