Die Entführung der U-Bahn Pelham 123

OT:  The Taking of Pelham 123   -  106 Minuten -  Action 
Die Entführung der U-Bahn Pelham 123
Kinostart: 25.09.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die Entführung der U-Bahn Pelham 123

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Die beiden Scott Brüder sind sicher eine große Nummer im Filmgeschäft. Doch während der große Bruder Ridley es vorzüglich schafft Kunst und Kommerz unter einen Hut zu bekommen (was im früher aber besser als heute gelungen ist), scheint Tony Scott sein Glück damit gefunden zu haben sich im Actiongenre ohne große künstlerische Ambitionen auszutoben. Mit seinem Remake Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 bringt er eigentlich erneut seinen Stil auf den Punkt: Cool, schnell, optisch großartig, aber in Punkto Spannungsaufbau, und Stimmungsgefühl eben nicht ganz so überzeugend.

Eine Verbrecherbande unter der Leitung von Ryder (John Travolta) bringt an einem gewöhnlichen Tag in New York, die U-Bahn Pelham 123 unter ihre Kontrolle. Man will innerhalb einer Stunde ein Lösegeld von 10 Millionen Dollar oder man beginnt für jede überfällige Minute eine Geisel zu töten. Ryder hält während der Entführung über Funk Kontakt mit dem Fahrdienstleiter Walter Garber (Denzel Washington), dem er seine Anweisungen übergibt. Bald schon eilt Geiselunterhändler Lieutenant Camonetti (John Turturro) und der Bürgermeister (James Gandolfini) herbei um die Lage zu beschwichtigen. Doch Ryder lässt sich von seinen Forderungen nicht abbringen, und zieht Garber in sein Spiel hinein…

Das Original mit Walter Matthau gilt in Fankreisen als kultiger Genrefilm, und überzeugte vor allem durch sein kammerspielartiges Psychoduell. Tony Scott hat jedoch eine etwas andere Auseinandersetzung mit dem Stoff gewählt (beide Filme basieren auf der Roman-Vorlage von John Godey). Zwar steckt auch hier im Kern ein Duell zwischen den beiden Hauptdarstellern, jedoch sieht man dem Film in jeder Sekunde an, dass es ihn eher zu einem actionreichen Ton hinzieht. Dies beginnt bei den klassischen schnellen Schnitten, wie sie fast obligatorisch sind für Scott, geht über die bis ins letzte Detail aufpolierte Optik, und endet schließlich bei zahlreichen aufgezwungenen Actionsequenzen, die sich nicht so richtig in den Film einfügen.

Die deplatzierteste davon ist sicherlich eine Autohetzjagd quer durch New York, die lediglich dazu dient um das Geld von einem Ort zum anderen zu bringen, dabei aber reichlich Blechschaden zurück lässt. Der einzige Pluspunkt daran ist, dass der Film wenigstens genügend Selbstironie besitzt um die Filmfiguren anschließend selbst fragen zu lassen warum man das Geld nicht per Helikopter geschickt hat. Aber auch ansonsten haben sich viele kleine Actionszenen eingeschlichen, die leider vom Kernthema des Films ablenken, und die Qualität somit senken.

Denn Potential hätte der Stoff sicher gehabt (was das Original ja auch schon bewiesen hat), und auch im Remake blitzen immer wieder die Möglichkeiten durch die man gehabt hätte, wenn man sich voll und ganz auf das Duell der beiden Hauptfiguren konzentriert hätte. Zusätzlich zu diesem Versäumnis kommen auch noch kleinere, und größere Logikschnitzer, die die Story und Charaktere oftmals arg konstruiert wirken lassen, und den Film somit unglaubwürdig erscheinen lassen. Hiervon ist speziell John Travolta betroffen, der aussieht wie ein Knastbruder, sicher benimmt wie ein Knastbruder, aber eigentlich einen Wall Street Hai geben soll. Auch Denzel Washington wurde eine pikante Vergangenheit beschert, die etwas überkonstruiert wirkt, aber hier fällt dies nicht so stark ins Gewicht wie bei Travolta.

Dabei bringt Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 eigentlich sogar einige frische Ideen mit, die auch gut funktionieren: Zu erwähnen sei hier die Rolle von James Gandolfini, der quasi eine wandelnde Politerkparodie zum Besten gibt, dabei aber nicht allzu überzeichnet wirkt, aber auch die Idee mit der Wirtschaftskriminalität ist durchaus gelungen und bietet eine Alternative zu klassischen Heist-Filmen. Tony Scott bringt auch eine Prise post 09/11 Flair mit in den Film, übertreibt damit aber nicht, da sein Film natürlich vor allem klassische Popcornunterhaltung bieten soll.

Und im weitesten Sinn erfüllt sein Film diese Anforderung auch ziemlich gut. Denn obwohl sich so einige Kritikpunkte auftun, bleibt der Film doch durchgehend sehr kurzweilig und schafft es trotz seinen Schwächen zu unterhalten. Dazu trägt auch ein gut aufgelegter Cast rund um Denzel Washington und John Travolta bei. Tony Scott setzt auf seine üblichen schnellen Schnitte und peitscht den Film somit förmlich voran. Atmosphäre und Spannungsaufbau bleiben dabei zwar gelegentlich auf der Strecke, aber dafür wird auch schlicht und einfach keinerlei Raum für mögliche Langeweile gelassen.

Fazit:
Tony Scotts Remake Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 besticht durch eine Hochglanzoptik vom Feinsten, und ein rasendes Tempo, das den Film recht kurzweilig und unterhaltsam werden lässt. Dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es dem Film besser getan hätte, wenn man mehr auf das Duell der beiden Hauptfiguren, und weniger auf die Action gesetzt hätte. Auch leidet der Film unter kleineren Drehbuchschwächen, und versäumt es so richtig zu zünden. Wer aber nur auf einen netten, kurzweiligen Filmabend aus ist, der kann einen Blick riskieren.

Wertung:

6/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.6/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 40
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