Young Guns

OT: -  102 Minuten -  Western
Young Guns
Kinostart: 12.08.1988
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 18.10.2012
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Filmkritik zu Young Guns

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Vergraben, unbeachtet und erfolglos hatte der Western in den Achtzigern einen schweren Stand. Das Genre war einfach tot. Die Versuche, wie „Silverado“, es wieder zum Leben zu erwecken, scheiterten. Dabei blieb es dann auch, bis Christopher Cain („The Principal“, „The Next Karate Kid“) mit dem Drehbuch von John Fusco („Spirit: Stallion of the Cimarron“, „Hidalgo“) es endlich schaffte mit neuen Impulsen das Genre aus seiner Lethargie zu erwecken. „Young Guns“ war zwar lediglich ein erster Schritt, dem zwei Jahre später dann Geoff Murphys („Freejack“, „Under Siege 2: Dark Territory“) formvollendeter Feinschliff „Young Guns II“ aka „Blaze of Glory“ folgen sollte, aber er brachte endlich die dringend notwendigen und lang erwarteten Erneuerungen.

Mit einem simplen Facelifting und der legendären Geschichte von Billy the Kid alias William H. Bonney (meint es szenenweise etwas zu gut: Emilio Estevez, „Freejack“, „Judgment Night“) gewann man die Zuschauer für sich und wendete damit eigentlich nur an, was Kevin Costner („Dances with Wolves“, „Open Range“) in „Silverado“ so erfolgreich praktizierte. Die schweigsamen, wettergegerbten Gesichter mit Drei-Tage-Bart, verkniffenen Augen und Zigarillos im Mundwinkel hatten abgedankt. An ihre Stelle traten junge Rebellen, denen der erste Bartflaum, wenn überhaupt schon, erst im Gesicht stand. Jung, kühn und großmäulig waren sie gerade dabei sich wie junge Stiere im Wilden Westen die Hörner abzuwetzen, testeten aus wie weit sie gehen konnten und verdrängten damit die fehlenden Perspektiven abseits einer kurzlebigen Karriere als Kleinverbrecher.

John Tunstall (Terence Stamp, „Red Planet”, „Elektra”), ein idealistischer, alleinstehender Brite, der nach Amerika auswanderte, um dort mit einem erheblichen Kapitalaufwand sein Glück als Rinderzüchter zu versuchen, nimmt sich diesen Problemfällen an, bietet ihnen ein Dach über den Kopf und Bildung, lässt sie dafür aber auch hart arbeiten. Die jungen Wilden, unter anderem von Kiefer Sutherland („Flatliners“, „The Three Musketeers“), Lou Diamond Phillips („The Big Hit“, „Bats“) und Charlie Sheen („Platoon“, „Navy Seals”) dargestellt, formt er zu „seinen“ Jungs, die für das Angebot dankbar sind und für ihn durchs Feuer gehen würden. Diese Rückhalt benötigt Tunstall auch, denn Lawrence G. Murphy, schön skrupellos und schmierig von Jack Palance („Mercenario - Der Gefürchtete“, „Tango & Cash“), selbst ein Relikt des Italowesterns, das sich drei Jahre später in „City Slickers“ genüsslich und selbstironisch zu einem Oscar parodierte, gespielt, hat sich als lokaler Viehzüchter längst in diesem Gebiet etabliert und verfügt über bestens geschmierte Beziehungen, die Politik und Gesetz, vertreten durch korrupte Posten, gleichermaßen in seine Hände fallen lassen. Deswegen lässt er Tunstall von seinen Männern aus dem Weg räumen und zieht den Zorn dessen Adoptivsöhne auf sich.

Das in seiner unkonventionellen Machart schon an ein experimentierfreudiges Musikvideo erinnernde Intro, der ganz starke Score von Brian Banks („Internal Affairs“, „Graveyard Shift“) und Anthony Marinelli („One Tough Bastard“, „15 Minutes“) oder eben die Garde der heranwachsenden Hollywood-Stars vermitteln schnell ein Gefühl der Moderne. Kameramann Dean Semler („Mad Max 2“, „Waterworld“) schüttelt die dazu nötigen Landschaftsaufnahmen mit einem braunen Farbfilter routiniert aus dem Ärmel und Christopher Cain lässt seine Protagonisten von den Zügeln, was zur Folge hat, dass sie alle unter dem unberechenbaren, instinktiv wie naiv handelnden Billy zu Leiden haben. Als Hilfssheriffs mit der Macht des Gesetzes ausgestattet, verhaften sie nicht, sondern richten ein Blutbad unter Tunstalls Mördern an, um selbst zu Gesetzlosen zu werden auf die ein stattliches Kopfgeld ausgesetzt wird.

An dieser Stelle beginnt die Idee leider zunehmend ihren Reiz zu verlieren. Regelmäßig auftretende, brutale Schießereien, die im Finale dann auch herrlich ästhetisiert werden, können nicht davon ablenken, dass „Young Guns“ rein inhaltlich nicht mehr von der Stelle kommt und Billys Mitstreiter um ihn herum kontinuierlich zu verblassen (u.a. Scurlocks wenig Beachtung findende Romanze) beginnen. Billy, der die brenzlige Lage nicht ernst nimmt und immer noch glaubt Veränderungen bewirken zu können, zieht seine Freunde mit in den Abgrund. Die Abfolge simpler Racheakte fördert dabei leider genauso wenig Fortschritt zustande, wie das Abtauchen in eine spirituelle Welt, als man sich an die Wand gedrängt wähnt. „Young Guns“ geht zur Filmmitte plötzlich die Puste aus und das ist angesichts des Anfangs und Endes ein wenig schade. Die Dialoge zwischen Doc und Billy kratzen nur an der Oberfläche ihrer Charaktere, die Sehnsucht nach vermisster Zuneigung und Nestwärme flackert nur kurz auf, der Tod scheint für sie von Anfang an ein ständiger Wegbegleiter und die Ausweglosigkeit ihre Situation wird nie so recht zum Thema gemacht. Lou Diamond Phillips hält beispielsweise eine emotionelle Rede und hat in diesen wenigen Sekunden den intensivsten Moment des Films inne.

Dies alles kann der daran schließende verlustreiche Shootout im Finale immerhin weitestgehend wieder wettmachen. Auch hier schlägt sich Christopher Cain entromantisierter, dafür aber dynamisch-moderner, nur eben die letzte, mutige Konsequenz vermissen lassender Stil sich positiv nieder. Billy, von Rache beseelt, eilt mit seinen Männern dem befreundeten Anwalt Alex McSween (Terry O'Quinn, „The Stepfather“, „Millennium“) zu Hilfe, um ihn vor einem Mordanschlag zu beschützen und verbarrikadieren sich in einem Haus vor Murphys Armada und der bald anrückenden Kavallerie, die die Outlaws auf Befehls Murphys ebenfalls tot sehen will.

Billys verderblicher Einfluss reißt einige seiner Weggefährten in diesem gnadenlosen Finale in den Tod, seine Entschlossenheit hingegen führt ihm an sein Ziel. Christopher Cain serviert kein Ballett, ist sich über seine Vorbilder aber im Klaren, lässt in Zeitlupe und Großaufnahme kämpfen und sterben, fährt das Tempo hier kontinuierlich hoch und zeigt sich kompetent im effektiven Umgang mit dieser klassischen „Rio Bravo“ – Konstellation.

Sicher, die Profile könnten ausgearbeiteter, das Thema epischer umgesetzt (Insbesondere die beiden symbolträchtigen Aufeinandertreffen von Billy und Pat Garrett hätten wichtiger genommen werden müssen) und das gesamte Szenario mit ein paar dramatischen Kniffen oder persönlicheren Schicksalen spannender sein, doch um die damalige Kinogeneration endlich wieder anzusprechen, hat es für „Young Guns“ gereicht, so dass es trotz des das Potential nicht gänzlich ausnutzenden Drehbuch sogar noch zu einer besseren Fortsetzung zwei Jahre später ausreichte.

Fazit:
Der Mix macht’s. Mit „Young Guns“ begann der Western wieder erste Atemzüge zu tätigen, sich schrittweise zu regenerieren und wenig später wieder wirklich gute Filme hervorzubringen. Christopher Cain Pionierarbeit verfügt über keinerlei Genialität, hat aber endlich den Mut gegen althergebrachten Motive und für gültig erklärte Regeln des Genres zu revoltieren, ohne es komplett aus den Angeln zu heben und seine Stärken zu ignorieren. Eine Riege damals noch junger, kommender Hollywood-Stars (die heimlichen Stars sind Kiefer Sutherland und Lou Diamond Phillips) tobt sich in den Kulissen dieses Neo-Western richtig aus, während die Regie, auch dank des Scores, um sie herum mit dem Staubwedel hantiert. Sicherlich kein Meisterwerk, aber ein Fingerzeig in die richtige Richtung.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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