Away We Go - Auf nach Irgendwo (2009)

OT: Away We Go - 98 Minuten - Tragikomödie
Away We Go - Auf nach Irgendwo (2009)
Kinostart: 16.10.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Away We Go - Auf nach Irgendwo

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Mit seinem fünften Film betritt Oscarpreisträger Sam Mendes neues Terrain. Bis jetzt zeichneten alle seine Filme eine gewisse Strenge aus, und allesamt durchzog sie ein gewisser Theatereinschlag (Jarhead vielleicht ausgenommen). Auch waren sie bisher alles eher Dramen, und schwere Themen. Mit Away We Go lässt Mendes dies jedoch hinter sich und versucht sich an einem leichtfüßigen Stoff, der es ihm erlaubt auf völlig ungewohnte Weise mit seinen Figuren zu spielen, und seine Bilder auf fast chaotische Weise zu arrangieren. Durch dieses ungezwungene Vorgehen fühlt sich Away We Go ausserordentlich frisch an, und schafft es den Zuseher um den Finger zu wickeln.

Burt Farlander (John Krasinski) und seine langjährige Freundin Verona (Maya Rudolph) leben gemeinsam in Colorado, in der Nähe von Burts Eltern (Veronas Eltern sind bereits gestorben). Die beide lieben sich und haben auch das Glück, dass sie von Zuhause aus arbeiten können, sodass es eigentlich egal ist wo sie leben. Ihr Leben ist hingegen noch etwas chaotisch: Ihr Zuhause ist mehr ein netter Unterschlupf und auch ansonsten driften sie eher noch ungefestigt durchs Leben. Da wird Verona plötzlich schwanger, und Burts Eltern beschließen nach Belgien zu ziehen. Da sie jetzt nichts mehr an Colorado bindet, beschließen sie durch Amerika zu reisen, alte Freunde zu besuchen und zu entschließen wo sie sich einmal niederlassen werden…

Die Arbeiten an Away We Go begannen bereits, als Sam Mendes noch mit der post-production zu seinem letzten Film Zeiten des Aufruhrs beschäftigt war. Und in gewisser Weise kann man dies dem Film auch ansehen: Denn man hat hier stets das Gefühl als wollte sich Mendes mit einem kleinen Rundumschlag von der Enge von Zeiten des Aufruhrs befreien, und einen Gegenentwurf skizzieren, der ein glückliches Paar zeigt, dass zwar auch noch nicht seinen Platz im Leben gefunden hat, aber sich dafür wenigstens liebt und gemeinsam zu unbekannten Ufern aufbricht.

Stilistisch gibt sich Away We Go dabei recht unbekümmert, und Sam Mendes beweist hier sehr viel Gelassenheit, die dem Road Movie einen ganz anderen Touch gibt, als es seine anderen Filme hatten. Denn früher hatte man eher das Gefühl, dass ein strenger Regisseur die Zügel fest in der Hand hält, und präzise auf ein vorher bestimmtes Ergebnis hinarbeitet. Away We Go wirkt hingegen eher wie eine lange Suche, während der sich auch Sam Mendes zu Spontanitäten hinreissen hat lassen, und etwas unbekümmerter an die Sache herangegangen ist. Durch dies erreicht er eine gewisse Spritzigkeit und Dynamik, die doch ziemlich im Kontrast zu seinen strengeren Vorgängerwerken steht.

Die Story von Away We Go erfordert auch eine solche, eher lockere, Herangehensweise, da es ein Film ist, der sehr an eine leichte Blüte erinnert, und bei dem das Ganze definitiv größer ist als seine Einzelteile. Denn wenngleich die Geschichte nicht sonderlich spektakulär ist, so erzeugt sie doch eine unglaubliche Bodenständigkeit, und die zahlreichen Charaktere erscheinen, trotz ihrer offensichtlichen Übertriebenheit, doch glaubwürdig und echt, was dem Film einen unglaublichen Charme verleiht. All diese Komponenten spielen geschickt zusammen, sodass einen die beiden Hauptfiguren richtig ans Herz wachsen, und man sich einfach freut sie ein Stück ihres Weges begleiten zu dürfen.

Dazu tragen natürlich auch die beiden großartig gecasteten Hauptdarsteller bei: John Krasinski und Maya Rudolph wirken noch unverbraucht, passen aber wie die Faust aufs Auge. Dies ist besonders wichtig, da Away We Go vor allem darauf baut, dass man sich mit den Hauptdarstellern identifiziert und mit ihnen mitfühlt. Denn auf die übertrieben theatralischen Momente verzichtet Away We Go, und verlässt sich stattdessen ganz auf seinen subtilen Charme, aber vor allem sein unglaublich großes Herz, dass es den meisten Zusehern unmöglich machen wird sich nicht für das Schicksal von Burt und Verona zu begeistern.

Away We Go weist dabei einige Charakteristika eines klassischen Road Movies auf, und erzählte die Geschichte in verschiedenen Stationen, die allesamt ihre Stärken haben. Der Film erreicht dabei eine gekonnte Mischung aus Humor und Drama, und schafft es vor allem den verschiedenen Figuren, auch wenn sie nur kurz in Erscheinung treten, Leben einzuhauchen. Zwar erinnert Away We Go auf Grund seiner Erzählstruktur manchmal etwas an ein kleines Chaos, aber es ist zumindest ein verdammt liebenswertes Chaos, und dank großartigen atmosphärischen Qualitäten und sympathischen Figuren wird Away We Go zu einer wirklich gut ausbalancierten Tragikomödie, die zwar nicht die Intensität anderer Sam Mendes Filme erreicht, und auch zu Beginn noch nicht so ganz zündet, aber dafür im Endeffekt für einen sehr befriedigenden Kinoabend sorgt.

Fazit:
Away We Go ist eine erfrischend leichtfüßige Tragikomödie, die Sam Mendes von einer völlig anderen Seite zeigt. Mit sympathischen Figuren und einer großartigen Mischung aus Alltagsdrama und Komödie erzeugt er eine fabelhafte Atmosphäre in der man sich gerne verliert. Dabei ist Away We Go quasi eine verspätete Coming-of-Age Geschichte der anderen Art, in der zwei Mitte 30er den Platz im Leben, und den richtigen Ort für ihr Baby suchen. Dies alles mag nicht sonderlich spektakulär klingen, aber durch den lockeren Regiestil von Sam Mendes, und die sympathischen Darsteller, arbeitet sich Away We Go mit jeder Minute tiefer ins Herz des Zusehers, und erzeugt schließlich ein angenehmes Wohlbefinden. Sehr empfehlenswert!

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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