Madagascar

OT: -  85 Minuten -  Animation
Madagascar
Kinostart: 14.07.2005
DVD-Start: 22.01.2015 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Madagascar

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Sie liegen voll im Trend und machen noch Kasse, wenn alle anderen Genres kapitulieren: die Animationsfilme. Unter 100 Millionen Dollar Einspiel allein in Amerika ist inzwischen scheinbar nichts mehr möglich. Der nun schon ein paar Jahre andauernde Kampf zwischen Pixar, Dreamworks und nun auch bald Disney selbst um die Vorherrschaft scheint jetzt allerdings Spuren zu hinterlassen, denn die Qualität der Filme beginnt, wenn auch langsam, zu sinken. Ich zog bisher die Filme aus der Dreamworks-Schmiede vor, weil sie sich nicht gänzlich an die jüngste Fraktion hielt und stets Ausflüge in erwachsenen Anarchohumor unternahm. Davon bemerkt man bei „Madagascar“ leider nur noch wenig, wobei das dem Kassensturz bei guten 193 Millionen wohl auch nicht schadete.

Gerade gemessen an Genrekönig „Shrek“, immerhin aus dem selben Haus, muss der neuste Streich von Dreamworks doch eindeutig zurückstecken. Sicher auf kurze und knappe 85 Minuten gedreht, lässt die programmierte Eleganz mit ihrer perfekten Detailversessenheit und flüssigen Bewegungsabläufen, keine weiteren Wünsche offen, doch an Innovation und Abwechslung mangelt es den animierten, tierischen Abenteuer eindeutig. Lebendige Wuseligkeit in den prächtigsten Farben soll wohl der Ersatzstoff sein.

Denn die besten Momente des Films wurden schon im Trailer verbraten und dessen Versprechungen kann der Film dann letztlich nicht erfüllen, doch für passable Unterhaltung soll es immer noch locker reichen. Immerhin haben wir hier Dreamworks vor uns. Hauptakteure sind einmal mehr von bekannten Gesichtern synchronisierte Tiere: Löwe Alex, Zebra Marty (ein Muster-Hypochonder), Giraffe Melman und Nilpferd Gloria. Sie alle leben im New Yorker Zoo, wo sie täglich, allen voran Alex, den Besuchern als Attraktionen vorgestellt werden. Doch Marty sehnt sich nach Freiheit, bricht aus und ruft damit seine Freunde auf den Plan, die ihn wieder zurückbringen wollen. Vorübergehend wieder eingefangen, landen sie schließlich auf einer einsamen Insel, die so einsam gar nicht mal ist.

Tiere menschliche Züge annehmen zu lassen ist innerhalb des Genres längst DIE Erfolgsstrategie schlechthin, weswegen sie hier dann auch erneut angewandt wurde. Die Vorzüge die jedes Tier im Zoo genießt (der Löwe pennt z.B. unter einem Art Solarium) ernten ein paar Lacher, doch mehr kommt dann nicht. Die Witze kommen regelmäßig, sind dann aber meist handzahm und wenig kreativ. Dass man sich ständig nach den Nebenfiguren, den militanten Pinguinen, die später einen ganzen Frachter kidnappen, und dem schrägen Affen-Duo umguckt, spricht Bände. „Madagascar“ hat einfach nichts Neues auf Lager, das man so noch nirgends gesehen hat. Seitenhiebe auf Filme wie „Cast Away“ wirken nur kurz nach, auf der Zielgeraden wird die Moralkeule zu ausführlich geschwungen, zwischendurch fehlen die Reibungspunkte zwischen dem Quartett, das sich lange Zeit zu grün ist, als dass hier zwerchmalträtierende Wortgefechte zum Einsatz kommen könnten. Auch die Nummernrevue mit eingebetteten, von Tieren arrangierten, Ohrwürmern nutzt sich so langsam aber sicher ab.

Das völlige Weglassen nennenswerter Probleme oder Gegner ist dem Abenteuer dann auch nicht zuträglich. Die Vier sind nahezu durchgehend miteinander beschäftigt, was hin und wieder zu witzigen Situationen (Alex telefoniert: „Moment, wir dürfen die Menschen doch gar nicht anrufen!“), aber keinen echten Brüllern führt. Der Ausbruch aus dem Zoo mit anschließender Tour durch New York besitzt dabei noch mehr gelungene Momente als das gesamte Schlussdrittel. Insbesondere die anrückende und mit der Situation überforderte Polizeiapparat hat seine Szenen. Überhaupt verhält sich die Masse wirklich gelungener Gags im Grenzen. Es bleibt eben kindgerecht bis hin zu den Lemuren, wobei deren Anführer zumindest ungenutztes Potential besaß.

Wenn schon nicht sonderlich kreativ erdacht, gewinnen die Hauptakteure mit der Zeit immerhin zunehmend Konturen. Ihre Eigenheiten schlagen sich in ihren Verhaltensweisen wieder, was besonders in Bezug auf Melman für einige Gags sorgt. Der Arme ist ohne seinen Arzt und die Medizin zunächst gänzlich aufgeschmissen und leidet aus Angst vor möglichen Krankheiten und Blessuren. Insgesamt fehlt es dem Zusammenspiel der Arten allerdings an den putzigen Momenten, in denen dann beispielsweise mit den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Art hantiert wird.

Immerhin hat „Madagascar“ Tempo und eine kurze Nettolaufzeit, so dass man sich als Zuschauer durchweg soweit unterhalten fühlt, ohne dabei nennenswerte Ideenvielfalt oder gar intelligente Einfälle geboten zu bekommen, wie sie zum Beispiel „Shrek“ in unendlicher Stückzahl auf den Zuschauer losließ und dafür zurecht von Publikum und Kritik gefeiert wurde, während sich hier im Kern mal wieder alles auf Freundschaft und Wunschverwirklichung geht.

Fazit:
Animierte Rundum-sorglos -Unterhaltung von Dreamworks ohne nennenswerte Akzente, aber mit einer flotten Nummernrevue und tollen Nebenfiguren, die ich gern öfter gesehen hätte. Technisch up to date bleibt „Madagascar“ schon allein aufgrund seiner Gewöhnlichkeit deutlich hinter den Prunkstücken des Genres zurück. Für die Kleinen inszeniert, reicht es zu amüsanter Unterhaltung für zwischendurch ohne großartige Erinnerungswerte, weil eben die noch jungen Klassiker so viel mehr Ideen darboten, der sich dann und wann spitzbübisch auch mal an die erwachsene Fraktion richtete. Dazu gibt es hier leider nur selten Gelegenheit.

 

Wertung:

6/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 22
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