Coraline

OT:  Coraline   -  100 Minuten -  Animationsfilm 
Coraline
Kinostart: 14.08.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Coraline

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Mittlerweile ist es ja schon fast Tradition, dass die Animationsfilme aus dem Hause Pixar die besten des Jahres sind, sich sogar Hoffnung auf eine Oscar-Nominierung als Bester Film machen dürfen (dies aber immer noch nicht geschafft haben) und schließlich zumindest einen klaren Start-Ziel Sieg in der Kategorie Bester Animationsfilm hinlegen. Zumindest in den letzten beiden Jahren war dies so, mit den großartigen Filmen Ratatouille und Wall-E. Doch dieses Jahr ist alles anders: Das liegt primär daran, dass Pixar dieses Jahr nicht ganz an die letzten Filme anschließen kann, und sekundär, dass es mit Coraline das erste Mal seit langem einen wirklich großartigen Konkurrenten gibt, der sogar besser ist als Pixar’s Oben.

Coraline hat es nicht gerade leicht: Gerade ist sie mit ihren Eltern umgezogen, weg aus der Stadt, hinein in die Einöde, musste ihre Freunde zurücklassen und leidet nun darunter, dass ihre Eltern keine Zeit für sie haben. Auf ihrer ersten Expedition lernt sie den schrägen Nachbarsjungen Wybie kennen, doch auch dieser nervt sie eher. Das ändert sich jedoch, als sie am Abend einer Maus folgt, und durch eine Geheimtür in eine andere Welt gelangt. Diese mutet zunächst stark an die alte Welt an, jedoch sind ihre Eltern plötzlich überaus freundlich, es gibt alles was das Herz begehrt, jedoch haben alle Lebewesen Knöpfe an den Augen. Was geht da bloß vor?

Basierend auf einer Vorlage von Comic-Mastermind Neil Gaiman hat sich Regisseur Henry Selick im Stile seines längst kultigen A Nightmare Before Christmas, im Stop-Motion Stil an diese höchst interessante Geschichte gewagt. Besonders auffällig sind dabei natürlich die zahlreichen Parallelen und Anspielungen auf die klassische Alice im Wunderland Geschichte, doch auf diese will ich in dieser Kritik gar nicht näher eingehen, da Coraline viele eigenständige Ideen hat, die es wert sind erwähnt zu werden, und die mit ihrem Gothik-Charme sicher vor allem das erwachsene Publikum verzaubern werden. Jüngere, zartbesaitete Zuseher sollten den Film eher meinen, da Henry Selick auch viel auf eine durchaus gut skizzierte Gruselatmosphäre setzt.

Die große Stärke von Coraline ist, dass man es sehr gut schafft den Zuseher in die Welt von Coraline zu ziehen, und somit quasi zwingt die Welt aus den Augen eines Kindes zu sehen. Dabei wird auch stets die Perspektive beibehalten, sodass wir die Eltern stets nur aus dem Betrachtungswinkel von Coraline sehen, und das Gefühl somit deutlich verstärkt wird, dass sie ihr Kind vernachlässigen und einen nicht gerade heimeligen Eindruck hinterlassen. Der in jeder Hinsicht wunderbare Kontrast findet sich dabei in der Parallelwelt, die auf allegorische Weise mit der Coming-of-Age Thematik umgeht, und dabei auch visuell ausserordentlich betörend ausgefallen ist.


Denn bei näherem Hinsehen entpuppt sich so gut wie alles als Schachtel mit doppeltem Boden, und ausgestattet mit versteckten Anspielungen auf die Thematik des Films. Denn abgesehen davon, dass uns Coraline eine wunderbare, märchenhafte Geschichte erzählt, die mit bezauberndem Art-Design und einer unglaublich detaillierten Welt mit verblüffender Detailfülle ausgestattet ist, schafft es der Film doch vor allem einen gleichzeitig verträumten und klaren Blick auf das Erwachsenwerden, in all seinen Irrwegen und Fallen, zu werfen. Dabei wahrt sich der Film eine sehr dichte Atmosphäre und vor allem eine geballte Intensität in all seinen guten und schlechten Zeiten.

Das alles führt dazu, dass Coraline mit großer Wahrscheinlichkeit der beste Animationsfilm des Jahres bleiben wird. Denn wenngleich der Film sich zu Beginn noch kleine Längen erlaubt, entpuppt sich das Gesamtergebnis doch als ausgesprochen rund und wohl durchdacht. Viel wichtiger ist jedoch, dass es der Film wohl schaffen wird die ganze Familie (von den ganz kleinen einmal abgesehen) zu verzaubern. Im Stil von Alice im Wunderland wird das Publikum auf eine fantasievolle und betörende Reise geschickt, die sich förmlich anbietet um die Alltagssorgen hinter sich zu lassen und sich fallen zu lassen.

Fazit:
Coraline ist das neue Stop-Motion Meisterwerk von Henry Selick, und hat das Wunder geschafft dieses Jahr Pixar in die Schranken zu weisen (man darf gespannt sein ob dies auch bei der Oscarverleihung honoriert wird). Durch seine raffiniert präsentierte Geschichte im Stil von Alice im Wunderland, und sein phantasievolles Art-Design, gespickt mit einer unglaublichen Detailfülle schafft es Coraline das Publikum zu betören und auf eine Reise in dunkle Gefilde mitzunehmen. Bis dato klar der beste Animationsfilm des Jahres!

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.4/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 26
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