Bigger, Stronger, Faster (2008)

OT: Bigger, Stronger, Faster - 105 Minuten - Dokumentation
Bigger, Stronger, Faster (2008)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 06.09.2011 - Blu-ray-Start: 06.09.2011
Will ich sehen
Liste
7465
Bewerten:

Filmkritik zu Bigger, Stronger, Faster

Von am

Trainiert, nehmt eure Vitamine und betet, das sind die Ratschläge, die Wrestlingstar Hulk Hogan seinen Fans vom Fernseher aus mit auf dem Weg gibt. Das ganze sieht natürlich etwas anders aus, wenn man den Steroidhintergrund von Hogan selbst zum Gespräch bringt. Bigger Stronger Faster ist nun eine Dokumentation die sich ganz dem Thema Anabolika im Sport verschrieben hat, dabei aber nicht nur an der spaßigen Oberfläche hängen bleibt, sondern tatsächlich versucht die ganze Exzesse in das größere Bild einzufügen. Bigger Stronger Faster ist dabei die logische Antwort auf den Erfolgszwang von heute, und die Kehrseite des amerikanischen Traums im besonderem.

Regisseur Chris Bell startet dabei seine Forschungsreise von der eigenen Familie aus. Chris hat selbst Steroide ausprobiert, da er aussehen wollte wie seine Idole aus dem Fernsehen. Mittlerweile ist der davon runter. Bei seinen Brüdern sieht das jedoch anders aus: Mike (Mad Dog) will unbedingt ein großer Wrestler werden. Er hat es zwar schon in die WWF geschafft, wurde da aber nur als Loser eingesetzt, und wieder fallen gelassen. Mark (Smelly) hat seiner Frau versprochen, dass er mit den Steroiden aufhören wird, sobald er seinen Traum erfüllt hat und 700 Pfund drücken kann. Doch als er dies erreicht hat, verrät er, dass er weitermachen will. Von hier ausgehend startet Chris Bell eine Reise durch Amerika und hinterfragt die korrupte Fitnessindustrie…

Die Vorbilder von Bells Dokumentation sind hier nicht allzu schwer auszumachen. Denn Bigger Stronger Faster reiht sich perfekt in die Reihe der Michael Moore Filme Bowling for Columbine, Fahrenheit 09/11 und Sicho. Zusätzlich erinnert der Film natürlich auch an den, offensichtlich vom Michael Moore Stil inspirierten, Super Size Me. Alle diese Filme haben es gemein, dass sie mit Humor ans Thema herangehen, und gleichzeitig der amerikanischen Gesellschaft auf den Zahn fühlen. Dass dieser offensive und nicht immer objektive Stil nicht jedem gefällt ist auch bekannt, jedoch schafft es Bigger Stronger Faster sein Thema mit viel Unterhaltungswert zu verkaufen, was auch nicht gerade schlecht ist.

Der Film behält sich dabei im Kern eine persönliche Note, da er viel Zeit mit der Familie Bell verbringt, und relativ genau nachzeichnet wie es zum Steroidkonsum innerhalb der Familie gekommen ist. Über diese Brücke, hin zu den Actionhelden schlägt sich Chris Bell vor zu einer größeren Dimension, und fühlt der gesamten Fitnessindustrie auf den Zahn. Besonders amüsant ist hierbei das Hinterfragen, der berühmten Vorher-Nachher Fotos, wenn ihm schließlich ein Fotograph verrät, dass er manche solche Bilder schon am selben Tag gemacht hat, und schließlich auch mit Bell selbst ein solches Foto macht. Richtig pikant wird es allerdings, wenn man erfährt, dass in Amerika so gut wie jeder Nahrungsergänzungen herstellen darf, und Bell schließlich mit billigen Aushilfen sein eigenes Supplement herstellt.

Doch bereits am Beginn des Films, wenn „The Real American“ Hulk Hogan zum Ring marschiert, und gegen den „Iron Sheik“ ins Gefecht zieht, weiß man, auf was Bell wirklich mit seinem Film hinaus will. Es sind gar nicht so sehr die Steroide, die er entzaubern will, viel mehr will er die Gesellschaft vorführen, die die Sportler dazu bringt zu diesen Mitteln zu greifen. Denn ein zweiter Platz bedeutet in Amerika nichts, und Verlierer zählen schon gar nichts. Solange der Anschein halbwegs gewahrt bleibt, sind alle glücklich dass einer ihrer Jungs gewonnen hat, aber sobald der Schwindel (Doping) auffliegt, oder man nicht mehr gewinnt, wird man eiskalt fallen gelassen.

Besonders eindrucksvoll wird dies gezeigt, wenn Mark Bell seinen Powerlifting Wettbewerb hat. Beide Eltern und sein Bruder Chris sind streng gegen Steroide, wissen aber dass Mark welche nimmt. Doch sobald er seine Leistung gebracht hat, springen sie hoch und jubeln. Wie man zum Ergebnis kommt zählt nicht, das einzige was zählt ist der Sieg. Und solange diese Mentalität vorherrscht, und es den Sportlern möglich ist zu „betrügen“, werden sie das auch tun. Somit ist Bigger Stronger Faster vor allem ein radikaler Blick auf die Leistungsgesellschaft, der es mit viel Humor schafft sein Thema zu vermitteln. Wenn man dann das Ergebnis dieser Einstellung, in Gestalt des hochgezüchteten Belgian Blue Bull (eine Rinderart, die genetisch so verändert ist, dass sie eine gigantische Muskelmasse mit sich herumträgt) sieht, kann man eigentlich nur mehr hoffen, dass so nicht die Sportler der Zukunft aussehen.

Fazit:
Bigger Stronger Faster wirft einen Blick auf die Kehrseite der Leistungsgesellschaft und schafft es dabei gekonnt hinter die Fassade des Steroidmissbrauchs zu blicken. Dabei bewahrt sich der Film stets einen sehr humorvollen Grundton, mit dem man es gut schafft das ernste Thema ans Publikum zu bringen. Wer den Stil eines Michael Moore schätzt, der wird auch mit Bigger Stronger Faster seine Freude haben. Gelungene Dokumentation!

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
50%
7 /10
0%
6 /10
0%
5 /10
50%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Grizzly Man (2005)
Begegnungen am Ende der Welt (2007)
Bowling for Columbine (2002)
Roman Polanski: Wanted and Desired (2008)
Thrilla in Manilla (2008)
Die Bucht (2009)
Facing Ali (2009)
The Oath (2010)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!