Zerrissene Umarmungen

OT:  Los Abrazos Rotos   -  127 Minuten -  Tragödie
Zerrissene Umarmungen
Kinostart: 07.08.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Zerrissene Umarmungen

Von am

Obwohl Pedro Almodovar in seinem neuesten Film einige Anspielungen auf seine früheren Werke macht, vor allem auf Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs (1988) und High Heels (1991), so gelingt es ihm dennoch einmal mehr seinem Film ein frisches Antlitz und einen eigenständigen Charme zu verpassen. Sein Film ist nicht bloß ein Versatzstück seiner früheren Filme, denn er versteht es wie wenige andere gegenwärtige Filmemacher, seine Filme stets unterschiedlich wirken zu lassen. Natürlich beschäftigt er sich auch in Zerrissene Umarmungen mit universellen Themen, die ihm schon immer am Herzen lagen und die er auch schon in anderen Filmen behandelte. Aber auch wenn er seine bevorzugten Themen hat um die er seine Filme aufbaut, so gelingt es ihm trotzdem meistens sich mit seinen Filmen neu zu definieren und die Inszenierungen seiner Geschichten zu variieren, die keinen seiner Filme gleich erscheinen lassen.

Wie immer stützt sich sein Film als aller erstes auf ein derart gekonnt geschriebenes Drehbuch, dass man eigentlich neidisch darauf werden muss. Aber damit allein ist es noch nicht getan. Almodovar wäre nicht der großartige Filmemacher, der er ohne Zweifel ist, wenn er sich „bloß“ auf einem qualitativ hochwertigen Drehbuch ausruhen würde. Er versteht sich zudem auch darauf seine Drehbücher originell und erfrischend in Szene zu setzen und gleichzeitig das Beste aus seinen Schauspielern heraus zu holen. Dabei darf man aber natürlich auch nicht außer Acht lassen, dass er sich immer mit überaus talentierten Schauspielern umgibt und die Rollen besetzt. So auch in Zerrissene Umarmungen. Penelope Cruz, ein Fixstern am filmischen Firmament des Regisseurs, stellt dabei eindeutig das glanzvolle Gravitationsfeld dar um das Figuren und Geschichte rotiert. Gleichzeitig ist sie aber nicht die eigentliche Hauptfigur des Films. Dies ist der bei einem Autounfall vor 14 Jahren erblindete Filmemacher Mateo Blanco/Harry Caine (Lluis Homar).

Seit seiner Erblindung schreibt, lebt und liebt Harry Caine in Finsternis. Einstmals bekannt als der große Filmemacher Mateo Blanco, hat er nach seinem Unfall diesen Namen abgelegt, und benutzt fortan nur mehr sein Pseudonym Harry Caine um seine literarischen Arbeiten, Geschichten und Drehbücher zu schreiben. Dabei unterstützen ihn seine ehemalige Produktionsleiterin Judit Garcia (Blanco Portillo) und ihr Sohn Diego (Tamar Novas). Als ein gewisser Ray X (Ruben Ochandiano) bei Harry vorstellig wird, der mit ihm ein Filmprojekt realisieren möchte, kommt ihm der junge Mann seltsam bekannt vor. Plötzlich werden in Harry wieder alte Erinnerungen geweckt, deren Heraufbeschwörung er seit 14 Jahren erfolgreich unterdrückt hat und die nun unaufhaltsam an die Oberfläche zurück kommen.

H
arry beginnt Diego aus seiner Vergangenheit zu erzählen, ganz wie ein Vater seinem Kind eine Gutenachtgeschichte erzählt. Die Geschichte von Mateo, Lena (Penelope Cruz), Judit und Ernesto Martel (Jose Luis Gomez) handelt von einer fatalen Vierecksbeziehung, die ihren eindringlichsten symbolhaften Ausdruck in einem Foto zweier sich innig umarmender Liebenden findet, das in tausend kleine Stücke zerrissen ist. Darüber hinaus bilden die vier Hauptfiguren ein typisches Quartett eines „Film noir“. Alle werden von ihren obsessiven Begierden geleitet und zum Teil auch dadurch in ihr Verhängnis gestürzt.

Zerrissene Umarmungen ist ohne jeden Vorbehalt ein empfehlenswerter Film, unterhaltsam und berührend zugleich erzählt er die Geschichte seiner Figuren. Obwohl der Film des weiteren ein gutes Drehbuch, eine einfallsreiche Regie und talentierte Schauspieler aufweisen kann, fehlt ihm doch das gewisse Etwas. An manchen Stellen wirkt der Film eine Spur zu gekünstelt, zu konstruiert, die Motivationen der Figuren sind nicht immer ganz klar oder noch schlimmer, sie sind nicht immer ganz nachvollziehbar. Trotz aller Emotionen und berührender Kraft, verleiht das dem Film stellenweise eine gewisse Distanz, die sich vor allem dadurch äußert, dass nur vereinzelte Teile des Films wirklich im Gedächtnis hängen bleiben. Leider fehlt Zerrissene Umarmungen die Brillanz früherer Almodovar Werke wie Alles über meine Mutter (1999) oder Sprich mit ihr (2002).

Fazit:

Zerrissene Umarmungen mag vielleicht nicht die Genialität anderer Pedro Almodovar Filme besitzen, ist aber dennoch ein überaus sehenswerter, gelungener und wunderschöner kleiner Film, der sich wohltuend und erfrischend von großen Hollywoodfilmen abhebt. Die wenigen negativen Aspekte des Films gehen zum Glück in der Masse der positiven Aspekte unter, wodurch die Mängel des Films schnell vergessen werden. Zerrissene Umarmungen ist darüber hinaus eine Liebeserklärung an das Kino und an die Leidenschaft des Filmemachens. Wenngleich kein Meisterwerk, so ist Zerrissene Umarmungen dennoch ein großartiger Film, für den sich ein Kinobesuch auf jeden Fall lohnt.

Wertung:

8/10 Punkte

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Ø Wertung: 7.4/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 9
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Liste von sara_van
Erstellt: 19.09.2012