Dangerous Minds

OT: -  99 Minuten -  Drama
Dangerous Minds
Kinostart: 04.01.1996
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Dangerous Minds

Von am

Ach, ist das auch schon wieder 10 Jahre her? Ja, das waren noch Zeiten... Don Simpson kokste noch fleißig in seinem letzten Lebensjahr und brachte zusammen mit Kumpel Jerry Bruckheimer Jahr für Jahr den nächsten Sommerhit. Die penetrante Marketingkampagne versprach harten Realismus, weil das Drehbuch immerhin auf den angeblich authentischen Berichten der Lehrerin LouAnne Johnson beruhte und Coolio mit dem Titelsong „Gangsta’s Paradise“ auf MTV hoch- und runterlief. Seinen Bekanntheitsgrad hat „Dangerous Minds“ trotz nur planmäßiger Einspielergebnisse seit der penetranten Marketingkampagne weg und dennoch ist er nur Schaumschlägerei per Excellence, denn von diesen gearteten Filmen entlässt Hollywood zur zu gern mindestens ein Exemplar pro Jahr ins Kino.


Sozial benachteiligte, schwer erziehbare Schüler, die von ambitionierten Lehrkörpern zu Höchstleistungen getrieben werden, verkaufen sich dank des maroden, amerikanischen Schulsystems eben nach wie vor. Die Realität kann eben so einfach sein. Oder doch nicht? Dass diese Filme auch 10 Jahre später noch verträumte Abnehmer finden, sollte nachdenklich stimmen, zumal hierauf eine kurzlebige TV-Serie folgte. Doch das ist Bruckheimer und Simpson bekanntlich scheißegal. Geld machen ist ihre Sache und deswegen funktioniert „Dangerous Minds“ auch gerade noch für 90 Minuten als passabler Unterhaltungsfilm, der die Realität schönredet.

Aufgepeppt mit jeder Menge Ohrwürmern, ist es hier Michelle Pfeifer („Tequila Sunrise“, „One Fine Day“), ihres Zeichens ehemalige Soldatin und Karateexpertin, die an der Parkmont High School voller blauäugigem Enthusiasmus eine Klasse mit Problemschülern zu missionieren beginnt, anfangs natürlich auf taube Ohren und lernunwillige Schüler stößt, um dann unter den argwöhnischen Blicken des Schulleiters mit unorthodoxen Methoden an ihr Ziel zu gelangen gedenkt, ausgebremst wird und sich etwas Neues überlegt. Lernen gegen Belohnung lautet ihr Lösungsprinzip. Zu uns sagte der Lehrer damals noch „Ihr lernt nicht für mich, sondern für euch selbst!“.

Doch das ist ihrem Ego LouAnne Johnson zunächst einmal völlig Schnuppe, denn sie hat so allerlei Problemkinder bekannter Stereotypen in der Klasse. Die einen sind schwanger, die anderen Gangster oder einfach mit der entsprechenden Nullbockmentalität ausgestattet beziehungsweise von Haus aus entsprechend erzogen. Die gilt es unter einen Hut zu bekommen und zu kontrollieren. Die Lernwilligen sind rar gesät und deswegen gilt es Aufmerksamkeit zu erhalten und sich kontinuierlich zu ihnen vorzuarbeiten, indem man zuerst die Rädelsführer für sich einnimmt und auch mal zu Hause, den völlig maroden, armseeligen Bauten, vorbeischaut, um den Eltern auf den Zahn zu fühlen.

„Dangerous Minds“ ist eine als Drama getarnte, plakative und polarisierende Klischeeanhäufung ohne Problemlösung, aber dafür einer sich nicht klein kriegen lassenden Pädagogin, die sich allen Schwierigkeiten stellt und sie leidenschaftlich löst, der dann aber an der Grenze zum Erfolg der Boden unter den Füßen weggezogen wird, damit der Film nicht schon nach 60 Minuten vorbei ist und sie zu schweben beginnt.

Denn das Drama kommt faustdick und zwar kurz vor Schluss. Wenn wir wissen, dass LouAnne auch ihre Dämonen mit sich herumträgt, was eigentlich nie ein Thema ist, aber sich ganz praktisch als Argumentationsmittel in einem Dialog mit ihrer besten, unglücklicherweise schwangeren Schülerin macht, hat sie unser Mitgefühl und noch eine Portion mehr, als zum Schluss der ans Herz gewachsene Schüler hops geht, weil er keine Manieren hat und nicht anklopft. Doch das soll schnell vergessen sein, als die Schüler der sich eigentlich verabschiedenden, zumindest in einem Fall gescheiterten Lehrerin in einem rührseligen Appell an sie richten und zum Bleiben drängen. Schluchz, so rührselig kann das Verleugnen der Realität sein.

Fazit:
Regisseur John N. Smith tischt dem Publikum hier ein ultraklebriges Schuldrama mit den gängigen Klischees auf höchst lustlose Weise auf und vergisst dabei nicht einen immerhin eingängigen Soundtrack dazuzumengen. So wie sich das auch gehört. Diese fadenscheinigen Streifen der immer selben Formel, so unterhaltend die einige auch finden mögen, gehen mir jedenfalls inzwischen nur noch auf den Senkel. Verlogen bis in den letzten Frame kungeln sich diese Film einen Kokolores zurecht, dass die Schwarte kracht. Wir haben sie hier alle versammelt: Die idealistische Lehrerin mit den revolutionären Ideen, der lethargische Schulapparat der davon nichts hören will, die chancenlosen zu euphorischen Musterschülern formierten Problemkinder, die schier geniale Motivationsmethode und das Quäntchen Schicksal zum Schluss, um das dramatische Finale mit Tränenguss einzuläuten. Bitte, wer davon nicht genug bekommt, der kann daran gern glauben. Von dieser Sorte gibt es leider zu viele, doch einige sind zumindest spannend, gut gespielt und bei weitem nicht so realitätsfern wie „Dangerous Minds“.

 

Wertung:

3/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.6/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 8
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