![]() ![]() Inglourious Basterds OT: Inglourious Basterds Regie: Quentin Tarantino Drehbuch: Quentin Tarantino Darsteller: Brad Pitt, Christoph Waltz, Mélanie Laurent, Eli Roth, Til Schweiger, Michael Fassbender, Daniel Brühl, August Diehl, Diane Kruger, Mike Myers Filmstart: 21.08.2009 | Laufzeit: xx Minuten | Actionfilm |
Achtung: Diese Kritik bezieht sich ausschließlich auf die englische Originalversion des Films. Da Inglourious Basterds viel Reiz aus dem Einsatz der verschiedenen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch) und weiters sogar durch den Einsatz von Dialekten gewinnt, wird die deutsche Synchronfassung ein völlig anderes, und verzerrtes Filmerlebnis werden, das nicht ansatzweise an die Originalversion heranreichen kann. Viele Witze bauen auf den Sprachen auf, viele Handlungsfäden beziehen sich auf die Sprachen, und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dies alles in eine vernünftige Synchronfassung gebracht werden kann. Diese Warnung mag für viele kleinlich klingen, aber jeder der den Film in der OV gesehen hat, wird den Einwand verstehen, und auch einsehen warum diese Warnung gleich den Beginn der Kritik ziert. Die Originalversion eines Films ist immer empfehlenswert, aber hier ist es fast unumgänglich, wenn man etwas von der ursprünglichen Intention des Films mitbekommen will.
So kann es manchmal gehen: Im Vorfeld musste man damit rechnen, dass Quentin Tarantino’s neuestes Werk Inglourious Basterds auf Grund von übertriebener Brutalität und seinem Thema, zu einem kleinen Skandalfilm in Cannes werden würde. Stattdessen sprachen alle nur über Lars von Triers Antichrist, und die Reaktionen auf den neuen Tarantino Film fielen eher verhalten aus. Es ist halt so wie man es von Tarantino kennt: Während die einen nur in den Film gehen um ihn mies zu finden (und sich schließlich die voreingenommene Meinung bestätigen lassen), jubeln die Anhänger des Regisseurs und sprechen von einem Meisterwerk. Wie so oft im Leben findet sich auch hier die Wahrheit irgendwo dazwischen: Tarantino ist zwar mit Inglourious Basterds kein neuer Pulp Fiction gelungen, aber verdammt unterhaltsam bleibt der Film dennoch.
Man kann über Quentin Tarantino denken was man will (und die meisten werden einem seiner Filme immer voreingenommen begegnen), aber eines muss man über den Regieexzentriker sagen: Er hat ein Gefühl für das, was Kino ausmacht und in seinen Filmen sind es nie die großen, oder gar feinsinnigen, Geschichten die faszinieren, sondern viel mehr was Tarantino aus ihnen macht. Meistens sind die zugrunde liegenden Storys nur das was man gerne als „Schund“ bezeichnet, bzw. um es weniger wertend auszudrücken, weniger tiefsinnige, simple Geschichten. Sei es der klassische Heist-Film (Reservoir Dogs), die Verneigung vor der den Schundromanen (Pulp Fiction), eine klassisch-schäbige LA Story (Jackie Brown), eine einzige durchgeknallte Hommage an diverse Genres (Kill Bill) oder der Kniefall vor dem Schundkino selbst (Death Proof).
In Inglourious Basterds erkennt man aber nicht mehr den gewohnten Tarantino, sondern einen der versucht hat neue Akzente zu setzen. Geblieben sind ihm zwar die unverkennlichen (und schwer unterhaltsamen) Dialoge, der Spaghetti-Western Touch (man denke nur an die Anfangssequenz, als Referenz an Spiel mir das Lied vom Tod oder den Ennio Morricone Score) und die Einteilung in Kapitel, doch ansonsten fühlt sich Inglourious Basterds anders an als Tarantino’s vorige Werke. Der Film besitzt dabei eine relativ grobe Einteilung in Kapitel, die bewirken, dass keine wirklich durchgehende Geschichte erzählt wird, sondern die Story in einzelne Fragmente gebrochen wird, die sich aber insgesamt gesehen zu einem zufriedenstellenden Ganzen fügen, was eine sehr befriedigende Form des Geschichtenerzählens ist.
Brad Pitt reicht zwar nicht an Waltz heran, aber dank seines, unwahrscheinlich komischen, Akzents, und einer dementsprechenden dümmlichen Mimik hat auch er viele Lacher auf seiner Seite. Besonders wenn sich der unverständlich sprechende Südstaatensoldat als italienischer Kameramann tarnt, und versucht sich mittels schrecklichem Italienisch zu verständigen, bleibt kein Auge trocken, und ein Lachkrampf ist vorprogrammiert. Doch auch die restlichen Darsteller brauchen sich nicht zu verstecken. Til Schweiger fügt sich beispielsweise überraschend gut in die Darstellerriege ein und wirkt äußerst stimmig in seiner Rolle, Mélanie Laurent bietet den emotionalen Anker der Geschichte und auch die Fülle an weiteren (vor allem deutschsprachigen) Nebendarstellern, wie Daniel Brühl, Diane Kruger, Gedeon Burkhart oder August Diehl überzeugen mit ihren Darbietungen. Doch Tarantino konnte bis jetzt immer noch durch eine glänzende Schauspielerführung überzeugen, sodass man sich diese starken Leistungen auch schon fast erwarten konnte.
Dies bringt mich auch schon zu meiner abschließenden Bemerkung: Die Werbung zum Film meint „You haven't seen war until you see it through the eyes of Quentin Tarantino“ und diese Aussage ist gleichzeitig wahr und falsch. Sie ist falsch, weil Inglourious Basterds sicher nicht das Meisterwerk ist, dass Tarantino gerne abgeliefert hätte, aber sie ist wahr, weil man sich immer bewusst sein muss, dass man hier den Krieg im Tarantinouniversum sieht. Und das ist eben keine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem (zweifellosen sehr ernstem) Thema, sondern eine kleine, dreckige Schundgeschichte, die auf ihre kleine, dreckige Art einfach Spaß machen soll. Und Tarantino schafft es durch Absurditäten, Pulp und das richtige Gespür für die Inszenierung, eben diesen Spaß heraufzubeschwören. In diesem Sinne: Job gut gemacht Herr Tarantino. Weiter so!
Fazit:
Was kann man sich vom neuen Tarantino Film erwarten? Auf jedenfall grandiose Darsteller wie den umwerfenden Christoph Waltz, den unterhaltsamen Brad Pitt und eine unüberschaubare Riege an tollen Nebendarstellern. Man kann sich aber auch einen schwer unterhaltsamen Film erwarten, der treu mit seinen schundhaften Wurzeln umgeht, sie aber filmisch sehr ordentlich inszeniert auf die Leinwand bringt. Man sollte sich aber auf keinenfall ein Meisterwerk erwarten, denn dazu fehlt es Inglourious Basterds an Innovation und durchgehendem Unterhaltungslevel. Denn bei aller Liebe zum Film muss man einräumen, dass Inglourious Basterds nicht ohne Längen ist, und auch über das Ende, rund um die explosive Kraft des Kinos, kann man diskutieren, aber insgesamt macht es einfach verdammt viel Spaß Quentin Tarantino zuzusehen mit welcher Liebe er aus dem reichen Schatz der Filmgeschichte zitiert und sich hier einfach so richtig austobt. Also allen Kritikpunkten zum Trotz ist Inglourious Basterds einfach ein verdammt unterhaltsamer Film. Aber bitte in der Originalversion schauen (siehe erster Absatz), dann ist für einen spaßigen Abend gesorgt.
Wertung:
8/10 Punkte

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