Inglourious Basterds

OT: Inglourious Basterds - xx Minuten - Actionfilm
Inglourious Basterds
Kinostart: 21.08.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Inglourious Basterds

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Achtung: Diese Kritik bezieht sich ausschließlich auf die englische Originalversion des Films. Da Inglourious Basterds viel Reiz aus dem Einsatz der verschiedenen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch) und weiters sogar durch den Einsatz von Dialekten gewinnt, wird die deutsche Synchronfassung ein völlig anderes, und verzerrtes Filmerlebnis werden, das nicht ansatzweise an die Originalversion heranreichen kann. Viele Witze bauen auf den Sprachen auf, viele Handlungsfäden beziehen sich auf die Sprachen, und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dies alles in eine vernünftige Synchronfassung gebracht werden kann. Diese Warnung mag für viele kleinlich klingen, aber jeder der den Film in der OV gesehen hat, wird den Einwand verstehen, und auch einsehen warum diese Warnung gleich den Beginn der Kritik ziert. Die Originalversion eines Films ist immer empfehlenswert, aber hier ist es fast unumgänglich, wenn man etwas von der ursprünglichen Intention des Films mitbekommen will.


So kann es manchmal gehen: Im Vorfeld musste man damit rechnen, dass Quentin Tarantino’s neuestes Werk Inglourious Basterds auf Grund von übertriebener Brutalität und seinem Thema, zu einem kleinen Skandalfilm in Cannes werden würde. Stattdessen sprachen alle nur über Lars von Triers Antichrist, und die Reaktionen auf den neuen Tarantino Film fielen eher verhalten aus. Es ist halt so wie man es von Tarantino kennt: Während die einen nur in den Film gehen um ihn mies zu finden (und sich schließlich die voreingenommene Meinung bestätigen lassen), jubeln die Anhänger des Regisseurs und sprechen von einem Meisterwerk. Wie so oft im Leben findet sich auch hier die Wahrheit irgendwo dazwischen: Tarantino ist zwar mit Inglourious Basterds kein neuer Pulp Fiction gelungen, aber verdammt unterhaltsam bleibt der Film dennoch.

Wir schreiben das Jahr 1941: Hauptsturmführer Hans Landa (Christoph Waltz), bekannt als gnadenloser, aber charmanter Judenjäger, entdeckt eine versteckte jüdische Familie und exekutiert sie. Nur Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) kann fliehen. Doch der Naziterror könnte bald zu Ende gehen: Denn eine jüdisch-amerikanische Spezialeinheit, genannt die Basterds, unter der Leitung von Aldo Raine (Brad Pitt) ist in Frankreich unterwegs, tötet Nazis und raubt deren Skalps als Trophäe. Vier Jahre nach Shosanna’s Flucht lebt sie in Paris und leitet ein Kino. Kriegsheld Frederick Zollner (Daniel Brühl) hat ein Auge auf sie geworfen und lässt veranlassen, dass die Premiere von Stolz der Nation in ihrem Kino stattfindet. Man erwartet dort die hochrangige deutsche Führungsriege, was natürlich auch die Basterds anlockt…

Man kann über Quentin Tarantino denken was man will (und die meisten werden einem seiner Filme immer voreingenommen begegnen), aber eines muss man über den Regieexzentriker sagen: Er hat ein Gefühl für das, was Kino ausmacht und in seinen Filmen sind es nie die großen, oder gar feinsinnigen, Geschichten die faszinieren, sondern viel mehr was Tarantino aus ihnen macht. Meistens sind die zugrunde liegenden Storys nur das was man gerne als „Schund“ bezeichnet, bzw. um es weniger wertend auszudrücken, weniger tiefsinnige, simple Geschichten. Sei es der klassische Heist-Film (Reservoir Dogs), die Verneigung vor der den Schundromanen (Pulp Fiction), eine klassisch-schäbige LA Story (Jackie Brown), eine einzige durchgeknallte Hommage an diverse Genres (Kill Bill) oder der Kniefall vor dem Schundkino selbst (Death Proof).

Tarantino’s Vorlagen sind meistens abgegriffen, schäbig und trashig, und auch Inglourious Basterds ist hier keine Ausnahme, hat sich Tarantino doch vom italienischen Exploitation Kino, genauer gesagt von Ein Haufen verwegener Hunde, zu seiner eigenen Version der „Männer-auf-Mission“ Geschichte inspirieren lassen. Der Grund warum Tarantino’s Filme so gut wie immer dennoch funktionieren (lediglich Death Proof funktioniert für mich nicht wirklich) ist, dass der Regisseur über ein fundiertes Wissen über die Filmgeschichte und die Pop-Kultur verfügt, und es wie kaum ein anderer schafft seine Filme mit Zitaten zu durchziehen. Viele kritisieren hier, dass Tarantino gar keinen eigenen Stil habe, sondern nur zitieren würde, und seine Figuren quatschen lässt. Doch genau das ist eben sein Stil. Für manchen mag das Konzept nicht aufgehen, aber Tarantino’s Handschrift erkennt man auf jedenfall.

In Inglourious Basterds erkennt man aber nicht mehr den gewohnten Tarantino, sondern einen der versucht hat neue Akzente zu setzen. Geblieben sind ihm zwar die unverkennlichen (und schwer unterhaltsamen) Dialoge, der Spaghetti-Western Touch (man denke nur an die Anfangssequenz, als Referenz an Spiel mir das Lied vom Tod oder den Ennio Morricone Score) und die Einteilung in Kapitel, doch ansonsten fühlt sich Inglourious Basterds anders an als Tarantino’s vorige Werke. Der Film besitzt dabei eine relativ grobe Einteilung in Kapitel, die bewirken, dass keine wirklich durchgehende Geschichte erzählt wird, sondern die Story in einzelne Fragmente gebrochen wird, die sich aber insgesamt gesehen zu einem zufriedenstellenden Ganzen fügen, was eine sehr befriedigende Form des Geschichtenerzählens ist.

Auch fällt es schwer zu sagen wer die eigentliche Hauptfigur des Films ist. Wahrscheinlich ist es am einfachsten wenn man von drei zentralen Darstellern ausgeht, die das Herz des Films bilden: Mélanie Laurent und Brad Pitt die jeweils ihre Handlungsstränge tragen und der überragende Christoph Waltz, der als viersprachiger (Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch) Geist durch die Handlungsstränge wandert und den ganzen Film zusammenfügt. Quentin Tarantino meinte selbst, dass er schon befürchtete eine unspielbare Figur geschaffen zu haben, da er so lange brauchte, bis er den richtigen Darsteller für die Rolle des Hans Landa gefunden hatte. Und Waltz ist wirklich ein Glücksgriff für den Film, denn der österreichische Topdarsteller, der den meisten wohl erst nach diesem Film ein Begriff sein wird, ist das eindeutige schauspielerische Glanzlicht des Films und sorgt mit seiner Mischung aus Charme, Weltgewandtheit, Exzentrik und Wahn für einen äußerst prägnant gespielten und gleichermaßen unterhaltsamen, wie packenden Bösewicht. Waltz hat sicher nicht zu Unrecht die Goldene Palme als Bester Darsteller in Cannes erhalten, und nicht wenige munkeln bereits über eine Oscarnominierung.

Brad Pitt reicht zwar nicht an Waltz heran, aber dank seines, unwahrscheinlich komischen, Akzents, und einer dementsprechenden dümmlichen Mimik hat auch er viele Lacher auf seiner Seite. Besonders wenn sich der unverständlich sprechende Südstaatensoldat als italienischer Kameramann tarnt, und versucht sich mittels schrecklichem Italienisch zu verständigen, bleibt kein Auge trocken, und ein Lachkrampf ist vorprogrammiert. Doch auch die restlichen Darsteller brauchen sich nicht zu verstecken. Til Schweiger fügt sich beispielsweise überraschend gut in die Darstellerriege ein und wirkt äußerst stimmig in seiner Rolle, Mélanie Laurent bietet den emotionalen Anker der Geschichte und auch die Fülle an weiteren (vor allem deutschsprachigen) Nebendarstellern, wie Daniel Brühl, Diane Kruger, Gedeon Burkhart oder August Diehl überzeugen mit ihren Darbietungen. Doch Tarantino konnte bis jetzt immer noch durch eine glänzende Schauspielerführung überzeugen, sodass man sich diese starken Leistungen auch schon fast erwarten konnte.

Ich will auch ganz ehrlich sein: Erwartet hatte ich mir nicht viel von diesem Film und am Ende wurde ich doch ziemlich vom Gezeigten überrascht. Ursprünglich musste man, dank einer dementsprechenden Inhaltsangabe, von einem durchgehend brutalen Schlachtfest ausgehen, aber Inglourious Basterds ist schließlich nicht ansatzweise so brutal wie erwartet geworden. Gut, es gibt einige skalpierte Deutsche, aber zwischen der (ohnehin nicht besonders deftigen) Gewalt, gibt es so viele Dialogszenen, dass der Actionanteil deutlich in den Hintergrund geschoben wird. Das positive ist hierbei, dass die Dialoge (obwohl so banal wie man es von Tarantino erwartet) schwer unterhaltsam sind, und der Film auch sehr viel Reiz aus eben diesen gewinnt. Das Negative ist jedoch, dass der Film definitiv zu lange geworden ist, sodass sich auch immer wieder etwas Leerlauf eingeschlichen hat, und etwas Zeit bis zum nächsten Lacher vergeht.

Dies bringt mich auch schon zu meiner abschließenden Bemerkung: Die Werbung zum Film meint „You haven't seen war until you see it through the eyes of Quentin Tarantino“ und diese Aussage ist gleichzeitig wahr und falsch. Sie ist falsch, weil Inglourious Basterds sicher nicht das Meisterwerk ist, dass Tarantino gerne abgeliefert hätte, aber sie ist wahr, weil man sich immer bewusst sein muss, dass man hier den Krieg im Tarantinouniversum sieht. Und das ist eben keine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem (zweifellosen sehr ernstem) Thema, sondern eine kleine, dreckige Schundgeschichte, die auf ihre kleine, dreckige Art einfach Spaß machen soll. Und Tarantino schafft es durch Absurditäten, Pulp und das richtige Gespür für die Inszenierung, eben diesen Spaß heraufzubeschwören. In diesem Sinne: Job gut gemacht Herr Tarantino. Weiter so!

Fazit:

Was kann man sich vom neuen Tarantino Film erwarten? Auf jedenfall grandiose Darsteller wie den umwerfenden Christoph Waltz, den unterhaltsamen Brad Pitt und eine unüberschaubare Riege an tollen Nebendarstellern. Man kann sich aber auch einen schwer unterhaltsamen Film erwarten, der treu mit seinen schundhaften Wurzeln umgeht, sie aber filmisch sehr ordentlich inszeniert auf die Leinwand bringt. Man sollte sich aber auf keinenfall ein Meisterwerk erwarten, denn dazu fehlt es Inglourious Basterds an Innovation und durchgehendem Unterhaltungslevel. Denn bei aller Liebe zum Film muss man einräumen, dass Inglourious Basterds nicht ohne Längen ist, und auch über das Ende, rund um die explosive Kraft des Kinos, kann man diskutieren, aber insgesamt macht es einfach verdammt viel Spaß Quentin Tarantino zuzusehen mit welcher Liebe er aus dem reichen Schatz der Filmgeschichte zitiert und sich hier einfach so richtig austobt. Also allen Kritikpunkten zum Trotz ist Inglourious Basterds einfach ein verdammt unterhaltsamer Film. Aber bitte in der Originalversion schauen (siehe erster Absatz), dann ist für einen spaßigen Abend gesorgt.


Wertung:

8/10 Punkte

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Ø Wertung: 7.7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 162
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