Die Hochzeits-Crasher

OT: -  119 Minuten -  Komödie
Die Hochzeits-Crasher
Kinostart: 14.07.2005
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die Hochzeits-Crasher

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Die qualitative Unterversorgung machte im enttäuschende Kinojahr 2005 auch nicht vor dem Comedy-Sektor halt. Gut, dass es Ausnahmen gab und Regisseur David Dobkin („Clay Pigeons“, „Shanghai Knights“) mit „Wedding Crashers“ einen Überraschungserfolg (allein über 200 Millionen Einspiel allein in den U.S.A.) servierte, der über weite Strecken schwerste Kaliber aufs Zwerchfell ausrichtet, nur leider am Ende nicht ganz die Kurve bekommt und deshalb den Sprung in die Oberliga nicht schafft.

Owen Wilson („Armageddon“, „Meet the Parents”), der im Duett stets sehr viel besser ist, geht zusammen mit Kumpel Vince Vaughn („Dodgeball: A True Underdog Story“, „Be cool“) einem höchst unanständigen Hobby nach. Die beiden Schlichter in Scheidungsfällen sind Profis darin sich selbst auf Hochzeitsfeiern einzuladen, als entfernte Verwandte auszugeben, sich so richtig durchzufressen und nebenbei stets eine knackige Frau flachzulegen. Bei diesem Vergnügen soll der Film auch erst einmal verbleiben. Die beiden sind nämlich absolute Profis ihres Fachs und wenn die Hochzeitssaison beginnt, nehmen die beiden sich erst einmal Urlaub und sind wochenlang nur damit beschäftigt von einer Feier zur nächsten zu eilen. Daraus haben sie längst eine akribische Wissenschaft mit diversen Verhaltensregeln entwickelt.

Viel Handlung gibt es deswegen natürlich nicht. Party ist angesagt und davon gibt es reichlich. Die beiden feiern stets dreist und ungeniert ab, sind nie um eine phantasievolle Tarnung verlegen, machen vor keiner Religion und vor keiner Zeremonie Halt und geifern den auserkorenen, gutaussehenden Frauen obszön hinterher. Den beiden ist absolut nichts heilig, was bei den ausgelassenen Feiern dann auch bei den Gästen gut ankommt, denn die beiden sind Stimmungskanonen sondergleichen, worüber sich vor allem das weibliche Geschlecht freut.

Den Unterschied, vor allem zu den ewig identisch gestrickten Teenie-Komödien der jüngeren Generation, macht hier das Rezept. Denn der treffsichere Humor ergreift lediglich dezent Gross Out – Elemente, driftet ab und an auch einmal auf die alberne Schiene ab, hält sich dabei aber nie länger als nötig unter der Gürtellinie auf und verfügt zudem über zwei spritzige Vollblutkomiker, die sich in Nullkommanix mit ihren Slapstickeinlagen die Sympathien des Publikums erspielen, obwohl ihr Hobby doch arg verwerflich erscheint. Böse kann man den beiden Jungs jedoch eigentlich nicht sein. Owen Wilson spielt dabei eben seinen Standardpart, doch Vaughn, der so ziemlich alle Missgeschicke und Peinlichkeiten auf sich vereint und das dann auch entsprechend kommentiert, hat die Nase ein Stück vorn.

Erst als eine der drei Töchter von U.S. - Finanzminister Cleary (leider unterbeschäftigt: Christopher Walken, „King of New York“, „God’s Army“), einem mächtigen, einflussreichen Mann, der möglicherweise der nächste Präsidentschaftskamerad sein wird, heiratet, beginnt für beide sich die Welt plötzlich zu verändern. John (Wilson) verliebt sich Hals über Kopf in Clearys andere Tochter Claire (Marke Traumfrau: Rachel McAdams, „Red Eye“), die allerdings mit einem Schein-Traumschwiegersohn aus angesehenem Haus liiert ist, und Jeremy (Vaughn) lässt sich mit der dritten Tochter Gloria (Isla Fisher) ein. Weil er glaubt, sie am Strand entjungfert zu haben und Gloria nun total aufgedreht wie eine Klette an ihm hängt, müssen beide Clearys Einladung annehmen, am Wochenende mit auf sein Landhaus zu kommen, um dort ein paar Tage mit der Familie zu verbringen. Der Auftakt zu turbulenten Filmminuten, die John nutzt, um bei Claire zu landen während Jeremy versucht Gloria zu entkommen...

David Dobkin schraubt zur Filmmitte die Gagfrequenz auf ein Qualitätsniveau, das sich knapp hinter Genreprunkstücke wie „Meet the Fockers“ einordnet. Von dem schwulen Sohnemann, das schwarze Schaf der Familie, das bald etwas von Jeremy will, über die fluchende Oma bis hin zu Clearys freizügiger Frau Kathleen (Jane Seymour), die ständig John angräbt, gibt es hier jede Menge abgedrehter Figuren. Zudem stellt sich Claires Freund auch noch (passend) als Charakterschwein heraus und einige irrwitzige Momente, wie Fremdmasturbation beim Abendbrot oder eine nächtliche Vergewaltigung der etwas anderen Art, geben sich ein Stelldichein. In dieser Phase ist „Wedding Crashers“ dann wirklich ein Comedy-Highlight, bei dem das Zwerchfell arg malträtiert wird und man schon einmal die Sauerstoffflasche bereitstellen sollte.

Was dabei gezeigt wird, ist nicht unbedingt neu, doch David Dobkin ist dazu in der Lage, diesen eigentlich bekannten Stoff inklusive einiger konventionellen Momente lange Zeit sehr frisch aussehen zu lassen, was er natürlich vor allem seinem Comedy-Duo zu verdanken hat. Der eine will sichtlich entnervt beziehungsweise angefressen nur das Wochenende hinter sich bringen und der andere eben schmachtend nur die richtigen Signale im richtigen Moment senden. Die gegensätzlichen Einstellungen der beiden sorgt dann auch für Zoff, woraus sich dann wieder ein paar tolle Kommentare ableiten lassen.

Schade, dass der Film dann im letzten Drittel noch seinen Moralischen bekommt und sein Duo, nachdem sie ein wenig über ihr Tun und die Liebe nachgedacht haben, in geordnete Bahnen schickt, wo dann die große Liebe nebst Hochzeit wartet, sich alle etwaigen Probleme in Luft auflösen und sogar Christopher Walken keine Bedenken mehr anmeldet. Die Tarnung fliegt auf, die Jungs werden geläutert, wozu auch ein köstlicher Auftritt von Will Ferrell („Old School“, „Bewitched“) als eine Art Hochzeits-Crasher-Mastermind, der sich inzwischen aber auf Beerdigungen (!!!) spezialisiert hat, gehört, raufen sich nach einem Streit dann wieder zusammen. Alles wie vorhergesagt, aber dafür rücken ihre weiblichen Gegenparts überraschend weit von gewohnten Stereotypen ab.

Darin liegt im übrigen auch der Erfolg mitbegründet. So wenig neu die Idee an sich auch ist, „Wedding Crashers“ wirkt äußerst unverbraucht und gibt dem Zuschauer nie das Gefühl hier nur die x-te Version eines abgestandenen Themas vorgesetzt zu bekommen. Dazu tragen vor allem Wilson und Vaughn ihren Anteil bei, die in den letzten Jahren bekanntlich einige gute Komödien mitverantworteten und das obwohl beide erst im Nachhinein in dieses Fach wechselten. Vielleicht war auch genau das der Weg zum Erfolg, denn natürliche Komiker sind immer noch besser als angelernte Clowns.

Da darüber hinaus noch ironisch mit ein paar Hochzeitsklischees ins Gericht gegangen wird und sich das Duo Wilson / Vaughn herrliche Wortgefechte liefert beziehungsweise den Partner auch gern mal so behandelt, wie man nicht sollte, sofern es denn die Situation erfordert und man selbst gerade gut dastehen will, bleibt „Wedding Crashers“ stets eine würzige, nie abgegriffene, sondern immer flotte und gagreiche Angelegenheit, die trotz vieler bekannter Elemente immer funktioniert. Eine Seltenheit im Comedyfach, dass bekannte Motive mit einer so sicheren Hand fürs Timing stets ihr Ziel finden.

Fazit:
Trotz fehlender Originalität gute Slapstickkomödie mit zwei spielfreudigen Hauptdarstellern, die zum Schluss dann leider etwas nachlässt, sich bis dahin jedoch als erstklassiges Gagfeuerwerk ausweist. Das Tempo ist hoch, die manchmal derben Witze sind enorm treffsicher und ihre Staffelung eng. Skurrile Nebenfiguren supporten eifrig und wenn nichts mehr geht, wird eben die Brechstange ausgepackt und einwandfrei umgesetzte Situationskomik angewendet. Der Humor ist von Gross Out bis Slapstick breit gefächert, trifft jedoch stets ins Schwarze und gibt sich nie zu infantil Wenn der Hänger im letzten Drittel nicht wäre, hätte es zu einem Sprung in die Oberliga gereicht. So kann ich „Wedding Crashers“ aber dennoch jedem Fan gepflegter Komödienkost, die auch mal unter die Gürtellinie gehen darf, aber immer ein gewisses Niveau hält, empfehlen. Mehr davon!

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 15
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