Public Enemies

OT:  Public Enemies   -  144 Minuten -  Drama
Public Enemies
Kinostart: 07.08.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Public Enemies

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Wenn der Name Michael Mann fällt, dann kann man sich sicher sein, dass die Filmfans der Welt aufmerksam werden. In den 80er Jahren begann sein Aufstieg mit der Fernsehserie Miami Vice und dem ansprechenden Film Blutmond, gefolgt vom kometenhaften Aufstieg in den 90ern mit Der letzte Mohikaner, aber vor allem seinen Meisterwerken Heat und The Insider. Doch auch danach konnte Mann überzeugen: Zwar konnte Ali nicht an die Klasse seiner vorigen Filme anknöpfen, aber ein sehr guter Film ist es dennoch geworden, und danach folgte der endgültige Umstieg auf die Digitaltechnik mit Collateral und Miami Vice, die in meinen Augen beide grandios sind. Da Michael Mann aber mit Miami Vice sowol am Box-Office, als auch bei vielen Fans eher enttäuschte, wartete man gespannt auf seinen neuesten Film: Public Enemies, der leider „nur“ sehr gut ist, was bei Mann schon einer kleinen Enttäuschung gleich kommt.

John Dillinger (Johnny Depp) wird während der großen Depression und der Zeit der Weltwirtschaftskrise zu einer Art Robin Hood in Amerika. Gemeinsam mit seiner Crew raubt er Banken aus, und selbst eine Festnahme kann ihn nicht stoppen: Man hat kein Problem kurzerhand ins Gefängnis einzudringen und Dillinger wieder rauszuholen. Gleichzeitig hat der charmante Gangster das Herz von Billie Frechette (Marion Cotillard) erobert und versucht sein Liebesleben auf die Reihe zu bekommen. Entspannt geht es dabei nicht zur Sache, denn FBI Boss J. Edgar Hoover (Billy Crudup) hat Dillinger zum Staatsfeind Nummer 1 erklärt, und Melvin Purvis (Christian Bale) soll losziehen und den Räuber fassen...

Wenn Michael Mann ruft, dann kommen die Stars. In diesem Fall ist vor allem das Trio Johnny Depp, Marion Cotillard und Christian Bale besonders erwähnenswert. Im Zentrum steht dabei ganz klar John Dillinger, und da seine Figur auch die dankbarste des Films ist, gewinnt Johnny Depp ganz klar das Duell mit seinem männlichen Gegenpart. Konkurrenz bekommt er höchstens von Marion Cotillard, die mit ausdrucksstarkem Spiel ihre Nebenrolle ausnützt und dem ansonsten leider etwas gefühlskalten Film etwas Wärme gibt. Leider kann man von Christian Bale nicht in den selben hohen Tönen schwärmen.

Zu seiner Verteidigung muss natürlich gesagt werden, dass seine Rolle deutlich undankbarer ist als die von Johnny Depp, und dass er ausserdem auch weniger Screentime zur Verfügung bekommt. Doch dass der zweifellos talentierte Bale jetzt zum wiederholtem Mal gegenüber seinem Gegenüber verblasst (man beachte nur The Dark Knight, Todeszug nach Yuma und Terminator 4) sollte schon ein bisschen zu denken geben. In Public Enemies darf er vor allem den stets gleichen Gesichtsausdruck zeigen, und dank mangelnder Emotion und fehlender Charaktertiefe schafft er es auch nicht der Figur seinen Stempel aufzudrücken.

Jeder der die letzten Arbeiten von Michael Mann kennt, der weiß, dass die Digitaltechnik scheinbar sein bester Freund geworden ist. Bei Ali experimente er bereits mit der Optik, und spätestens mit Collateral und Miami Vice ist er vollständig auf den Zug aufgesprungen. Man muss auch anmerken, dass man stets das Gefühl hatte, dass Mann ein Konzept hat, und die Optik hat (auch dank des fabelhaften optischen Gespürs des Meisterregisseurs) immer ausgezeichnet in den Film gepasst und für ein faszinierendes visuelles Gesamtpaket gesorgt. Speziell die Mann-typischen Nachtaufnahmen der Großstadt bekamen durch die Digitaltechnik ihren ganz eigenen Reiz.

Doch warum Mann darauf bestanden hat diese Optik auch für seinen historischen Film Public Enemies zu verwenden, lässt sich leider nur mehr dadurch erklären, dass Mann scheinbar ohne zu überlegen für jeden Film die Digitaloptik verwenden will, auch wenn diese überhaupt nicht in das historische Konzept und die zeitgenössische Ausstattung passt. Geschichte trifft auf die Moderne und man muss leider sagen, dass dieses Experiment eindeutig misslungen ist. Es wäre zuviel des Guten wenn man den gesamten Look des Films verteufelt, denn Michael Mann ist nun mal ein perfektionistischer Stylist und großer Handwerker, aber die Digitaloptik funktioniert in diesem Zusammenhang einfach nicht wie gewünscht.

Als letzten großen Negativpunkt muss man auch anführen, dass Public Enemies zwar eine große und epische Geschichte nacherzählt, aber sich dabei nicht wie ein Epos anfühlt. Vielleicht liegt es auch daran, dass den ganzen Film eine gewisse Kälte durchzieht, sodass man emotional nie ergriffen wird. Dies liegt wohl auch daran, dass man nicht das Gefühl hat, dass Michael Mann die Charaktere vollständig verstanden hat. Dillinger ist eben Dillinger, und er raubt Banken aus. Recht viel mehr trägt auch Public Enemies nicht zu seinem Mythos bei.

Das alles hört sich jetzt verdammt negativ an, aber dies sind nur die harten Kritikpunkte, die sich ein Virtuose wie Mann gefallen lassen muss, da man von ihm quasi immer ein neues Meisterwerk erwartet. Doch insgesamt gesehen ist Public Enemies ein sehr guter Film, der es schafft den Zuseher die ganze Zeit über bei der Stange zu halten und zu unterhalten. Dabei vermeidet es der Film geschickt sich beim Mainstream anzubiedern, und erinnert stellenweise sogar an einen Arthouse Film. Michael Mann ist eben nicht Michael Bay, und trotz so manchen (stark gefilmten) Actionsequenzen bleibt Public Enemies seinem küstlerischen Anspruch treu.

Fazit:
So mancher wird sich vielleicht wundern wie man nach der, eher negative klingenden Kritik, 8 Punkte vergeben kann. Ich bin eben ein Michael Mann Fan, und so bohren sich die Kleinigkeiten die bei seinem neusten Werk nicht passen eben sehr störend in mein Fleisch. Trotz allem ist sein Public Enemies jedoch ein sehr guter Film, der auch über einige wirklich starken Szenen verfügt und es schafft über seine gesamte Laufzeit zu unterhalten. Dabei richten sich die spröden Shoot-Outs von Michael Mann eher an ein Arthouse- als an ein Mainstreampublikum. Es ist nur eben so, dass das Drehbuch bei genauem Nachdenken kleine Ungereimtheiten entblößt, dass Christian Bale seine Rolle nicht so richtig toll spielt, dass die Digitaloptik in diesem Film einfach nicht funktioniert und vor allem dass Michael Mann dem Mythos Dillinger nicht wirklich eine neue Seite geben kann. Dies verhindert zwar, dass sich der Film zu Manns großen Filmen zählen darf, aber einen Kinobesuch sollte es nicht verhindern. Denn wie bereits erwähnt, bereits ein lediglich sehr guter Film ist für einen Michael Mann Fan schon eine kleine Enttäuschung, aber empfehlenswert bleibt der Film natürlich dennoch.

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 49
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Liste von purence
Erstellt: 25.11.2016