Wäre über BRUNO nicht so viel im Vorfeld berichtet worden, so wäre er das Gedöns, das jetzt um ihn gemacht wird, nicht wert: Sacha Baron Cohen alias Bruno provoziert in Amsterdam, New York, Los Angeles,... mit seinen Auftritten und Ansagen. Eine Sensation nach der anderen ist perfekt und vor allem der „g’standene“ Österreicher musste nach Aussagen über Kellerverliese und Hitlers Popularität um das Image der Alpenrepublik fürchten – getreu dem Motto „skandalös, skandalöser, skandal-österreich“. Im Film selbst wird Brunos Herkunft jedoch kaum thematisiert: Ausgerechnet aus Klagenfurt will der Moderator der beliebtesten Jugendshow „funkyzeit“ kommen, und JA, er will tatsächlich der berühmteste Österreicher seit Adolf Hitler werden. Genau dieses eine Mal fällt der Name Hitler im Film. Später nie wieder. Sogar die Anfangsszene, die in Wien spielen sollte, wurde in Berlin gedreht.
Zugegeben: In den kurzweiligen 85 Minuten Laufzeit ist BRUNO – vorausgesetzt man steht auf Cohens Brachialhumor – ein Lachfest sondergleichen. Eine skurrile Situation jagt die nächste, eine Provokation folgt der anderen, und immer wieder fallen Menschen, vornehmlich Amerikaner, auf den Sunnyboy rein. So auch der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Ron Paul, oder La Toya Jackson – die von Bruno nach der Handynummer ihres Bruders Michael gefragt wird. Eine Szene, die zum Zeitpunkt der Pressevorführung noch im Film war, nun aber aus Pietätsgründen und Furcht vor dem Zorn der Michael Jackson Fans (letzteres ist wohl eher zu vermuten, wenngleich die Bemerkungen wirklich harmlos sind) gestrichen wurde. Vermutlich zeigt sich aber auch gerade in dieser Haltung, worum es den Machern des Films eigentlich geht, nämlich zu provozieren um des Provozierens Willen, aber im Endeffekt soll doch Konsensstimmung herrschen. Bei BRUNO finden wir wirklich alle Vorurteile, die wir insgeheim gegenüber den doofen Amis hegen, bestätigt: Da gibt es Mütter, die ihre Babies für ein Fotoshooting ans Kreuz hängen würden, junge Männer, die stolz darauf sind, nicht schwul zu sein, und Selbstverteidigungsexperten, die wertvolle Tipps zur Abwehr gegen Homosexuelle liefern („sie nähern sich vermutlich von hinten!“). Sie alle dürfen, nein müssen sich schämen für so viel Blödheit. Und wir amüsieren uns herrlich auf Kosten anderer!
Fazit:
An BRUNO kommt in diesem Sommer einfach kein Weg vorbei – sei es nun aus filmischem Interesse, aus patriotischem Schutzempfinden oder einfach nur, weil aufgrund der Auftritte und der gigantischen PR-Maschinerie die Aufmerksamkeit auf den Film gelenkt ist. Wer BORAT mochte, wird auch hier sehr glücklich. Wie auch schon der Quasi-Vorgänger ist BRUNO allerdings kein Film, den man sich öfters ansehen wird – die meisten Gags zünden eben doch nur beim ersten Mal. Und wer sich eine ernsthafte Amerika-Satire erwartet, der bemerkt wohl auch ganz schnell, dass BRUNO der falsche Film ist.Wertung:
6/10 Punkte

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