Rocky 5

OT: -  105 Minuten -  Action / Drama
Rocky 5
Kinostart: 20.12.1990
DVD-Start: 04.04.2014 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Rocky 5

Von am

Als Sylvester Stallone sich Anfang der Neunziger dazu entschloss, von seinem in den Achtzigern manifestierten Image des unzerstörbaren, larger than life Kino-Helden zu lösen, unternahm er den ersten richtigen Versuch ausgerechnet mit „Rocky V“. Die vierte Fortsetzung zu „Rocky“, der ihm damals den Durchbruch bescherte, sollte sich deswegen wieder back to the roots orientieren. So übernahm Sly dieses Mal die Regie auch nicht selbst, sondern holte Regisseur John G. Avildsen („The Karate Kid“, „Coyote Moon“) nach all den Jahren wieder zurück. Doch leider setzte sich die Regel der Reihe fort, dass jeder neue Teil ein Stück schlechter als sein direkter Vorgänger sein musste, zumal Sly hier eines seiner schlechtesten, ideenlosesten Drehbücher verzettelte.

Direkt am Kampf des Jahrhunderts gegen Ivan Drago („Silent Trigger“, „The Defender“) anschließend, bemerkt Rocky bereits in der Umkleidekabine, dass dieser brutale, unmenschliche Kampf bei ihm psychisch wie physisch Folgen hinterlässt. Adrian (Talia Shire), die ewige Vernunft an seiner Seite, bewegt ihn dann letztlich auch zum Aufhören, als nach seiner Rückkehr in die U.S.A. bei einer Untersuchung seines Arztes irreparable Gehirnschäden festgestellt werden, die, falls Rocky seine Karriere fortsetzt, zu seinem Tod führen können. Ein Schicksalsschlag soll dem nächsten folgen, weil Paulie (Burt Young) Rockys Steuerberater zu allem Überfluss eine Vollmacht über Balboas gesamtes Vermögen überließ, dieser nur leider das Geld komplett verspekulierte, so dass sie alle wieder dorthin zurück müssen, wo Rocky sich einst heraus empor kämpfte – die ärmlichen Arbeiterviertel.

Positiv anmerken muss man, dass Sly hier wieder einen ursprünglichen Rocky verkörpert, der rhetorisch eher weniger begabt, zwar mit Durchblick, verzweifelt seinem Sohn, gespielt von seinem wirklichen Sohn Sage Stallone, erklären muss, warum er nun so plötzlich aus seiner wohlbehüteten Kindheit gerissen wird und nur von seiner couragierten Adrian davon abgehalten wird, wieder in den Ring zu steigen, um den alten Status wieder herzustellen und wenn es ihn sein Leben kosten würde.

Diese traurige Lage, in der Rocky nun steckt, ist für Sly allerdings nur eine Vorrausetzung, um zwei Plots parallel laufen zu lassen, die bestenfalls das Niveau einer Daily Soap haben. Denn Rocky, der Mickeys Erbe in Ehren hält, trainiert die lokale Jugend und wird von dem jungen, talentierten Boxer Tommy Gunn (kann leider überhaupt nicht schauspielern: der spätere Boxweltmeister Tommy Morrison) angebettelt, dass er ihn doch managen würde. Rocky lehnt abweisend ab, entschließt nach kurzem Zögern ihn dann aber doch unter seine Fittiche zu nehmen und entfremdet sich dabei unbemerkt von seinem Sohn, den er völlig vernachlässigt, obwohl der Filius größte Probleme hat, sich in seinem neuen Umfeld zurückrecht zufinden. Zu allem Überfluss streunt auch noch der skrupellose Box-Promotor George Washington Duke (Richard Gant), der eindeutig als Don King – Verschnitt angelegt ist, ständig um den zurückgetretenen Box-Weltmeister herum, um mit ihm noch ein letztes Mal so richtig abzukassieren und dabei so zu tun, als würde er der Familie Stallone nur eine Chance geben wollen. Nur dank der eisernen Adrian bleibt Rocky stur und muss deswegen mit ansehen, wie der geschickt und hinterlistig manipulierende Duke ihm seinen bald sehr erfolgreichen Musterschüler Tommy nach einer Siegesserie, die in düsteren Spelunken beginnt und darauf ihren Lauf nimmt, Flöhe ins Ohr setzt, ausspannt und unter Vertrag nimmt, weil Gunn an die großen Geldtöpfe will. Für Rocky bricht darauf eine kleine Welt zusammen, hatte er in Tommy doch seinen Nachfolger mit Herz und Seele gesehen...

Die nach den luxuriösen Vorgängern nun ärmliche, karge, dreckige Umgebung, ja fast Armut, gibt der Rocky-Reihe wieder ihren realistischen Anstrich zurück und Stallone spielt zum ersten Mal seit langem auch wieder sehr zurückhaltend und verletzlich. Insbesondere die melancholischen Momente, die ihn unter anderem in seine alte Boxhalle führen, zeugen dabei von Klasse: Ein gefallener Rocky in seiner alten Umgebung, wo man ihn nach wie vor verehrt und wo man ihn immer noch liebt. Das macht Spaß den alternden Recken beim Besuch seiner alten Bars zu verfolgen, wo er immer noch freudig begrüßt wird. Der Champ des einfachen Volkes hat an Sympathien nie eingebüßt und Sly ist gut darin immer etwas beschämt zu tun, weil ihm dieser Trouble um ihn peinlich ist, er aber gleichzeitig auf das Erreichte auch stolz ist. Seiner schauspielerischen Qualitäten haben die Achtziger ihm also nicht beraubt. Viel mehr Positives lässt sich dem fünften Teil leider auch kaum noch abgewinnen.

Denn das Drehbuch ist oft totaler Schwachsinn. Allein, dass Paulie die Befugnis besitzt, Unterschriften zu tätigen, die die Vollmacht über Rockys Vermögen angehen, ist bereits sehr unglaubwürdig. Auch die gesamte Substory um das zerbrechende Vater-Sohn-Verhältnis geht bereits früh auf den Zeiger, weil selbst Rocky als liebender Vater irgendwann einmal klar sein müsste, wie er seinem Jungen ständig vor den Kopf stößt, wenn er ständig nur Tommy hofiert, mit ihm trainiert und die Zeit mit ihm verbringt. Deren sich entwickelnde Gemeinschaft geht darüber hinaus viel zu schnell vonstatten.

Auf packende Boxkämpfe wartet man darüber hinaus vergebens. Der Schlusskampf, eine grausam dämliche Straßenprügelei zwischen Rocky und Tommy, der von Duke auf sein Vorbild unter fadenscheinigen Argumenten gehetzt wurde, ist ein Antiklimax sondergleichen und ein denkbar unwürdiges Ende. Bleibt zu hoffen, dass „Rocky VI“ diesen nicht katastrophalen, aber höchstens noch durchschnittlichen Ausrutscher wieder wett machen kann und der Reihe damit ihr würdiges Ende beschert.

„Rocky V“ ist jedenfalls ohne Wenn und Aber eine herbe Enttäuschung voller Klischees und sehr berechnenden Szenen. Vor allem die Momente um Duke, der Tommy umgarnt und ihn mit Frauen und Luxusgütern ausstattet, schreien die Szenen nur so vor Plakativität. Peinlicher sind nur die völlig ihren dramatischen Zweck verfehlenden Momente zwischen dem enttäuschten Sohnemann, der rebellisch zu rauchen anfängt, sich einen Ohrring knipsen lässt und vom Herrn Papa abwendet. Bleibt an dieser Stelle die Frage, was eigentlich Adrian macht, die sonst immer ein wachsames Auge über das Familienglück hält.

Vom Spirit der vorangegangenen vier Filme ist hier leider so gut wie gar nichts mehr übrig, deswegen bleibt „Rocky V“ auch nur als ergänzender Teil für die in Erinnerung, die die Saga komplett brauchen. Alle andere greifen doch lieber zu den Vorgängern. Hier gibt es nur noch Musik die nicht mehr zu den Bildern passt und die wichtigen Elemente, die man nun mal mit Rocky Balboa verbindet, nämlich die mitreißenden Trainingssequenzen und die zum Mitfiebern einladenden Boxkämpfe, denen man sich nur schwerlich entziehen kann, fehlen gänzlich. Das sahen wohl auch die Zuschauer damals so oder ähnlich, denn an alte Erfolge konnte Sly damit nicht mehr anknüpfen.

Fazit:
Sicher, die Angelegenheit hat sicherlich Potential. Rocky auf dem Höhepunkt wieder ganz nach unten zu manövrieren, wäre ein reizvolles Thema gewesen, wenn Sly sie nicht mit seiner Klasse vermissen lassenden Geschichte weiter ausstaffiert hätte. Ein weder gut gespieltes, noch über Klischees hinauskommendes, problematisches Vater-Sohn-Verhältnis, die Story des sich einmischenden, schmierigen Promoters, der Rocky ein letztlich auch nur rückradloses Talent ausspannt und dem Ex-Weltmeister damit wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt, vermögen allerdings wenig bis gar nicht den Geist dieser sehr unterhaltsamen, immer wieder gern gesehenen und mitreißenden Reihe fortzusetzen und für die folgenden 16 Jahre auch vorübergehend zu beenden. Mit vielen Sympathien für Sylvester Stallone und die gesamten „Rocky“ – Filme reicht es gerade noch so für den Durchschnitt, denn letztlich ist dieser Streifen enttäuschend in fast jeder Beziehung, auch wenn Sly selbst hier noch ganz gut wegkommt.

 

Wertung:

5/10 Punkte

Filmering.at
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