Red Eye

OT: -  85 Minuten -  Thriller
Red Eye
Kinostart: 08.09.2005
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Red Eye

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Nach seinem Megaflop „Cursed“ war es für Horror-Regisseur Wes Craven („A Nightmare On Elm Street“, „Scream“) mal wieder an der Zeit etwas für seine Reputation zu tun, denn in Hollywood kann man bei ausbleibendem Erfolg bekanntlich ganz fix weg vom Fenster sein. Sein Versuch der Wiedergutmachung ist nun „Red Eye“ gewesen, der gewiss nicht wie ein guter Thriller ausschaut, aber sich mit seinen konventionellen Mitteln am Boxoffice ordentlich verkaufte, so dass Craven in naher Zukunft keine Angst vor der Langzeitarbeitslosigkeit zu haben braucht.

Dass er es jedoch, obwohl ich persönlich ihn für reichlich überschätzt halte, besser kann, hat er in der Vergangenheit bewiesen. „Red Eye“ ist nämlich nur ein Fastfood-Thriller für zwischendurch, den er schnell in 73 Minuten netto abspult und dank des lukrativen PG-13-Ratings auch nur auf Kommerz zu inszenieren brauchte. Effektive und dazu noch innovative Thriller sehen nämlich gänzlich anders aus. Craven tut hier das, was er am liebsten macht und meist auch am besten kann. Er reißt eine junge, gut aussehende, selbstbewusste Frau, möglichst aus kaputter Familie stammend, aus ihrem Alltagsleben, bugsiert sie in eine ausweglose Lage und hetzt ihr einen Killer auf den Hals. Seine bewährte Formel findet also auch hier wieder statt, nur eben abgewandelt, weil er sich die Portion Horror verkneifen muss.

Lisa Reisert (solide: Rachel McAdams, „Wedding Crashers”) ist eine junge, engagierte Hotel-Managerin, die während ihres Heimflugs einen jungen, höflichen Mann namens Jackson Rippner (verschenkt: Cillian Murphy, „28 Days Later...“, „Batman Begins“) kennen lernt, der ihr nach kurzem Smalltalk offenbart, dass sie das Leben ihres Vaters Joe (unterbeschäftigt: Brian Cox, „X2“, „Troy“) in den Händen hält. Nur wenn sie ihren Einfluss beim Hotel geltend macht, so dass der dort in ein paar Stunden residierende Politiker William Keefe (Jack Scalia, schön den alten Recken mal wiederzusehen) umquartiert wird, um ein Attentat zu ermöglichen, wird ihr zu Hause sitzende, schläfrige und nichts ahnende Vater überleben. Da ist guter Rat teuer...

Aber nicht für Craven, der soweit sorgfältig seine Prämisse in zu langen 20 Minuten aufbaut, wenn man einmal bedenkt, dass der Abspann schon nach 73 Minuten einsetzen wird und diese Exposition so substanziell für das Geschehen selbst gar nicht ist.
Ein bisschen Background von Lisa und ihrem stets besorgten Vater, dann ein paar Dialoge an der Bar während sie Jackson kennen lernt und dann das übliche Prozedere im Flugzeug, wo Jackson schnell zur Sache kommt und sie vor die Entscheidung stellt: Entweder Vater oder Keefe tot. Ihr Anruf soll darüber entscheiden.

Natürlich geht das nicht so einfach vonstatten, aber mehr als die gängigen Ideen fallen Schreiberling Carl Ellsworth, der sich darüber hinaus noch einiges zurechtkonstruieren muss, was den Film bei genauerer Betrachtung immer unmöglicher erscheinen lässt, ein. Lisa sucht verzweifelt nach einem Ausweg, hinterlässt versteckte Botschaften, verzweifelt und sieht sich dem kühlen Jackson ausgesetzt, der ihr Spiel jedes Mal durchschaut, um die nächsten bedrohlichen Einschüchterungsversuche programmgemäß vom Stapel zu lassen. Alles wie gehabt inklusive die Geschehnisse tangierender Nebenfiguren (das kleine Mädchen, die Oma, etc.) und leider kann Craven, abseits seines eigentlichen Metiers und mit dem vorgeschriebenen PG-13-Rating auch noch zusätzlich eingeschränkt, dem nicht viel abgewinnen. Das Flugzeug als beengte und in sich geschlossener Schauplatz wird jedenfalls komplett vergeudet und wahrlich knifflige Situationen traut der Horror-Altmeister sich hier neben einschließender Klaustrophobie auch nicht zu.

Nun sind in seinen Filmen aber stets renitente Exemplare der weiblichen Art vertreten, die sich erst einschüchtern lassen und dann mutig zurückschlagen. So soll es auch hier sein und ehrlich gesagt, kann man spätestens als sie beginnt den Spieß umzudrehen, wenn nicht schon früher geschehen, „Red Eye“ von vorn bis hinten leicht durchleuchten, so ausgenudelt sind die Wendungen.

Denn nach einem kurzfristig einberäumten Hide & Seek – Spiel auf dem Flughafen, wo Lisa dann endlich Boden gut machen kann und trotz der üblichen, sich abwechselnden Probleme (Hach, waren wir da wieder einfallsreich...) der Marke leerer Akku oder Netzprobleme gerade noch rechtzeitig am Haus ihres Vaters ankommt, damit Wes Craven sich endgültig nur noch selbst kopiert. Denn dort muss sie sich dann final eines Killers mit einem riesigen Küchenmessers erwehren und das hat man auch bei ihm schon besser gesehen: Treppe rauf, Treppe runter, Tür zu, Tür auf, schleichen, rennen und wieder von vorn, quer durch die Stockwerke des Hauses, bis man den Killer in letzter Sekunde doch noch zur Strecke bringt und zwar nach Akustik-Schocks, die seit „Scream“ nicht mehr wirken. Jedenfalls nicht so... Das explosive Attentat gibt es uninteressiert inszeniert gratis nebenher.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was überhaupt noch für „Red Eye“ sprechen soll, denn von vorn bis hinten ist dies eigentlich ein Film, den man normalerweise direkt auf die DVD presst und in die Regale stopft anstatt im Kino zu veröffentlichen. Naja, wäre wohl auch so gekommen, wenn da nicht Wes Craven hinter gesteckt hätte. Sein Stammkomponist Marco Beltrami („Blade II“, „xXx: State of the Union“) liefert bisweilen einen soliden Score, ist aber wesentlich besser für Actionfilme geeignet, während Craven selbst hier wohl auch nie mehr als Routine im Sinn hatte und das spürt man zu jeder Minute nicht zuletzt daran, dass so ein talentierter Mann wie Cillian Murphy lediglich ein konturloser, wenn auch arg pragmatischer Bösewicht bleibt. „Red Eye“ ist beileibe kein wirklich mieser Thriller, aber er ist so schrecklich uninspiriert und kommerziell gedreht, als wollte man hier nur mal kurzfristig absahnen und hätte kein weiteres Interesse am Filmstoff. Dabei hätte sich das unlogische Material sicher noch günstiger umsetzen lassen.

Fazit:
Überraschungsfreier, oberflächlicher Standard-Thriller, den ich persönlich sehr langweilig fand. Trotz des relativ hohen Tempos und seiner soliden Riege von unauffälligen Nachwuchsdarstellern vermag „Red Eye“ nie Spannung zu erzeugen oder gar seine Prämisse effektiv zu nutzen. Speziell zum Ende hin wird der Film immer unwahrscheinlicher und unfreiwillig lachhafter. Spätestens wenn der gerade richtig stehende Killer überfahren wird, ist der Ofen dann auch endgültig aus. Wes Craven will ich keinen allzu großen Vorwurf machen, aber sonderlich leidenschaftlich war er hier wirklich nicht am Werk. Naja, bei dem Drehbuch ist das nur allzu leicht verständlich. Meinetwegen kann es ja gern mal konventionell sein, aber dann bitteschön auch effektiv.

 

Wertung:

4/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 5.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 6
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