24 City (2008)

OT: Er schi si cheng ji - 112 Minuten - Drama/Dokumentation
24 City (2008)
Kinostart: 26.06.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu 24 City

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Einer der spannendsten Vertreter der „New Wave“ des chinesischen Kinos ist zweifellos Jia Zhang-Ke. Sein letzter Spielfilm, STILL LIFE gewann 2006 den Goldenen Löwen in Venedig – ein sperriges wie faszinierendes Drama über den gesellschaftlichen und verstärkt auch baulichen Wandel in China, der ganze Dörfer fluten lässt. Auch 24 CITY widmet sich wieder diesem Wandel, wenngleich nicht in einer derart drastischen Form: Während hunderte chinesische Arbeiter zur „Internationalen“ anstimmen, wird ihr Fabrikkomplex abgerissen. Ein anderer Komplex soll entstehen, 24 CITY, mit einem Wort: moderner.

In Gesprächen findet Jia Zhang-Ke zu seinen Gegenübern. Fünf männliche ehemalige Fabrikarbeiter, verkörpert von Laien, drei Arbeiterinnen, von professionellen Darstellerinnen, berichten authentische Lebensgeschichten. Ein dankbarer Part fällt beispielsweise der auch im Westen bekannten Schauspielerin Joan Chen (TWIN PEAKS) zu: Ihre Rolle als „Kleine Blume“ ist zugleich eine Verbeugung vor der Schauspielerin selbst, die 1980 mit dem Film XIAO HUA als „Kleine Blume“ bekannt wurde. Überhaupt ist 24 CITY ein Film voller kultureller Anspielungen, die man eigentlich nur als Kenner ausmachen kann. So ertönt in einer Szene die wehmütige Ballade Sally Yehs, die bereits als Titelmelodie zu John Woos ansonsten absolut unrührender Action-Orgie THE KILLER Tränen in die Augen trieb.

Zhang-Ke entlockt seinen Gesprächspartnern Geschichten, wie sie wohl kaum ein westlicher Regisseur erfahren könnte. Er kann auf den soziologischen und kulturellen Hintergrund als gemeinsame Verbindung bauen. Spannend wird es vor allem dann, wenn in den Gesprächen und Darstellungen kritische Punkte erreicht werden, die die Stimmung kippen lassen. So erzählt eine junge, aufstrebende Einkäuferin zunächst von ihrer bevorstehenden Karriere, bevor sie die Erinnerung an einen Fabrikbesuch bei ihrer Mutter in Tränen ausbrechen lässt.

Zhang-Kes Film beobachtet scharf, urteilt aber nicht. Selbstverständlich ist er aber auch subversiv. Denn in der Offenlegung des wirtschaftlichen Wandels, der auch auf die Kosten der Menschen geht, steckt eine Kritik und der Film desertiert förmlich vor der offiziellen chinesischen Linie. Dennoch ist 24 CITY in China ohne Probleme in den Kinos gelaufen und selbstverständlich bedeutet dies nicht, dass dem Film ein „Früher war alles besser“ Grundton unterliegt. Ganz im Gegenteil, besinnt er sich doch auf die Vergangenheit, wagt einen Blick in die Zukunft und wird genau deshalb zum Portrait der Gegenwart. Anschauen lohnt sich, wenngleich diesmal auch keine UFOS über die Leinwand schweben.

Wertung:
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