The Fall

OT:  The Fall   -  116 Minuten -  Fantasy / Abenteuer 
The Fall
Kinostart: 19.06.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Fall

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Wenn ein Filmemacher vier Jahre an einem Projekt arbeitet und den Film dann in 18(!) verschiedenen Ländern dreht, sollte man sich eigentlich ein kleines Meisterwerk erwarten. Umso herber ist dann die Enttäuschung wenn dem eigentlich nicht so ist. Der Film hat zwar durchaus beeindruckende, exotische Bilder zu bieten, aber mehr leider auch nicht. Die Handlung und die Figuren ertrinken in der Farbenpracht der Bilder und haben nicht den Hauch einer Chance gegen eine derartige visuelle Kraft anzuspielen. Es wirkt viel mehr so, als hätte Tarsem Singh zu viel Zeit und Energie in die Bildkomposition gesteckt, anstatt in die Entwicklung der Geschichte. Was dem Film leider nicht zugute kommt.

Obwohl The Fall eine herzhafte und erstaunlich gute Kinderdarstellerin (Catinca Untaru) in der Hauptrolle aufzuweisen hat, fehlt es dem Film trotzdem an dem nötigen Herz und Feingefühl. Selbst die sympathischen Schauspieler schaffen es nicht ihre einseitigen Figuren zum Leben zu erwecken, wodurch es dem Zuschauer versagt bleibt, auch nur im geringsten mit ihren Schicksalen mitzufiebern. Was jedoch irgendwie eigenartig ist, da die Vorgeschichten der Figuren, zumindest das was man davon erfährt, durchaus interessant sind und genug Material hergeben würden, um daraus vielschichtige Figuren zu kreieren. Leider wurde diese Chance jedoch verabsäumt. Dabei bietet die Geschichte um die kleine Alexandria (Catinca Untaru), die in einem Krankenhaus von einem verunglückten Stuntman (Lee Pace) eine Geschichte über fünf mythische Krieger erzählt bekommt, durchaus die Gelegenheit einer facettenreichen Erzählung. Auch die Verwebung von Realität und Fiktion wird nur ansatzweise ausgenutzt und nicht konsequent genug durchgezogen.

Was hingegen konsequent umgesetzt wurde, ist die visuell ausdrucksstarke Bildkomposition, die durchwegs zu gefallen weiß und dem Film zumindest eine kurzweilige Anziehungskraft verleiht. Denn um die Geschichte in möglichst beeindruckende und farbenprächtige Bilder zu verpacken, hat Tarsem Singh weder Müh noch Not gescheut und fährt dabei wirklich sein ganzes Können auf. Dies sorgt natürlich für einige beeindruckende Bilder, die man aber, aufgrund von mangelnder Involvierung in die Handlung, schnell wieder vergisst. Was ein bildgewaltiges Epos mit einer emotional mitreißenden Geschichte hätte werden können, ist im Endeffekt nichts weiter als eine Ansammlung schön fotografierter Postkarten von mehr oder weniger surrealen Landschaften.

Im Gegensatz zum Surrealismus steht der Krankenhausalltag der beiden Patienten. Zwar wird dieser Alltag auch nicht unbedingt düster dargestellt, da er trotz allem in recht verträumten Bildern gezeigt wird, aber er bildet dennoch einen guten Kontrast zu den Landschaften der Erzählung des Stuntmans. Darüber hinaus entwickeln die Figuren im Krankenhaus eine weitaus lebendigere Darstellung und haben somit eine größere Wirkung auf den Zuschauer, als die Figuren in der Fantasiewelt. Dies könnte man womöglich als einen gekonnten Kunstgriff des Regisseurs bezeichnen, wenn es einem Zweck dienen würde, die Charaktere in der Fantasiewelt derart leblos und uninteressant erscheinen zu lassen. Denn was ihr Gewand an schillernder Farbenpracht und Vielfalt zeigt, ist leider in ihren Figuren nicht vorhanden, wodurch sich die Schauspieler krampfhaft bemühen müssen, ihren Rollen zumindest einen Funken Glaubwürdigkeit abzugewinnen.

Trotzdem kann man aber eigentlich keinem Schauspieler vorwerfen, er würde seine Rolle nicht überzeugend spielen. Sie holen alles aus ihren Charakteren raus, was möglich ist. Leider ist das nicht allzu viel. Viel mehr sind die Fehler scheinbar im mangelhaft ausgearbeiteten Drehbuch zu suchen, dass einfach über viele Strecken uninspiriert und orientierungslos erscheint. Auch die Regie scheint sich mehr auf den Stil und die Optik zu konzentrieren, als auf das eigentliche Geschehen des Films. Denn trotz aller offensichtlicher Vielfalt, die die Bilder ausdrücken, mangelt es The Fall am wesentlichen, an einem emotional ergreifenden Kern, der den Zuschauer in diese bunten Bilder hineinzieht. So bleiben die schönen Bilder leider nicht mehr als das: schöne Bilder.

Aber natürlich ist eine bezaubernde Optik niemals zu verachten und somit bietet der Film zumindest fürs Auge reichlich Nahrung. Dies reicht zumindest aus, um für kurzweilige Unterhaltung zu sorgen. Wenigstens ist man immer wieder erstaunt über die fantastische Visualität des Films. Wenngleich die Geschichte dann doch ihre Längen entwickelt, in denen man sich eines gewissen Gefühls der Langeweile nicht erwehren kann. Zu Lange dümpelt die Handlung vor sich hin und weißt keine wirklich neuen Ereignisse auf, wodurch die ganze Geschichte sich zum einen laufend wiederholt und zum anderen auf allzu bekannte Weise vorwärts schreitet.

Schade ist es eigentlich vorwiegend um die verpasste Chance. Denn The Fall hätte durchaus das Potenzial gehabt für ein episches, emotionales und bildgewaltiges Filmvergnügen zu sorgen, reizt dieses Potenzial aber im Endeffekt nur zu einem Drittel aus während der Rest unangetastet bleibt. Dabei ist es wahrlich erstaunlich und enttäuschend zugleich, dass ein derart groß angelegtes Unterfangen, wie es die Produktion dieses Films ohne Zweifel war, letztlich am grundlegendsten scheitert und die Beteiligten scheinbar mehr Wert auf das Äußere als auf das Innere legten. Aber man muss zumindest anmerken, dass es dem Filmemacher vorzüglich gelang derart schöne Bilder dermaßen unterkühlt und emotionslos darzustellen.

Fazit:

The Fall ist leider nicht das was man sich davon verspricht. Schön fotografierte Landschaften und surreale Figuren täuschen nicht über den Mangel an gut ausgearbeiteter Dramaturgie hinweg. Es wurde leider mehr auf eine kraftvolle und zugegeben visuell beeindruckende Optik geachtet, als darauf eine wirklich nahe gehende Geschichte zu erzählen. Dennoch besticht The Fall durch eine Ansammlung farbenfroher Bilder, die jedoch mehr Ähnlichkeiten mit einem Gemälde und dem Besuch eines Museums surrealistischer Kunst besitzen, als mit einem gekonnt inszenierten, epischen Film. Zu Gute halten kann man The Fall aber, dass er zumindest für kurze Dauer sehr unterhaltsam ist und zugleich auch über gute Darstellungen der Schauspieler verfügt, die wirklich ihr bestes geben um ihre eindimensionalen Rollen so gut es geht mit Leben zu erfüllen. The Fall ist ein allemal mutiges Unterfangen, das aber leider missglückt ist. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) ist es ein sehenswerter Film, in den man zumindest einen verträumten Blick riskieren kann.

Wertung:

5/10 Punkte

Filmering.at
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Liste von Hriss Zagoudis
Erstellt: 06.09.2012