Aeon Flux

OT: -  92 Minuten -  SciFi / Action
Aeon Flux
Kinostart: 16.02.2006
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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710
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Filmkritik zu Aeon Flux

Von am

Die Tatsache, dass der Trend Comichelden ins Kino hieven rückläufig ist und der Zenit auch langsam wieder überschritten ist, was auch die teils enttäuschenden Einspielergebnisse der letzten Zeit nur zu deutlich unterstreichen, hielt MTV Films nicht davon ab, dem hauseigenen „Æon Flux“ noch einen Auftritt auf der großen Leinwand zu spendieren. Mit Oscar-Preisträgerin Charlize Theron („The Italian Job”, „Monster”) in der Hauptrolle und Independent-Überraschung Karyn Kusama („Girlfight“) auf dem Regiestuhl hatten auch vielversprechende Persönlichkeiten zugesagt, das Ergebnis ist dennoch enttäuschend - wenn auch nicht katastrophal.

Denn, was das Autorengespann Phil Hay und Matt Manfredi nachdem miesen „The Tuxedo“ – Skript hier schon wieder verbricht, ist alles andere als eine Bewerbung, sondern lediglich eine höchstens skizzierte Dystopie nach eigentlich bewährtem, aber inzwischen auch verbrauchten Muster, die nach nicht einmal 90 Minuten schon wieder ihr Ende gefunden hat und das Publikum fraglos unzufrieden zurücklässt.

In Anbetracht der schwache Vorlage geht Regisseurin Karyn Kusama also den richtigen Weg, übt sich in Style over Substance, versucht über visuelle Extravaganz zu retten, was noch zu retten und scheitert dennoch, weil diese edel aussehende Dystopie sich nie als unmittelbar, sondern viel zu abstrakt erweist, als dass der Zuschauer sie mit der Realität in Verbindung bringen will. Es lassen sich kaum Parallelen ziehen – höchstens mit sehr viel Phantasie. Das Szenario wird auch nur angerissen anstatt ordentlich ausgearbeitet, aber dies war wohl auch nie im Sinn der Macher gewesen. Selbst inzwischen angejährte Science-Fiction-Schinken aus den Siebzigern (u.a. „Rollerball“ oder „Logan’s Run“) mit ihrem längst antiquitierten Zukunftsdesigns verstehen es heutzutage noch überzeugend ihre „Brave New World“ zu vermitteln, ohne sich lächerlich zu machen.

Aber gut, geben wir uns damit zufrieden, dass „Æon Flux“ ein Fantasyflick werden sollte, dessen Atmosphäre und Faszination quasi schon nach dem Intro gekillt wird und der einzig auf Bewährtes setzt, nämlich Rebellen gegen eine alles kontrollierende Macht antreten zu lassen, die nicht das Beste für die Menschheit, sondern für sich selbst will und deswegen auch skrupellos Kollateralschaden in Kauf nimmt. In dieser Welt, im Jahr 2145, haben sich die letzten Überlebenden der Menschheit nach einer tödlichen Virusepidemie, die vier Jahrhunderte zuvor fast den gesamten Planeten bevölkerte, in die Stadt Bregna zurückgezogen, wo sie abgeschottet vom Rest der Welt ihr Leben führen. Das Leben dort ist nicht gerade das Schlechteste, aber mysteriöse Dinge geschehen genug und Menschen verschwinden plötzlich, so dass der Widerstand sich zwangsläufig bildet, um die totalitäre Staatsmacht zu stürzen. Aeon Flux (Theron), die Vorzeige-Assassin der Rebellenbewegung mit persönlicher Motivation, soll in den Komplex des herrschenden Wissenschaftlers Trevor Goodchild (Marton Csokas, „The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring“, „Kingdom of Heaven“) eindringen, um ihn zu töten. Doch dort erwartet sie erst eine Gefangennahme, dann eine Überraschung und die ist wiederum so ungeheuer ausgefuchst leider nicht...

Sofern man sich als Zuschauer nicht an den klinischen, seelenlosen Setdesigns aufgeilen kann und auch nichts für Charlize Theron übrig hat, die in den irrwitzigsten, natürlich knappen, eng anliegenden und stets viel Haut zeigenden Kleidern ihre Mission vollzieht, dabei allerdings schwach wie selten zuvor schauspielert, fällt das Urteil nüchtern aus, weil die mittelprächtigen CGI-Effekte nur um ihrer selbst Willen selbstzweckhaft möglichst abstrakt ins Auge fallen, als Kusama ihren ersten Blockbuster als überlangen Werbeclip aufziehen, der neugierige Blicke satt machen soll.

Dieser Plan geht bis zu einem gewissen Grad auch auf, denn die teilweise wirklich phantasievoll gestalteten Schauplätze sonnen sich in ihrem Eyecatcher-Dasein, nur mangelt es halt am Drumherum inklusive interessanter Figuren, denn gestandene Darsteller wie Pete Postlethwaite werden (unter anderem) in so abschreckende Kostüme gesteckt, dass man böse Witze über sie reißen möchte. Selbst Heldin Aeon Flux verbleibt trotz tragischem Schicksal in ihrer Eindimensionalität verhaftet. Da wünsche ich mir doch gleich wieder eine Kate Beckinsale in Vampirkluft herbei. Ihre Selene wird in den beiden Auftritten natürlich auch nicht episch ausgearbeitet, hat aber Grip, reißt mit und genießt Anfeuerung.

Die Action kann man derweil schon einmal vergessen, wobei mich das wiederkehrende Gefühl beschlich, als wäre mit „Æon Flux“ ein R-Rated-Film auf ein PG-13-Rating heruntergeschnitten. Denn die Choreographie ist einfach zu hölzern und deutet zu viel Gewalt auch an, die sie eigentlich nicht zeigen will, wobei Kusama da auch einen anderen Weg hätte gehen können, in dem sie die Dauerfeuer-Einlagen wesentlich harmloser in Szene gesetzt hätte. So hat man in den Schnittstakkatos jedenfalls das Gefühl einiges vorenthalten zu bekommen. Ohne Dynamik und Schwung fällt selbst das Finale flach, als eifrig Sniper ihre Ziele ins Visier nehmen und Dutzende von Wächtern dahinsiechen – natürlich gesichtslos und unblutig. Alles will man bedienen, am besten zugleich: Erst etwas Martial Arts, dann effektives Gunplay. Jedoch akzentfrei und kollektiv ohne erwähnenswerte Momente. Ein gestandener Actionchoreograph hätte da vielleicht Wunder wirken können. Theron hinterlässt in diesen Szenen übrigens gar keinen Eindruck, weil von ihr einfach bis auf Genickbrecher nichts zu sehen ist. Die akrobatischen Springereien gehören nämlich in den meisten Fällen in den Turnunterricht, anstatt in diese tödlichen Auseinandersetzungen. Blass, sehr blass! Da kann auch der Bat-Suit mit den versteckten, technischen Gimmicks nicht weiterhelfen.

Die Innovationen sind bei „Æon Flux“ von positiver wie negativer Natur. So wird das Eindringen in den Regierungskomplex beispielsweise durch eine manipulierte Fauna erschwert, was die beiden Attentäter dazu veranlasst möglichst schnell durch die Fallen zu sprinten. Nichts, was den genreerfahrenen Zuschauer aus dem Sessel haut, aber immerhin einer der Lichtblicke, die jedoch selten sind. Als unsinniges Gegenbeispiel darf dieser auf mentaler Ebene stattfindende Meinungsaustausch zwischen der Rebellenanführerin und Aeon Flux herangezogen werden. Später gibt es dann noch Raum-Switching, mittels eines Pfiffs kontrollierte Sprengkugeln und was weiß ich nicht noch alles.

Natürlich obsiegt (Dieses Wort wollte ich seit „V for Vendetta“ in die Tastatur knallen...) der Wille der Freiheit über die Ordnung der Wissenschaftler, die der Natur nicht ihren Lauf lassen wollen und sie jahrelang zu ihren Gunsten manipulierten. Das eigentlich immer noch aktuelle Thema Klonen soll hier aber keine Diskussion erwarten, obwohl es eigentlich das brandheiße Eisen ist. Aber wer sich mit diesen Ansprüchen an „Æon Flux“ heranwagt, fährt ohnehin auf dem Holzweg.

Deswegen kann, aber muss man sich nicht mit diesem visuell ziemlich verspielten Knallbonbon zufrieden geben. Zumindest den Set- und Kostümdesigner sollte man schon Respekt zollen, denn ihre Kreativität und Phantasie ist eigentlich der einzige Grund sich den Film anzuschauen. So steril und emotionslos der Film dadurch auch aussieht, so ganz konnte ich mich der optischen Leckerbissen, des gnadenlosen Stylings, nicht entziehen. Nicht auszudenken, was ein anderer Regisseur mit einem originellen Drehbuch auf diesen eleganten Schauplätzen hätte bewerkstelligen können. Es wäre vermessen zu sagen, dass Karyn Kusama sich hier keine Mühe gegeben hätte. Sie war nur halt etwas unerfahren, überfordert und vom Drehbuch im Stich gelassen. Die Dialoge mit den längst standardisierten Sätzen holten sich die Autoren wohl auch aus der Retorte für altbekannte Situationen und weil alle beteiligten Darsteller sie, genau wie der Zuschauer, zu oft gehört hat, sagen sie sie genauso unbeteiligt und unbetont brav auf. Wieder fehlt die Leidenschaft, Esprit und die Inbrunst hinter den jeweiligen Aussagen.

Fazit:
Ziemlich enttäuschende Realverfilmung einer recht unbekannten Anime-Serie, die wirklich nur über ihren besessenen Style punkten kann, ansonsten leider auf ganzer Linie enttäuscht. Sicher, völlig langweilt man sich hier nicht, weswegen ich auch noch eine unterdurchschnittliche Note vergebe, aber die inspirationslosen, niedrig frequentierten Actionszenen kommen über gute Ideen nicht hinaus und sind schlampig zerschnitten, die Darsteller ohne Lust bei der Sache, der Plot ungeheuer schematisch und die Dialoge aus dem Katalog. Einmal ansehen reicht...

 

Wertung:

4/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 5.9/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 11
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Liste von Missdavies
Erstellt: 18.10.2015