Im Land der Raketenwürmer

OT: -  96 Minuten -  Horror / Komödie
Im Land der Raketenwürmer
Kinostart: 17.05.1990
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Im Land der Raketenwürmer

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Als Komödien-Spezialist Ron Underwood („City Slickers“, „The Adventures of Pluto Nash”) und Franchise-Vater S.S. Wilson („Short Circuit”, „Wild Wild West”) 1989 diese Hommage an den klassischen Monsterfilm der Fünfziger Jahre entwarfen, haben sie es sich sicherlich nicht träumen lassen, dass daraus in den Folgejahren ein eigenes Universum erwachsen würde, das inzwischen neben einem Prequel und zwei Sequels sogar aus einer kurzlebige TV-Serie besteht. Mit jeder neuen Ergänzung setzte sich leider aber auch ein Abwärtstrend fort, der wohl erst einmal gestoppt scheint, da man den Graboiden aktuell eine Auszeit gönnt.

Das bewusst eifrige Jonglieren mit Genreklischees, die Parodie traditioneller Elemente und die ständige Überspitzung der ausweglosen Situation, die „Tremors“ dann in eine Horrorkomödie umwandeln, die temporeich fortschreitet und mit ironischen Wortwitz alle Beteiligten auf der Sympathieskala im Kollektiv nach oben sprinten lassen, machen den Unterschied zu ähnlich gelagerten Produktionen.

Die Prämisse ist klassisch wie simpel: Mitten in der als Kulisse idealen, flimmernden Wüste Nevadas bekommen es die Einwohner des abgeschiedenen Wüstenkaffs Perfection mit einer Horde sich durch den Wüstensand pflügender Monster zu tun, die von nun an Raketenwürmer heißen und eine irre Mischung aus Maulwurf und Regenwurm sind, die auf akustische Signale reagieren und alles einbuddeln oder auffressen, was Krach macht. Unglaublich? Das Denken sich die beiden Taugenichtse Valentine McKee (Kevin Bacon, „Flatliners“, „Hollow Man“) und Earl Bassett (Fred Ward, „Southern Comfort“, „Remo Williams: The Adventure Begins“) auch, glauben gar an Zufälle oder einen Serienmörder, bis ihnen so ein Exemplar auf den Pelz rückt.

Der gewöhnliche Alltag, die prophetischen Vorboten und die Vorstellung aller in Folge wichtiger Beteiligten, die den Film entweder überleben oder gefressen, aber mit Sicherheit nicht einfach verschwinden werden, genießt zunächst Priorität und baut das sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser haltende Duo als unfreiwilliges Heldengespann auf, das dem Kaff schon den Rücken kehren will und nun doch da bleiben muss. Die ewigen Frotzeleien der beiden („Ich bin ein Opfer der Umstände!“ / „Wohl eher von deinem Schwanz“) Vollpfosten, die sich ständig gegenseitig zu übertrumpfen versuchen sind dabei das Salz in der Suppe. Selbst in den höchsten Notlagen steht ihr Mundwerk nicht still. Bacon, sonst immer auf den Unsympathen abonniert, entdeckte hier seinerzeit völlig neue Seiten an sich.

Als Ergänzung dazu gibt es die längst zum wichtigsten Bestandteil der Reihe erwachsenen republikanischen Waffennarr Burt Gummer (Michael Gross in der Rolle seines Lebens), der ständig für den 3. Weltkrieg vorplant und bis zum stattlichen Elefantentöter in seinem Keller ein riesiges Arsenal bunkert, das in den Fortsetzungen ungeahnte Ausmaße annehmen wird. Als Improvisator, der alles mit sich führt, was man so zum überleben brauchte könnte und mehr, ist er dann stets derjenige mit den ungewöhnlichen Ideen, wie man die Viecher zur Strecke bringen kann. Der findige Ladenbesitzer, der Reste des ersten Tremors gleich für seine Monstershow haben will und die leicht verpeilte Studentin, deren Seismologen das Unheil schon ankündigen, erfahren dabei leider weniger Aufmerksamkeit und sollen meist nur ihre kleine Funktion (u.a. love interest) erfüllen.

Doch wenn das es dann endlich losgeht, die Country-Musik humorvoll begleitet und die Würmer so richtig den Boden umgraben, ganze Autos in die Erde ziehen und schließlich die Bewohner von Perfection über und durch Häuser und Wellbleche jagen, beginnt der eigentliche Nonstop-Spaß. Fernbleiben vom Boden heißt die Devise und abwechselnd hat jeder einen guten Plan, der nur wenige Sekunden später dann schon wieder ad absurdum geführt wird. Die Waffen werden durchgeladen und Planierraupen als Rettungsfahrzeuge umfunktioniert, während die einfallsreich kreierten Graboiden ihre Kreise ziehen und sich als hartnäckig wie intelligent erweisen, um an ihre Nahrung zu kommen. Der Wortwitz der langsam panischen Überlebenden steigert sich, die Würmer zersplattern in die klebrigsten Kleinteile ihnen entgegen und jeder getötete Exemplar zieht Applaus nach sich. Dieser Kampf ums Überleben nimmt natürlich den meisten Platz ein und wird durch neue Situationen und Erkenntnisse jeweils vorangetrieben, bis man auch den letzten Wurm gesprengt hat. Nur werden die auch immer gewitzter... Das wirklich einfallsreiche Drehbuch hält dafür die irrwitzigsten Einfällen bereit.

Die Creature Effects von Alec Gillis und Tom Woodruff Jr., beide später mit ihrer Firma Amalgamated Dynamics Inc mehrfach Oscar-nominiert („Starhship Troopers“, „Hollow Man“) beziehungsweise –ausgezeichnet (für „Death Becomes Her“) sind bewusst einfach gehalten und erinnern deswegen umso mehr an althergebrachte Monsterdesigns. Der Charme steht im Vordergrund und eine liebevolle Technik und nicht der spektakuläre, möglichst reale Effekt. Deswegen bewegen die Viecher sich manchmal auch etwas steif und wirken nie sonderlich echt. Die absichtlich dezent antiquitierte Animatronic atmet noch die nostalgische Luft der Fünfziger mit ihren paranoiden Schwarzweißphantasien, die ihrer Herkunft unter anderem der Atomkraft und kruden Laborexperimenten verdankten, während überzogene Splattereinlagen gar gleich den Parodiecharakter unterstreichen.

Fazit:
Kurzweilige, gagreiche Horrorkomödie, die dank ihres einfallsreichen Drehbuchs und der knackigkurzen Laufzeit einfach nur Spaß macht. Der ironische Witz der Dialoge ist eine Pracht, die Darstellerriege mit sichtlichem Spaß bei der Sache und die Umsetzung liebevoll. So vermag die eigentlich unoriginelle Prämisse sein Publikum zu überzeugen. Abgefahrene Ideen (u.a. der Presslufthammer), der Stimmung angepasste Effekte und demonstrativ überzeichnete Nebenfiguren erledigen den Rest. Fun pur, weil Horror und Comedy selten so gut zusammen passen. Ich hoffe ja immer noch, dass „Feast“ demnächst das schwere Erbe von „Tremors“ antreten kann.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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