Little Children

OT: -  130 Minuten -  Drama
Little Children
Kinostart: 27.04.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Little Children

Von am

Filme wie Little Children werden es an den Kinokassen leider nie wirklich einfach haben. Wenn der durchschnittliche Kinogänger, der sich vor dem Filmbesuch nicht besonders darüber informiert welchen Film er sehen möchte, und welche Filme überhaupt gerade laufen, das Kino betritt ergibt sich meist folgendes Szenario: Man geht in das Foyer und wird gleich von diversen Plakaten und Utensilien der Blockbuster halb totgeschlagen und da man ja bereits aus diversen Fernsehspots den Trailer kennt, der kurzweilig Unterhaltung verspricht, geht man eben in einen dieser Filme. Das kleine Poster, wie zum Beispiel eines kunstvollen Little Children wird einfach übersehen, oder falls man es doch entdeckt sofort wieder übergangen. Aber der Leser dieser Kritik ist hier im Vorteil, denn es steht hier schwarz auf weiß, ohne Ablenkungen: Wenn sie gute, anspruchsvolle Filme mögen, dann sehen sie sich diesen Film hier an. Sie werden es garantiert nicht bereuen.

 

Eine typische Vorstadt Amerikas. Nichts besonderes. Es könnte jede Stadt sein. Hier entwickelt sich in der Hitze des Sommers ein Geflecht von Ereignissen, dass beweist dass der Friede in solch einer Umgebung oft nur oberflächlich vorhanden ist und dass darunter alles anders abläuft. Zum Einen ist da der Hausmann Brad Adamson (Patrick Wilson), der zu Hause auf den Sohn aufpasst, da er zum wiederholten Mal seine Prüfung nicht geschafft hat und deshalb als Anwalt nicht zugelassen wird, während seine Frau Kathy (Jennifer Connelly) Karriere macht. Zwar ist er nicht davon begeistert dass seine Frau die Hosen an hat, aber auch seine Zulassung als Anwalt scheint nicht die höchste Priorität für ihn zu haben. Denn anstatt sich für die nächste Prüfung vorzubereiten, verbringt er seine Zeit lieber mit seinem Sohn, oder einfach alleine auf der Straße und sieht der Jugend beim Skateboarden zu.

 

Auch Sarah Pierce (Kate Winslet) ist in ihrem Leben nicht wirklich glücklich: Seit sie ihren Mann beim online-ausleben seiner sexuellen Fantasien erwischt hat ist ihr angespanntes Eheleben vollends zersprungen. Ihren Mann bekommt sie kaum mehr zu Gesicht und ihre kleine Tochter braucht ihre ganze Zeit auf. Ihre wenigen sozialen Kontakte beschränken sich auf den Kinderspielplatz, wo sie allerdings unter den prüden Müttern immer eine Aussenseiterin bleibt. Auf diesem Spielplatz lernt Sarah auch Brad kennen und beginnt Zeit mit ihm zu verbringen. Unter dem Deckmantel der Kinder treffen sie sich im Schwimmbad, oder am Spielplatz und schon bald beginnen sie eine Affäre. Das Vorstadtleben wird vollends durcheinandergeworfen als der aus der Haft entlassende Pädophile Ronnie (Jackie Earle Haley) wieder bei seiner Mutter einzieht...

 

Todd Field und Tom Perrotta haben den Roman des letzteren gemeinsam in eine Drehbuchform gebracht, die es dem Romanautor ermöglichte seiner Geschichte neue Facetten zu geben und sie aus etwas anderem Winkel zu betrachten. Durch die Zusammenarbeit mit Todd Field hat sich die Chance ergeben einen Film zu kreieren, der die wesentlichen Elemente des Romans beinhaltet, aber diese anders aufbereitet. Todd Field hat sich bereits mit seinem Debütfilm, dem fünffach oscarnominierten In the Bedroom einen Namen gemacht und deshalb wurde Little Children, nach fünf Jahren Pause des Regisseurs, auch umso heisser erwartet. Den hohen Erwartungen hält der Film auf jedenfall stand und das eng verwobene, episodenhafte Drama, das hier gezeigt wird, übertrifft sie sogar noch.

 

Man kann Little Children deutlich einen gewissen Einschlag von Sam Mendes Meisterwerk American Beauty ansehen. Beide Filme handeln im wesentlichen davon wie verdorben dass schöne Vorstadtamerika doch in seinem Kern ist. Ähnlich wie der mit fünf Oscars gekrönte Film von Mendes, verwendet auch Little Children einen Erzähler, der in den Situationen seine Kommentare abgibt. Doch genau in diesem Punkt findet sich auch einer der größten Unterschiede beider Filme. Während beide Werke einen dramatischen Hintergrund haben, wird in American Beauty der Hauptdarsteller als Erzähler eingesetzt, der den satirenhaften Charakter des Films betont und das gezeigte etwas auflockert. Der Erzähler in Little Children jedoch ist anonym und denkt nicht einmal daran etwas aufzulockern. Nüchtern erzählt er und lässt den Zuseher mit seinem Schmerz alleine.

 

Dies ist auch ein weiterer Grund warum Little Children nicht soviele Zuseher finden wird wie American Beauty. Der Film ist einfach zu bitter und sowohl die Thematik, als auch einige speziellen Szenen, lassen den Humor der manchmal eingesetzt wird, vergessen und dem Zuseher bleibt sein Lachen im Hals stecken. Fast die ganze Zeit über ist Little Children ein etwas melancholischer Film, der den Zuseher traurig zurücklässt und ihm keine Hoffnung entgegen blitzen lässt. Die Szenarie hat immer etwas von Hoffnungslosigkeit, und als Zuseher verspürt man stets dass die Liebe zwischen Sarah und Brad nicht gut gehen wird. Auch wird um Ronnie eine subtile Spannung aufgebaut, da er von jedem in der Ortschaft gehasst wird und es nur eine Frage der Zeit ist bis die Emotionen überschwappen.

 

Ein besonders wichtiger Aspekt in Little Children sind seine Darsteller. Und diese sind durch die Bank weg einfach hinreissend. Angefangen bei Kate Winslet, die mit Little Children nicht nur den Rekord aufgestellt hat dass sie mit 31 Jahren bereits fünf mal für den Oscar vorgeschlagen wurde, sondern einfach wirklich eine wahnsinnig gute Leistung erbringt. Sie ist es die gemeinsam mit dem ebenfalls herausragenden Patrick Willson den Film auf ihren Schultern trägt und die Chemie der beiden auf der Leinwand ist so elektrisierend, dass man sie als Zuseher gar nicht übersehen kann. Auch Jackie Earle Haley und Noah Emmerich, die sich gegenseitig das Leben schwer machen geben alles und liefern eine fulminante Leistung, die man nicht genug loben kann. Hinzu kommt noch eine Jennifer Connelly, die zwar nicht besonders viel Screen-Time bekommt, aber ihre Momente bestmöglichst nutzt und somit ebenfalls zu den Highlights gezählt werden kann.

 

Little Children ist ein Ensemble Film mit stark inneinander greifenden Episoden, der den anspruchsvollen Zuseher begeistern wird und definitiv eines der Highlights des Jahres ist. Es ist ein ruhiger Film, der sich viel Zeit nimmt um die Figuren und Beziehungen zu untersuchen, sie darzulegen und eine amerikanische Vorstadt vollends zu sezieren. Es ist ein kraftvolles und ruhiges Drama, dass seine Atmosphäre langsam aufbaut und alle Fäden zielgerecht zum packenden Finale hinführt, wo die gesamte Geschichte schließlich in einem grandiosen und vor allem glaubwürdigen Höhepunkt zu Ende geführt wird. Definitiv einer der ganz großen Filme des Jahres!

 

Fazit:

Little Children erzählt seine packende und vor allem glaubwürdige Geschichte sehr nahe an den Figuren und kann durch seinen ruhigen und stilvollen Aufbau den Zuseher von Anfan an in seinen Bann ziehen. Vor allem ist es ein Film der hinter die Fassade eines amerikanischen Vorortes blickt und dort die Figuren und Beziehungen genau analysiert. Ein bitterer und trauriger Film, der in seiner melancholischen Schönheit einfach atemberaubend ist.

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 25
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Liste von Tatjanaa1997
Erstellt: 28.05.2015