Running Scared

OT: -  122 Minuten -  Action / Thriller
Running Scared
Kinostart: 13.04.2006
DVD-Start: 12.05.2011 - Blu-ray-Start: 12.05.2011
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Filmkritik zu Running Scared

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Ohne den Druck eines amerikanischen Major-Studios im Genick spüren zu müssen, durfte Regisseur und Drehbuchautor Wayne Kramer („Blazeland“, „The Cooler“) unabhängig von Einfluss nehmenden Produzenten seinen düsteren, pessimistischen Actionthriller ohne kreative Einschränkungen in die Tat umsetzen und schuf mit „Running Scared“ einen ungewöhnlichen wie herben Film, der aus gutem Grund vom Mainstream ignoriert wurde und an den Kinokassen auch folglich nur geringe Aufmerksamkeit erregte. Für den Otto-Normal-Zuschauer ist dieser gewalttätige Trip sicherlich kaum etwas.

Ausgerechnet Sunnyboy Paul Walker („The Fast and the Furious”, „Into the Blue”), nun wahrlich kein Charakterkopf und eigentlich immer für die selbe Rolle gecastet, darf hier ein gutes Stück von seinem Image abrücken und spielt überzeugend den Kleinkriminellen Joey Gazelle, der sich innerhalb einer Nacht durch eine Lawine von Gewalt und Tod kämpfen muss. Rücksicht kann er nicht nehmen und alle Mittel sind erlaubt, was dann auch zu höchst schmerzhaften Situationen gereicht. Denn ein Drogendeal in einem schmierigen Hotelzimmer geht nicht so glatt wie geplant, als Maskierte mit Schrotflinten die Zusammenkunft stürmen. Aus dem blutigen Chaos können Joey und sein Boss lebendig als Sieger hervorgehen, entdecken bei den ungebetenen Gästen aber Polizeimarken. Joey erhält die Aufgabe die Tatwaffen verschwinden zu lassen. Stattdessen versteckt er sie jedoch lediglich bei sich zuhause in einem Kellerversteck, was der Nachbarsjunge Oleg (Cameron Bright, „Ultraviolet“, „X-Men: The Last Stand“) mit ansieht. Er stiehlt eine Waffe, um sich vor seinem brutalen Vater zu schützen, der ihn und seine Mutter ständig verprügelt. Als im Nachbarhaus Schüsse fallen, Joey hinüberstürmt, Oleg verschwunden ist und sein Vater verwundet am Boden liegt, dämmert ihm schnell, dass er sich in Schwierigkeiten befindet. Die Projektile kann er noch vor der Ankunft der Polizei verstecken, aber nun gilt es auch Oleg und die Waffe zu finden...

Wayne Kramers stilistisch äußerst extravagant inszenierte Odyssee fällt neben seinem bitterbösen, pessimistischen Grundton vor allem durch seine exzentrische Bilderflut mit etlichen Gimmicks auf. Die prägenden Farbfilter und die bedrückend düsteren, dreckigen Bildkompositionen sind zwar die tragenden Eckpfeiler der Inszenierung, wirklich Aufmerksamkeit verdienen aber die ungewöhnlichen, subjektiven Kameraorgien, die Kramer hier zum Besten gibt. Insbesondere in den beiden Shootouts, zu Beginn im Hotelzimmer und später in einer in Schwarzlicht getauchten Eishockey-Halle, sind absolut ungewöhnlich eingefangen. Die Kamera wechselt aus der Ego-Perspektive, um auf dem Boden lang zu gleiten und weggeschobene Waffen einzufangen, folgt Projektilen und wartet nur darauf, dass Kramer einzelne Gewaltexzesse noch einmal vor- beziehungsweise rückwärts in Slowmotion abspult. Und obwohl er nie „voll drauf hält“, ist das Gezeigte mit spritzendem Blut, lauten Schmerzensschreien und einer fast surrealen Stimmung schon allein den Eintritt wert.

Abseits dieser beiden Shootouts findet allerdings kaum Action statt, denn der Film hängt sich an Joey, dessen semiidyllisches Familienleben (sexy Frau, leicht problematischer Sohn und vor sich hin vegetierender Vater) aus den Fugen zu geraten droht. Denn auf die Suche nach seinem Sohn nimmt er nicht nur zunächst seinen Sohn Nicky (Alex Neuberger, „Underdog“) mit, sondern muss auch schneller als korrupte und ehrliche Cops, sein Mafiaboss und russische Verbrecher sein.

Das enorm hohe Tempo und die stylische Umsetzung lassen trotz einer Laufzeit von fast zwei Stunden keine großartige Großstadt-Atmosphäre aufkommen. Die enorm herunterziehende Stimmung, auch hervorgerufen durch eine Maximalanzahl verkommener und kranker Individuen, die in einem psychopathischen Ehepaar, in dessen Fängen sich Oleg später wiederfindet, wohl ihren unrühmlichen Höhepunkt finden. Brutale Väter, gewalttätige Zuhälter, korrupte Gesetzeshüter, Prostituierte und eiskalte Mafiosos sind zwar auch reichlich dreckige Individuen, stecken in ihrer ewigen Boshaftigkeit allerdings doch ein Stück zurück.

Auf der Suche nach Oleg und seiner Waffe muss sich Joey nicht nur die diversen Parteien auf Abstand halten, sondern sich auch die hässlichsten Seiten der Großstadt anschauen und töten. Versiffte Junkies im Park, die für den nächsten Schuss alles tun würden, sollen dabei noch sein kleinstes Problem sein. Denn die Schlinge um seinen Hals zieht sich immer enger, als die Waffe die Besitzer wechselt und Joeys riskantes Vorhaben damit fast unmöglich macht.

Interessant gestaltet sich dabei die Überschneidung diverser Subplots mit der Hauptgeschichte und das erneute Auftauchen von Nebenfiguren in der eigentlichen Handlung. Denn fast jeder, der hier einen ersten Auftritt absolviert, wird auch noch einmal so oder so entscheidend in die Handlung eingreifen und für Überraschungen sorgen. Der schlussendliche Twist, leider etwas unspektakulär umgesetzt, setzt dabei aber noch einen drauf.

Der Zuschauer wird dabei durch hässliche Viertel, wenig einladende Gebäude, schmierige Striplokale und Fassaden, hinter denen unwahrscheinlich Krankes wartet, geradezu gescheucht, während die Figuren leider nur wenig Zeit haben mehr über sich preiszugeben, was etwas Schade ist, hätte man besonders Joey, der einem eigentlich nur Leid tut, so noch sympathischer gestalten können. Aber vielleicht wollte Kramer das auch gar nicht und verzichtete bewusst darauf.

Denn hier kaum jemanden unschuldig aus dem Film zu entlassen, ist einer von Kramers Stärken, der den weniger Bösen quasi als den Guten darstellt. Sicherlich eine höchst zweifelhafte Strategie, die er hier verfolgt, aber so ganz ohne eine wirklich Identifikationsfigur geht es dann letztlich eben doch nicht, weswegen er Joey später immer positiver beschreibt, obwohl es auch bei ihm radikale Ansätze zu entdecken gibt (Stichwort Vater). Etwas Substanz fehlt dem Streifen dennoch, denn die mit viel Tempo abgespulte Suche nach der Waffe mit nackter Gewalt, kranken oder gar psychopathischen Figuren, möglichst dicht gestaffelt, hat keine Halbwertszeit und ich bin mir auch nicht sicher, ob er beim zweiten Ansehen noch genauso gut funktionieren würde. Da bleibt bei den Endcredits einfach nicht mehr hängen, als viel Brutalität, eine exzentrische Umsetzung mit Handlungslücken schließenden Flashbacks, nicht ganz so penetrante Klischees (die Unterweltorgie mit den unwirtlichen Schauplätzen ist letztlich doch ein klein wenig eintönig) und eine Vielzahl hassenswerter Figuren. Ist aber auch schon mal etwas.

Fazit:
Die Story selbst mag reichlich konstruiert, der Score von Mark Isham („Timecop“, „Blade“) eher schwach sein, die Darsteller nur durchschnittlich agieren, und dass die Subplots am Ende sich doch zu fügen haben, dass den Hauptfiguren nichts Ernsthaftes passiert, ist auch nicht immer glaubwürdig. Insgesamt bekommt man es hier jedoch mit einem ziemlich spannenden, schnell voranschreitenden Film zu tun, der mit so herb, brutal und krank mit maximalen unsympathischen Figuren oder gescheiterten Existenzen kaum als abendlicher Actionthriller zum gepflegten Relaxen zu gebrauchen sein dürfte. Allein die abwechslungsreiche und auch etwas verspielte Umsetzung Wayne Kramers, sein bedrückend pessimistischer Bilderstil und das rasante Tempo machen „Running Scared“ aber schon zumindest beim ersten Mal sehenswert.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 22
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