Last Action Hero (1993)

OT: Last Action Hero - 130 Minuten - Action / Komödie
Last Action Hero (1993)
Kinostart: 07.10.1993
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Last Action Hero

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Auch Arnold Schwarzenegger hatte die Zeichen der Zeit erkannt. Seine bis dato weniger gelungenen Ausflüge ins Komödienfach waren durchwegs nicht richtig überzeugend, aber nach seinem Karrierehöhepunkt „Terminator 2: Judgment Day“ war es nun endlich überfällig den glorreichen Zeiten des Testosteron-Actionfilms, die endgültig vorbei waren, ein würdiges Denkmal zu setzen. In der Tat hatte „Last Action Hero“ es seinerzeit nicht einfach, blieb hinter den Erwartungen an den Kinokassen zurück und konnte weder Fans noch Kritiker richtig überzeugen. Mit „True Lies“ legte Arni dann ein Jahr später auch gleich nach und gewann problemlos seinen Kredit wieder zurück. Schuld am Versagen des Films war die Story des weniger begabten Autorengespanns Zak Penn („Inspector Gadget“, „Elektra“) / Adam Leff („Bio-Dome“), die als völlige Grünschnäbel auf diesem Terrain eine Geschichte verantworteten, die den Nerv der alteingesessenen Fans, die mit diesen Produktionen in den Achtzigern groß wurden, nicht traf und völlig an ihnen vorbei geschrieben wurde, um das junge Publikum mit einer infantil-phantastischen Story zu bedienen. Genre-Spezi Shane Black („Lethal Weapon”, „The Last Boy Scout”), der daraus später das Drehbuch schrieb, holte aus der verfahrenen Kiste zwar noch heraus, was zu holen war, aber das Misskonzept blieb.

Nichtsdestotrotz dürfen sich die Geeks und Genrefreunde immer wieder dabei ertappt fühlen, wie sich unzählige Referenzen, Querverweise und Anspielungen ausmachen, denn Black hat in dieser Hinsicht zusammen mit Komponist Michael Kamen („Event Horizon“, „Open Range“) einfach Großartiges geleistet und das weiß man als Fan ohne Wenn und Aber zu schätzen. Wenn die Themes von „Die Hard“ oder „Lethal Weapon“ erklingen, Sharon Stone („Basic Instinct“, „The Quick and the Dead“) und Robert Patrick („ D-Tox“, „Ladder 49“) das Polizeirevier verlassen und dabei an ganz bestimmte Filmklassiker erinnern, Jean-Claude Van Damme („Bloodsport“, „Hard Target“), Danny DeVito oder James Belushi sich auf Filmpremieren herumtreiben, in Videotheken mit Sylvester Stallone („Rocky“, „Rambo“) als Terminator geworben wird und Oneliner zitiert oder parodiert werden, möchte man sich die Hände wund klatschen bei soviel Einfallsreichtum.

Für reichlich Insidergags ist also gesorgt und Koryphäe John McTiernan („Predator“, „Die Hard“) lässt es auch gewohnt souverän so richtig mit Action a la carte krachen. Überbordende Pyrotechnik sorgt in den Autoverfolgungsjagden, die auch schon mal in Gebäuden enden können oder unmögliche Manöver bereit halten, für die nötige Ironie in den Actionszenen, während Arni natürlich überstilisiert als L.A. – Bulle Jack Slater over the top eine Unmöglichkeit nach der anderen gemäß der Film(un)logik abliefert und dies alles selbstverständlich hinnimmt, denn er ist eine Filmfigur und als solche wundert man sich auch nicht über Comicfiguren oder projizierte Hologramme als Partner oder cholerisch brüllende Vorgesetzte (wunderbar: Frank McRae, „48 Hrs.“, „Lock Up“). Im augenzwinkernden Gegensatz dazu prüft er allerdings auch Türen auf Verschluss bevor er sie eintritt.

Nun reichte aber eine reine Parodie den Machern nicht aus, sondern die Regeln und Schwächen des Genres selbst sollten zusätzlich auch noch aufs Korn genommen werden, weswegen sie sich den minderjährigen Jungen Danny Madigan (Austin O'Brien, „Prehysteria!“, „My Girl 2“) ausdachten. Nach dem Tod seines Vaters von seiner arbeitenden, aber fürsorglichen Mutter vernachlässigt, besucht der Knirps lieber ein marodes Traditionskino, das kurz vor der Schließung steht, und zieht sich täglich die Jack Slater – Filme rein. Die Schule mag er nicht, träumt er sich doch selbst bei Shakespeare lieber Jack Slater herbei, der die Probleme doch ganz anders lösen würde.

Als der alte Vorführer ihm eines Tages eine magische Kinokarte schenkt, mit der er durch die Kinoleinwand in die Filmwelt gelangt, sieht Übercop Jack Slater sich mit einem Dreikäsehoch konfrontiert, der alles in Frage stellt und sein Partner wird. Dessen Theorien erscheinen Jack sehr merkwürdig, aber der Erfolg gibt ihm recht. Die dabei stattfindende Aufdeckung von fehlender Filmlogik und Wiederholungen bekannter Rituale in Actionfilmen fällt dabei leider flach aus und auch der Plot mit einem peinlichen Anthony Quinn („Notre Dame de Paris“, „Revenge“), der sich in Los Angeles zum alleinigen Boss der Unterwelt (mit dem handlangendem Schrank Professor Toru Tanaka) aufschwingen will, dabei aber nicht mit der Hinterlistigkeit seines Killers Benedict (Charles Dance, „Alien³“, „Space Truckers“) rechnet, ist eine nur allzu platte Geschichte, die sich wenig dazu eignet diese Filmart im Detail zu zerlegen. Genau genommen ist der Plot nicht einmal richtig interessant und ein richtiger Showdown fehlt, nachdem man auf der Zielgeraden in die Realität einbiegt auch.

Ansonsten gibt es jedoch noch einige herrliche Verbeugungen und unzählige Filmzitate. Tom Noonan spielt nach „Manhunter“ wieder einen Angst einflößenden, grausamen Serienmörder, der Slaters Sohn auf dem Gewissen hat. Dieses Drama soll sich am Schluss mit Danny noch einmal wiederholen, wobei dort ein Dialog merkwürdig nach „Cliffhanger“ klingt und Jack Slater, der sich plötzlich in der Realität wiederfindet und feststellen muss nur ein imaginärer Held zu sein, der ebenso sterben wie Schmerzen fühlen kann, ein wenig mit seinem wirklichen Dasein kämpft. Bitterböse sind dagegen die Gedanken von Benedict, der schnell erkennt, dass die wahre Welt sich weitaus weniger um Verbrechen schert und so ganz andere Möglichkeit für ihn bereit hält.

Dank ausführlich gestalteter Actionszenen auf gewohnt hohem McTiernan-Niveau, die nur manchmal an noch nicht ganz ausgereifter Tricktechnik kranken, gibt es dabei genug für das Auge: Vans mit Mini-Gatlings, schießende Hubschrauber, explodierende Häuser und Wagen oder einfach Schießereien. Die Fans werden hier satt gemacht und mittendrin immer der völlig überstilisierte Arni als Jack Slater, der die Klischees absichtlich schön dick aufträgt. Nachladen muss er nie und mehr als eine Fleischwunde kommt ihm sowieso nicht unter, während ihm Schimpfwörter aufgrund des Ratings keinesfalls über die Lippen kommen dürfen.

Dazwischen stört nur der Run auf die magische Karte, an dessen Existenz alle ohne Vorbehalte glauben und die dann zu einem wichtigen Utensil wird, um zwischen den Welten wandern zu können. Ein, wie schon erwähnt, absolut alberner Einfall, und der Junge als sein größte Fan will auch nicht passen, wobei der Übergang zwischen Fiktion und Realität auf jeden Fall seinen Anreiz hat und Schwarzenegger dann auch die Gelegenheit gibt, sich als Schauspieler auf die Schippe zu nehmen. Arnis Zielgruppe war damals aber ein ganz andere und die wird hier leider etwas im Stich gelassen.

Fazit:
Je älter „Last Action Hero“ wird, desto mehr lerne ich ihn zu schätzen und das liegt nicht nur an John McTiernans erstklassiger Inszenierung. Von einem hohen Tempo und enormer Kurzweiligkeit geprägt, schöpft diese Persiflage leider nicht ihr volles Potential aus, berstet jedoch fast vor Anspielungen und Zitaten, so dass sich bei jedem weiteren Anschauen neue Details entdecken lassen. Dass so einen Film nur die Genrefreaks zu schätzen wissen, ist eigentlich klar. Zum definitiven Abschluss eines glorreichen Kapitels reicht es leider nicht und trotzdem muss man Black, McTiernan und Schwarzenegger für dieses Schlusswort danken. Denn immerhin hat es besser niemand hinbekommen.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 22
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Liste von Missdavies
Erstellt: 18.10.2015