Obszön - Der Fall Peter Herzl

OT:  Obszön - Der Fall Peter Herzl  -  93 Minuten -  Drama 
Obszön - Der Fall Peter Herzl
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Filmkritik zu Obszön - Der Fall Peter Herzl

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Die 70er – eine Zeit geprägt von freier Liebe, Miniröcken und RAF-Terror. Zumindest wenn es nach heutiger Betrachtung geht. Der Mythos, welcher die Terrororganisation (wieder) umgibt, dient zahlreichen Kino- und TV Produktionen als Legitimation ihrer Existenz. Geschichte aufarbeiten ist das Motto. Tatsächlich ist die RAF im Kino vermutlich gerade deshalb so interessant, weil das Kino einen wesentlichen Beitrag zur Bedeutungsstiftung dieser Organisation gelegt hat. Zum einen, weil Baader und Meinhof der Hauch von Bonnie & Clyde umwebt, zum anderen aber auch, weil wir ohne DEUTSCHLAND IM HERBST (1978) nicht vom „Deutschen Herbst“ reden würden. Es ist wohl in der Geschichte des Kinos erstmals zu beobachten, dass aktuelles Tagesgeschehen so unmittelbar in die Filmwelt einfließt.

Während in Deutschland der Terrorismus der 70er Jahre cinematographisch untermalt und schließlich ad absurdum geführt wurde (DIE DRITTE GENERATION), hinken wir Österreicher typischerweise hinterher. Dafür dürfen wir mit OBSZÖN – DER FALL PETER HERZL den wohl schmutzigsten all dieser Filme unser eigen nennen. So schmutzig, dass der Film bei unseren bundesdeutschen Nachbarn bis vor wenigen Jahren noch indiziert war.

Peter Herzl (Volker Spengler) ist Sozialarbeiter und in seinem mickrigen Käfer unterwegs von Italien nach Deutschland. Auf der Autobahn wird er von einem dilettantischen  Terroristenpärchen überfallen und genötigt, einen Drohbrief an einen Politiker zu unterzeichnen. Herzl wird so zum deutschen Staatsfeind Nummer 1 und muss in Wien bei der Hure Kathi (Lydia Kreibohm) und deren pubertierender Tochter Edeltraud (Karina Fallenstein) untertauchen. Das passt Kathis Chef Joe (niemand geringerer als Austria’s Pimp-No.1 Hanno Pöschl) nun gar nicht, denn sein bestes Pferd im Stall beginnt sich noch dazu in Herzl zu verlieben. Und so wird schon bald das Amt für Antidemokratische Umtriebe, AFADU, auf den Gemeindebau, in dem Kathi wohnt, aufmerksam. Am Ende ist alles beinahe wieder so wie 1934!

OBSZÖN macht es seinen Zuschauern nicht unbedingt leicht. Man ist bei vielen Filmen versucht, ihnen das Attribut „dreckig“ oder „schmutzig“ zu attestieren – hier liegt der seltene Fall vor, dass diese Zuschreibung eine echte Untertreibung ist. Denn was uns Regisseur und Drehbuchautor Hans-Christof Stenzel hier auftischt, ist weit mehr als das.

Schließlich bleibt man ziemlich ratlos im Kinosessel zurück. Der Film fordert einen heraus, nicht nur durch seine zahlreichen visuellen Provokationen, sondern auch durch sein Drehbuch, das man nicht hundertprozentig verstehen kann oder muss. Und trotz aller Empörung, die man bei diesem Film empfinden kann – angefangen bei der – sagen wir es wie es ist – unappetitlichen Leibesfülle Spenglers, die uns in zahlreichen Szenen in ihrer ganzen Pracht vorgeführt wird – gibt es zahlreiche belohnende Momente, die für all das entschädigen. Etwa wenn Hanno Pöschl einem sterbenden Konkurrenten als letzten Ratschlag folgendes mitteilt: „Wennst an Jesus siehst, hau’ eam a poar in die Goschn!“


OBSZÖN – DER FALL PETER HERZL ist eine Fleischbeschau der unappetitlichen Sorte, legt aber zugleich schonungslos die Finger auf die Wunden der österreichischen Gesellschaft und passt somit perfekt ins österreichische Kino der frühen 80er Jahre.

Wertung:
6/10 Punkte

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